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Ein letzter Pfötchenabdruck zum Abschied

Seit dem Sommer hat Dübendorf ein Tierkrematorium. Die Mitarbeiter müssen dabei nicht nur mit den Tieren sensibel umgehen, sondern auch mit ihren Haltern. Oft hängt am Tier eine ganze Lebensgeschichte.

Ein letzter Pfötchenabdruck zum Abschied

Von aussen merkt niemand, was hier geschieht. Das Dübendorfer Tierkrematorium ist in einem blauen Gebäude an der Sonnental-Kreuzung untergebracht. Nebenan werden Autos verkauft. Innen ist das Ambiente herzlich: ein Raum in sanften Grüntönen, Parkettboden, bequeme Sessel, Pflanzen, eine Kaffeemaschine und ein Treppengeländer aus Birkenstämmen.

«Tod, Beerdigung und Kremation des eigenen Haustiers sind sehr sensible Themen», sagt Esther Sager, Leiterin Kundenbetreuung des im Sommer eröffneten Tierkrematoriums Dübendorf. Man müsse sehr umsichtig und achtsam mit den Kunden umgehen und genau wissen, in welchem Gefühlszustand sie gerade seien.
Manche verknüpften mit ihrem Tier eine ganze Lebensgeschichte. Für ältere Menschen sei ihr Hund der Begleiter auf dem täglichen Spaziergang, einige sähen in ihm die letzte Erinnerung an ihren verstorbenen Partner. Dabei sei es für die Trauer irrelevant, wie gross das Tier war. Sager erinnert sich an einen CEO, der seinen verstorbenen Zwerghamster in einem Bett aus Heu und Blumen zu ihr brachte. «Ich hätte nie gedacht, dass mir das Tierchen einmal so ans Herz wachsen würde», so der Mann.

Ein persönlicher Prozess
Die Mitarbeiter in Dübendorf bemühen sich um ein persönliches Verfahren. Esther Sager demonstriert anhand einer toten Katze den Ablauf: «Stirbt das Tier, kann man es persönlich nach Dübendorf oder zum Tierarzt bringen», so Sager. Entscheidet er sich, selbst ins Krematorium zu gehen, stehen ihm dafür zwei Annahmestellen zur Verfügung. In diesen anonym zugänglichen Räumen bespricht der Krematoriums-Mitarbeiter das weitere Vorgehen. Anschliessend erstellt er von der Pfote der Katze einen Gipsabdruck, die der Halter mit nach Hause nehmen darf.

Damit es nicht zu Verwechslungen kommt und der Halter immer genau weiss, bei welchem Arbeitsschritt sein Tier angelangt ist, ordnet ihm der Mitarbeiter eine Nummer zu und versieht es mit einer Identifikations-Marke. Dann legt er die Katze in einen Korb und bringt sie in den Kremationsraum. Er kontrolliert erneut, ob die Nummern auf Marke und Auftragsblatt übereinstimmen und legt das tote Tier auf einen Schieber. Anschliessend fährt er diesen in den Ofen.
Weil es sich um den letzten Gang seines Lieblings handelt, darf der Besitzer diesen Arbeitsschritt durch ein Glasfenster mitverfolgen. Nach etwa eineinhalb Stunden ist der Körper vollständig verbrannt. Der Mitarbeiter zieht die verbliebenen Knochensplitter aus dem Ofen. Danach werden sie zu Sand gemahlen und in eine vom Kunden gewählte Urne abgefüllt.

Behutsamer Umgang
Die Mitarbeiterin, die den Kremierungsprozess der Katze symbolisch durchführt, geht behutsam mit dem Tier um. Nie spricht sie vom Körper, sondern stets vom «Tierli.» Aus der Schale nimmt sie die Katze so vorsichtig, als wäre sie nicht leblos, sondern einfach nur krank.
Gratis ist dieser Service nicht. «Bei einer Einzelkremierung, exklusiv Abholung und Urne, bezahlt der Kunde für eine 4,5 Kilogramm schwere Katze 162 Franken. Für einen Hund mit einem Gewicht von 50 Kilogramm 460 Franken», sagt Esther Sager. Nicht wenige dürften diesen Betrag aufbringen. Das Tierbestattungswesen habe sich in den letzten Jahren stark verändert, so Sager. Immer mehr Menschen wünschten sich ein Verfahren, das ihrem lebenslangen Gefährten gerecht wird. Momentan werden in Dübendorf täglich bis zu acht Tierkörper, vorwiegend von Hunden und Katzen, kremiert. Die meisten davon würden von den Tierhaltern persönlich vorbeigebracht. Denn sie wollten ihr Tier bis zum Schluss begleiten.

Entsorgung in Massen
Eine industrielle Kremierung hingegen ist alles andere als liebevoll. Laut dem Schweizerischen Tierschutz (STS) können Tierkadaver bei der Gemeindesammelstelle zwar meistens gratis abgegeben werden. Allerdings würden sie dann zusammen mit gewöhnlichen Schlachtabfällen zu Tiermehl verarbeitet, welches später in der Industrie Verwendung findet, etwa als Brennstoff  für die Herstellung von Zement.

Weil die frühere Anlage in Nürensdorf die gestiegenen Umweltschutzauflagen nicht mehr erfüllen konnte, realisierte die Tierkrematorium Schweiz AG einen Neubau mit Sitz in Dübendorf. Man habe mehrere Standorte geprüft, sich wegen der guten Verkehrsanbindung und der Nähe zur Stammkundschaft in Winterthur, Zürich und der Ostschweiz für Dübendorf entschieden, sagt Esther Sager, Leiterin Kundenbetreuung des Tierkrematoriums Dübendorf.
Wer die Anlage an der Stettbachstrasse 4 in Dübendorf mit eigenen Augen sehen möchte, kann dies am Samstag, 9. September, tun. Die Tierkrematorium Schweiz AG veranstaltet einen Tag der offenen Tür. Auf dem Programm steht eine Führung durch das Tierkrematorium, ein Wettbewerb und ein Vortrag zum Thema Tierschutz des Tierarztes Enrico Clavadetscher. Der Anlass findet von 10 bis 15 Uhr statt.

 

 

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