Ab einem Liter Blutverlust besteht Lebensgefahr
Diesen Samstag werde ich wieder Sanitätsdienst an der Streetparade in Zürich leisten. Vor einem Jahr standen leider die Schnittverletzungen am Häufigsten im Vordergrund. Die vielen Glasscherben führten an allen Körperstellen zu erheblichen Wunden und auch arteriellen Blutungen.
Sanität hatte wegen Glasscherben Hochbetrieb
Durch die Schuhe eingetretene Glasscherben, die in den Füssen steckten über Verletzungen durch herumgeworfenes Glas auch im Kopfbereich bis hin zu Schnitten im Gesäss, weil sich die Patienten in die Glasscherben gesetzt hatten, hatten wir alle Hände voll zu tun. Viele Patientinnen und Patienten mussten ins Spital zur weiteren Wundversorgung wie nähen und chirurgische Entfernung von Fremdkörpern, überführt werden. Ich hoffe sehr, dass diese Art von Verletzungen dieses Jahr seltener sein werden.
Erwachsene haben fünf bis sechs Liter Blut
Starke Blutungen gehören auch zu den lebensbedrohlichen Zuständen. Ein Erwachsener Mensch hat je nach Grösse zwischen fünf bis sechs Liter Blut im Körper oder etwa sieben Prozent des Körpergewichts. Sobald Blut fliesst, sieht die Situation rasch dramatisch aus. Stellen Sie sich eine Blutlache von einem halben Liter Blut vor. Ab einem Liter Blutverlust besteht Lebensgefahr. Die Blutstillung gehört zu den lebenserhaltenden Sofortmassnahmen.
Grundsätzlich gilt bei starken Blutungen: Mit einem saugenden Gegenstand fest auf die Wunde drücken und sofort alarmieren oder einen Arzt aufsuchen. Starke Blutungen gehören immer in ärztliche Versorgung und bei arteriellen Blutungen muss sofort und unbedingt die Ambulanz aufgeboten werden.
Arterielle Verletzungen sind besonders gefährlich
Man unterscheidet bei offenen Verletzungen unter arteriellen und venösen Blutungen. Die Arterien sind die Blutbahnen, die vom Herzen wegführen und deshalb unter höherem Druck stehen als die zum Herzen hinführenden Venen. Ist eine solche Arterie betroffen, ist das an einem pulsenden, manchmal spritzenden Blutaustritt zu erkennen.
Der Patient verliert sehr schnell viel Blut und es droht ein hypovolämischer Schock (Volumenmangel-Schock). Schock ist eine lebensbedrohliche Kreislaufstörung, die zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gewebes führt und schliesslich zum Herzkreislauf-Stillstand führt.
Fremdes Blut kann Infektionskrankheiten übertragen
Bei blutenden Wunden ist als Erstes der Eigenschutz zu beachten. Jegliche Körperflüssigkeiten können gefährliche Infektionskrankheiten wie Aids oder Hepatitis übertragen. Deshalb soll der Kontakt mit fremdem Blut vermieden werden. Nicht immer sind Plastikhandschuhe verfügbar. Da können Plastiktüten, vielleicht vom Znüni Brot, gute Dienste leisten. Aber nur dann, wenn sie nicht porös sind und keine Löcher haben. (Sandra Renggli)
Fremdkörper in der Wunde lassen
Stecken Fremdkörper in der Wunde, müssen sie unbedingt darin belassen werden und der Wund-, Druckverband muss dementsprechend vorsichtig angelegt werden:
– Der Patient soll hingesetzt oder hingelegt werden, da er bewusstlos werden und sich bei einem Sturz zusätzlich verletzen könnte.
– Den verletzten Körperteil hochhalten, um den Blutfluss zu hemmen.
– Es muss Gegendruck mit einem saugfähigen Material ausgeübt werden, z. B. Stoffstücke, Wundkompresse, Socken etc.
– Steht die Blutung damit nicht still, Druckverband anlegen.
– Ein Laie soll nicht abbinden oder abdrücken, nur einen guten Druckverband anlegen und alarmieren.
– Wird die Blutung trotz Druckverband nicht gestillt, einfach einen weiteren Druckverband über den Ersten legen.
– Körperteil ruhigstellen, hochlagern und den Patienten betreuen.
– Für Wärmeerhalt sorgen (zudecken).
Anlegen eines Druckverbandes:
– Ein Saugpolster (Wundauflage) direkt in oder auf die Wunde legen.
– Einen Gegenstand (z. B. Gazerolle) als Druckpolster auf das Saugpolster drücken.
– Mit einer Binde (Gurt, Halstuch) festbinden (nicht abschnüren) und wenn möglich auf der Wunde zuknoten.