Ein Schockmoment fürs Indianermuseum
Museumsdirektor Vincent Escriba stand fast das Herz still. Monate hatte er in den Wiederaufbau des Indianermuseums in Gossau gesteckt. Ganze Szenerien neu gestaltet, die historischen Stücke in den Vitrinen praktisch komplett ausgewechselt, einen neuen Shop eingerichtet. Und nun, zwei Tage vor der Wiedereröffnung nach über zwei geschlossenen Jahren, machte es «Bumm» und nichts ging mehr.
«Praktisch sämtliche Lampen brannten durch, alles futsch, auf einen Schlag», erzählt er. Bald stellte sich heraus, dass bei der Verkabelung der Museumsbeleuchtung Fehler passiert waren. Die Folge: «Zwei Tage schwitzten wir Blut, waren Tag und Nacht am Wiederherstellen.» Escriba und sein Team mussten die Lampen, nicht nur die Birnen, sämtlicher Vitrinen ersetzen, auch die anderen Beleuchtungselemente. Und die gesamte Verkabelung.
«Die Leute waren ‘giggerig’»
Escriba wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn und atmet laut aus. «Jetzt sind wir kaputt. Aber alles hat geklappt.» Der Start am Sonntag kurz nach dem Mittag zog von Beginn weg zahlreiche Besucher an. «Die Leute waren ‘giggerig’», sagt Escriba. «Ich wurde immer wieder gefragt, wann es endlich weitergehen würde.» Nun ist etwa 15 Uhr – also Halbzeit des ersten Nachmittags – und Escriba schätzt, dass bereits über 200 Besucher zugegen waren oder noch sind.
Einer von ihnen ist Gossaus Gemeindepräsident Jörg Kündig (FDP). Er sei selber Gönner des Museums, sagt er. «Ich finde diese Institution ausgesprochen wertvoll. Sie ermöglicht hier in unserer Gemeinde einen Blick über den Tellerrand, in eine andere Kultur.» Das Museum richte sich bei Weitem nicht nur an Karl-May- und Winnetou-Romantiker. «Das ist reelle Geschichte, das ist reelles Kunsthandwerk.»
«Ein Standortvorteil»
Das Indian Land Museum sei für die Gemeinde Gossau auch ein klarer Standortvorteil. So ziehe es Besucher weit über die Gemeindegrenze an. «Es hat also einen touristischen Effekt.» Der Gemeinderat sei froh, dass das Museum nach über zwei Jahren der Schliessung endlich wieder geöffnet sei. Kündig geht auch davon aus, dass der Gemeinderat für dieses und kommende Jahre einen Finanzierungsbeitrag fürs Museum sprechen wird. «Das hat mittlerweile Tradition. Und uns ist wichtig, dass das Museum bestehen bleibt.» In den letzten zwei Jahren sei das ja alles andere als sicher gewesen.
Escriba bestätigt diese Aussage. «Es gab Zeiten, in denen ein Abbruch der Ausstellung einfacher gewesen wäre als eine Wiedereröffnung.» Doch letztlich sei es ein Entscheid für die Besucher gewesen. «Wir begehen im März das 24. Jahr des Museums. In all den Jahren haben wir den Leuten viel Freude gebracht. Der Rückhalt ist gross. Das zeigt auch die grosse Zahl von Besuchern und deren Feedbacks.» Auch Kündig findet: «Dieser Aufmarsch zeigt, dass das Museum nach wie vor viele Freunde hat.»
Ungewisse Zukunft
Escriba blickt dennoch in eine ungewisse Zukunft. «Tatsache ist, dass wir nach dem Umbau noch Schulden haben und deshalb Sponsoren oder Spender brauchen. Das ist nicht einfach.» Und da der Shop neuerdings ausserhalb des Museums liegt, benötige er für den Betrieb des Museums doppelt so viel Personal. «Es sind zwar einige neue Helfer dazugekommen. Aber wir brauchen noch mehr.» Zudem ist Escriba skeptisch, wie präsent das Museum den Leuten nach über zwei geschlossenen Jahren noch ist. «Wir müssen sicher nicht von vorn beginnen. Aber wir werden nicht umhin kommen, die Werbetrommel zu rühren.»
Daneben will Escriba in der nächsten Zeit einen weiteren Museumsteil erschliessen. Hinter der Rückwand liegen 350 Quadratmeter brach, die zu weiteren Museumsräumen werden sollen. Er spricht von sechs Galerien. Ein Teil davon im Indianerkontext, etwa eine Waffenkammer. Eine Galerie soll aber Sammlern und Künstlern von extern zur Verfügung stehen. Und das Herzstück des neuen Teils soll eine Steinzeitausstellung werden. «Ich kann aber noch nicht sagen, wann das kommt. Auch das braucht Geld. Und Energie. Davon habe ich momentan nicht mehr so viel übrig.» Er verdreht kurz die Augen und lacht. «Aber ich bin sehr glücklich, dass alles gut gekommen ist und so viele Leute hier sind.»