Aktivisten besetzten Gasthof Guldenen oberhalb der Forch erneut
Restaurant von Milliardär Urs E. Schwarzenbach
Schon wieder sind Hausbesetzer in den leer stehenden Gasthof Guldenen auf dem Pfannenstiel eingedrungen. Nun wurde die Liegenschaft mit Brettern vernagelt.
Am Montagmorgen ist es ob der Forch zu einem Polizeieinsatz gekommen. Mit mehreren Fahrzeugen rückte die Kantonspolizei zum ehemaligen Restaurant Waldhof Guldenen aus. Grund dafür war die erneute Besetzung des leer stehenden Gasthofs auf dem Pfannenstiel.
Erst letzten Sommer hatte sich schon einmal eine Gruppe von Personen ohne Erlaubnis Zutritt in die Guldenen verschafft. Über einen Telegram-Kanal der Stadtzürcher Besetzerszene gaben die Aktivisten damals bekannt, das Haus, das seit 2015 dem Financier und Besitzer des Luxushotels Dolder, Urs E. Schwarzenbach, gehört, besetzt zu haben. Ihre Forderung lautete: «Dolder enteignen, Steuerhinterzieher enteignen, Milliardäre enteignen.»
Auch dieses Mal teilten die Hausbesetzer über den gleichen Kanal mit, das Haus seit vergangenem Mittwoch, dem 26. März, in Beschlag genommen zu haben. «Nachdem es schon mal eine Familie letzten Sommer versuchte, dachten wir, das steht ja immer noch leer», heisst es in der Nachricht, die am Sonntag abgeschickt wurde. Als «Familie» bezeichnen die Aktivisten die Gruppe an Besetzern. Und weiter: Das Gebäude stehe «schon länger leer, als einige von uns alt sind». Denn bereits seit 2007 wurde im ehemaligen Restaurant an malerischer Lage nicht mehr aufgedeckt.
Vor der Räumung waren Besetzer wieder verschwunden
Der Nachricht angehängt ist ein Foto des Gebäudes, das die Guldenen mit einem «Besetzt»-Aushang zeigt, der an den Fenstern des Dachgeschosses fixiert wurde. Bereits letzten Sommer wurde an derselben Stelle ein Transparent angebracht. Aber wie auch schon vor neun Monaten wurde es innert wenigen Tagen wieder entfernt.

Die Kantonspolizei bestätigt auf Anfrage dieser Redaktion, dass am Montagvormittag ein Polizeieinsatz stattgefunden hat. «Die Liegenschaftsverwaltung hat einen Strafantrag gestellt, worauf die Kantonspolizei zum Gasthof ausgerückt ist», sagt Mediensprecher Alexander Renner.
Die Polizistinnen und Polizisten hätten vor Ort keine Personen im ehemaligen Restaurant antreffen können. Das Gebäude sei danach der Eigentümerschaft übergeben worden. Weitere Angaben macht die Polizei nicht.
Fenster vom Gasthof Guldenen mit Brettern zugenagelt
Am Tag danach deutet nicht mehr viel auf den ganzen Spuk hin. Einzelne Spaziergänger drehen ihre Runde. Ein Mann, der in der Nähe wohnt, betrachtet das Gebäude und schüttelt den Kopf. Besten Fisch habe er früher in der Guldenen gegessen. Es sei ein Jammer, dass der Gasthof schon so lange leer stehe.
Bei der Räumung am Montagmorgen war er selbst nicht vor Ort. Eine Spaziergängerin habe ihm aber erzählt, es habe auf der Zufahrt zum ehemaligen Gasthof für Autos kein Durchkommen gegeben, so viele Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Am Nachmittag sei dann ein Schreiner vorgefahren. Dieser hat die Türen und Fenster, die über keine Fensterläden mehr verfügen, mit Brettern zugenagelt. Offenbar soll das Gebäude nach dem jüngsten Vorfall besser vor Aktivistinnen und Aktivisten geschützt werden.

Dass die Hausbesetzer sich vor dem Eintreffen der Polizei aus dem Staub gemacht hatten, scheint daran zu liegen, dass ihnen die Räumung angekündigt wurde. Jedenfalls schrieben sie in der kryptisch verfassten Mitteilung vom Sonntag, dass das Haus «aus unerklärlichen Gründen gefährlich sei» und sie dort rechtlich nicht wohnen könnten und es geräumt werden solle. Den Polizeieinsatz vom Montagmorgen und das damit zusammenhängende Ende der Besetzung lassen sie bislang unkommentiert.
Stillstand seit 2016
Was das genaue Ziel der inzwischen beendeten Aktion war, ist nicht bekannt. Schwarzenbach dürfte den Besetzern aber nach wie vor ein Dorn im Auge sein. Eigentlich sollte das Restaurant denn auch längst nicht mehr verlassen und leer sein. Der Kauf des Areals im Jahr 2015 war an die Bedingung geknüpft, das Restaurant wieder zu beleben. Damals hiess es, man wolle im selben Jahr noch eine Baubewilligung erhalten.
Die letzte Entwicklung gab es jedoch im Jahr 2016, als ein Gestaltungsplan für das Restaurant und die beiden auf dem Perimeter liegenden Scheunen öffentlich auflag. Letztere sollten dereinst mit dem Gasthof ein Ensemble mit Saal, Lagerräumen, Hofladen und Gästezimmern bilden. Doch obwohl die Gemeinde Maur und der Kanton den Gestaltungsplan guthiessen, wurde kein Baugesuch eingereicht.