Das erste fahrende Nagelstudio Europas
Man kennt Nicole Zikan in Volketswil. Ihren schwarzen Bus mit der pinken Aufschrift «Nikki Nails» hält man hier nicht mehr nur für fahrende Werbefläche: Dass sich hinter den schwarzen Türen des Lieferwagens tatsächlich ein Nagelstudio verbirgt, hat sich herumgesprochen. Seit knapp einem Jahr kurvt die 40-Jährige mit ihrem fahrenden Nagelstudio im Grossraum Zürich umher und bedient ihre Kundschaft gleich vor Ort. «Meine Kundinnen kommen auch mal in Hausschuhen und Pyjama zu mir in den Bus», erzählt sie. Das störe Zikan aber nicht, denn das sei die Idee hinter ihrem Konzept. Die adrette Unternehmerin aus Volketswil streicht sich ihre blonden Haar aus dem Gesicht. Ihre Nägel trägt sie lang, sie laufen am Ende spitz zu: «Ich will etwas zur Entschleunigung beitragen. Wer zu mir in den Bus kommt, sollte nicht gestresst sein.»
Exotin in der Schweiz
Mit ihrer ungewöhnlichen Idee ist die Volketswilerin bislang noch eine Exotin auf Schweizer Boden und wie sie sagt, auch in Europa: «Gemäss meinen Internet-Recherchen gibt es noch niemanden mit einem vergleichbaren Konzept.» Die Idee, ein Nagelstudio in einem Kleinbus einzuquartieren, hatte Nicole Zikan zusammen mit ihrem Mann. Zwar habe sie sich zuerst überlegt, ein Nagelstudio in Zürich einzurichten. «Aber mit einem mobilen Nagelstudio bin ich als vierfache Mutter flexibler.»
«Meine Kundinnen kommen auch mal in Hausschuhen und Pyjama zu mir in den Bus.»
Nicole Zikan, Kosmetikerin
Was die reisewillige Kosmetikerin für ihr fahrbares Nagelunternehmen noch benötigte, war eine Bewilligung für sogenanntes «Reisegewerbe». Einmal bezahlt, ist die Karte jedoch fünf Jahre lang gültig. Die Einrichtung des Busses habe sie mit ihrem Mann zusammen umgesetzt: Die Böden, die Wandverkleidung sowie die Möbel haben die beiden Heimwerker mit Hilfe von Youtube-Tutorials selbst eingebaut. Metallstäbe vor den Schubladen verhindern, dass sich deren Inhalt bei voller Fahrt entleert. «So kann ich auf der Autobahn getrost 120 Stundenkilometer fahren und Kurven sind auch kein Problem.»
Anfrage aus Graubünden
Zikan bedient Kunden in einem Umkreis von maximal 40 Kilometern. Ab 10 Kilometern berechnet sie ihren Kundinnen die Wegkosten. Je weiter weg ihre Kundschaft, desto teurer ist letztlich der Gesamtpreis für die Nagelpflege. Dennoch hat Nicole Zikan einmal eine Anfrage aus Graubünden erhalten: «So weit kann ich aber nicht fahren, das würde zu teuer werden», sagt sie. Da ihre Geschäftsidee so gut angelaufen ist, kann sich Zikan einen Ausbau ihres Unternehmens gut vorstellen: «Ich habe schon über ein Franchise-Modell mit mehreren Bussen nachgedacht.»
Als Mutter profitiert sie insbesondere von den flexiblen Arbeitszeiten: Weil sie morgens und nachmittags zu ihren Kundinnen fährt, hat sie mittags genügend Zeit für ihre Kinder. Dass sie auch ab und zu an Samstagen im Einsatz ist, stört sie aber nicht: «Der Kontakt mit meinen Kundinnen gibt mir sehr viel.»
Keine Parkplätze suchen
Bisher hat Nicole Zikan vor allem Frauen, die ihren Nagelservice in Anspruch nehmen – einen Umstand, den sie etwas bedauert: «Ich hätte gerne mehr männliche Kundschaft. Bisher kommt nur mein Mann zur Maniküre.» Dieser arbeite als Verkäufer im Aussendienst. Gepflegte Hände seien da sehr wichtig, betont die Kosmetikerin. Sie hätte auch einige Frauen, die Nägel kauen und ihre Pflege beanspruchten, um über diesen Makel hinwegzutäuschen. Besonders Kunden, die dem Alltagsstress zu entkommen versuchen, werden auf ihren Service aufmerksam, sagt Zikan. Viele wollen auf nervenaufreibende Aufgaben verzichten, wie im Stau stehen oder einen freien Parkplatz suchen zu müssen: «Ich habe auch Kunden, die mich an ihren Arbeitsort bestellen und sich über Mittag die Nägel machen lassen.»
Verwunderte Blicke
Betritt man den kleinen Lieferwagen, ist man erstaunt, wie viel Platz das vierrädrige Nagelstudio bietet. Der Kosmetiktisch befindet sich gleich neben der Schiebetür. Dahinter ist Platz für eine Sitzbank und Staufläche: «Manche Frauen bringen auch ihre Kinder mit, die können dann hier spielen», so Nicole Zikan und zeigt auf die freie Fläche zwischen den Bänken. Der Bus verfügt über eine Standheizung, die mittels des Dieselmotors betrieben werden kann, sowie über eine Klimaanlage für den Sommer. In den wärmeren Monaten des Jahres könne man aber auch einfach die Schiebetüren des Wagens offen lassen: «Dann gibt es jeweils ein paar neugierige und verwunderte Blicke von Passanten, wenn sie zwei Menschen in einem Lieferwagen bei der Maniküre sitzen sehen», erzählt Zikan und lacht bei der Erinnerung daran.