Politik

«Unsere Selbstzweifel sind Fluch und Segen»

Die Tourneen von Cabaret Divertimento sind seit zehn Jahren komplett ausverkauft. «Züriost» verlost die letzten beiden Tickets für ihren Auftritt am 29. November in der Parkarena Winterthur. Und wir interviewten das Duo Manu Burkart und Jonny Fischer.

Ihre neue Show war innert zwei Stunden ausgebucht: das Comedyduo Divertimento. (Bild: zvg), Ihre neue Show war innert zwei Stunden ausgebucht: das Comedyduo Divertimento. (Bild: zvg)

«Unsere Selbstzweifel sind Fluch und Segen»

Nach fast zweijähriger Auszeit kehren Jonny und Manu auf die Bühnen der Schweiz zurück. Divertimento, der erfolgreichste Comedy-Act der Schweiz, will das Blödeln wieder auf die Spitze und dem Publikum die Tränen in die Augen treiben. Am 28./29. November und am 1. Dezember treten sie in der Parkarena Winterthur auf. Alle Shows sind restlos ausgebucht, «Züriost» verlost die letzten beiden Tickets.

Was schaffen Sie in zwei Stunden?

Manu Burkart: Wir lassen die Leute den Alltag vergessen. Und wir bringen sie zum Lachen.

Oder Sie verkaufen sämtliche 100’000 Tickets für Ihre zweite «Sabbatical»-Tournee…

Jonny Fischer: Ja, das auch noch! (lacht) Wir denken eben an andere Sachen. Zahlen sind für uns nicht das Wichtigste, aber natürlich schon schön. Es ist ein riesiges Privileg, in der kleinen Schweiz so viele Tickets verkaufen zu können. Wichtiger ist jedoch, dass wir an den Stunden, die wir auf der Bühne stehen, Freude haben!

 

Wir verlosen die letzten 2 Tickets für die Show am 29. November in Winterthur! Zur Teilnahme hier klicken.

 

Das klingt, als wäre das trotz Ihres enormen Erfolgs keine Selbstverständlichkeit. Kennen Sie Versagensängste?

Burkart: Auf jeden Fall. Wer den SRF-Dok über uns gesehen hat, weiss: Wir sind ewige Zweifler.

Fischer: Ich denke, den zwei Stunden Vorverkauf sind mindestens zweihundert Stunden Schwitzen, Heulen, Streichen und Verbessern vorausgegangen. Dieses Jahr, in dem wir unsicher sind, ob die Leute das, was wir produzieren, überhaupt noch sehen wollen, ist keine schöne Zeit!

Burkart: Manchmal denke ich, es wäre cool, wenn wir etwas mehr Selbstvertrauen hätten. Dann könnten wir die Dinge etwas lockerer angehen. Anderseits treiben uns die Selbstzweifel zu Höchstleistungen an. Sie sind also Fluch und Segen zugleich.

Ihren wahren Sabbatical konnten Sie aber geniessen?

Fischer: Nicht so lange, wie wir geplant hatten. Wir haben eigentlich nur ein halbes Jahr ausgespannt, bevor wir wieder zu arbeiten begonnen haben.

Was hatten Sie eigentlich vor?

Burkart: Wir wollten noch ein paar Monate länger wirklich Pause machen, aber wir wussten halt, was danach auf uns zukam. Die Leute da draussen haben Erwartungen. Wir wollten früh genug anfangen.

Sie surfen schon eine Ewigkeit auf Ihrer Erfolgswelle. Wie lange liegt der letzte Taucher zurück?

Fischer: Beruflich ist es schwierig zu sagen. Seit zehn Jahren ist jede Show ausverkauft. Ausser bei der Entwicklung des Programms spüre ich den Druck am meisten, wenn ich krank bin und vor dem Auftritt spüre, dass ich nicht 100 Prozent leisten kann. Manche Leute warten vier Jahre, bis sie im Vorverkauf ein Ticket erwischen, und müssen weitere anderthalb Jahre warten, bis dieser Abend dann kommt. Und wir können uns bei den Fans nicht wie Fussballer schon eine Woche später rehabilitieren, wenn wir mal nicht in Form sind.

«Ich bin für intellektuelle Satire ebenso empfänglich wie für Schenkelklopfer-Humor oder Sketchartiges.»

Wie hat sich Ihr Humor verändert?

Burkart: Bei mir ist es ein breites Spektrum, was mich erheitert. Es kommt sehr auf den Komiker an. Die Präsenz und der Charme einer Person machen viel aus. Ansonsten bin ich für intellektuelle Satire ebenso empfänglich wie für Schenkelklopfer-Humor oder Sketchartiges.

Fischer: Privat habe ich auch schwarzen Humor und mal was unter der Gürtellinie gerne. Auf der Bühne legen wir mehr Wert auf gesprochene Pointen, während früher die Situationskomik im Vordergrund stand.

Getrauen Sie sich heute mehr?

Burkart & Fischer (im Chor): Nein!

Burkart: Da haben wir unsere Linie.

Fischer: Wir unterscheiden ganz klar zwischen Bühne und Privatleben. Privat finden wir fast alles lustig, doch als Komiker sind wir uns bewusst, dass wir auf Minderheiten, religiöse Sensibilitäten und die Gürtellinie achten müssen, damit unser Familienpublikum nicht aus den Vorstellungen kommt und sagt: «Schade, jetzt können wir die auch nicht mehr schauen gehen.»

 

Haben Sie viele Neider und Nachahmer?

Fischer: Ich glaube, die Zahl der Schulterklopfer, die wahnsinnig begeistert sind von dem, was wir machen, ist enorm gewachsen. Manche sind deswegen eifersüchtig, andere spielen unsere Nummern bei Hochzeiten und Geburtstagen oder beim Turnerchränzli nach.

Wen haben Sie in Ihrer Jugend imitiert?

Burkart: Cabaret Rotstift, Emil, Otto und Marco Rima.

Fischer: Hauptsächlich Marcocello, da konnte ich fast alles auswendig!

«Wir gehören eben nicht zu dieser Familie, dem kreativen Winterthurer Kuchen.»

Sie haben beide drei Jahre als Unter- bzw. Oberstufenlehrer unterrichtet. Sind Sie noch mit den inzwischen erwachsenen Schülern in Kontakt?

Fischer: Meine Schüler sind jetzt alle 30 geworden. Das ist schon Krass! Einer von ihnen war sogar mein Trauzeuge, obwohl  ich ihm das damals nicht zugetraut hätte …

Burkhart: Als wir in der Samsung Hall auftraten, wünschte sich die Security Truppe vor der Show ein Erinnerungsfoto mit uns. Danach kam einer dieser anzugtragenden Männer mit Knopf im Ohr auf mich zu und fragte, ob ich ihn noch kenne. Ich erkannte ihn nicht wieder, nicht nur wegen seines Barts, sondern auch, weil er früher sehr schüchtern war und kaum Deutsch gesprochen hatte.

Sie kommen für drei Auftritte in die Parkarena. Sind Sie dem Casinotheater entwachsen?

Fischer: Ja, das ist ein wenig so. Wobei man uns in diesem Haus noch nicht wollte, als wir dort gerne gespielt hätten. Wir gehören eben nicht zu dieser Familie, dem kreativen «Winterthurer Kuchen», obwohl wir mit Viktor (Giacobbo) & Co. gut auskommen. Wir sind deshalb später auch bei zwei Benefizgalas zugunsten des Hauses aufgetreten. Wir sind aber eher Kinder des Weissen Winds des Zürcher Niederdorfs.

(Interview: Reinhold Hönle)

Der Greifenseer Manu Burkart (39), der im August zum dritten Mal Vater wurde, und der seit 15 Jahren in Zug wohnhafte Läufelfinger Jonny Fischer (37), der vor anderthalb Jahren seinen Lebenspartner Michi Angehrn geheiratet hat, lernten sich 2000 bei der Lehrerausbildung im katholischen Seminar St. Michael in Zug kennen und absolvierten mit ihrem Cabaret Divertimento zwei Jahre später ihren ersten öffentlichen Auftritt. 2006 schaffte das Duo mit ihrem zweiten Programm « zuvieliSation » und ihrem Mix aus Wort- und Situationskomik, Slapstick und Musik den Durchbruch. Seit « Plan B » (2008) sind ihre Shows im Nu ausverkauft. Momentan sind sie mit « Sabbatical » unterwegs.

 

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