Das einzige Schwimmbad mit Zoo-Anschluss
Für einen Sprung ins kühle Nass ginge man an heissen Tagen weit. In Hinwil ist das nicht nötig: Die Badi befindet sich mitten im Wohnquartier auf einem leicht abfallenden Gelände, das auf einer Seite von einer Böschung abgeschirmt wird. Das fröhliche Gekreische, das sonst jede Badi erfüllt, fehlt heute ganz. Wer also Ruhe sucht, ist goldrichtig hier – zumindest an diesem heiteren Spätsommermontag, an dem die Leute offenbar lieber zu Hause faulenzen oder im Büro verschmachten, als sich in die Badi Hinwil zu begeben. Die Sonne brennt vom Himmel, und unter den riesigen Bäumen finde ich schnell ein schattiges Plätzchen, an dem ich gerne mein Buch aufschlagen würde.
Neue Bäume gesetzt
Dass weiter vorne beim Becken ein paar Badegäste ihre eigenen Sonnenschirme aufgespannt haben, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Denn Schatten gäbe es heute genug. An anderen Tagen ist dieser aber offenbar so rar, dass die Verantwortlichen drei junge Platanen und ein paar andere Bäume an den Schwimmbeckenrand und auf die weitläufige Liegewiese am Hang gesetzt haben.
Der Blick geht ins Blaue
Dass ich von ebendieser Wiese aus eine wunderbare Sicht hinunter auf die grosse Bäderlandschaft habe, ist toll. Und die Schwimmbecken selber sind es auch: Neben einem 50-Meter-Becken gibt es eine Nichtschwimmerzone mit einer riesigen Rutschbahn, auf der zwei Buben sich gerade in mehreren Kurven nach unten treiben lassen, und in einem separaten Becken übt ein junger Mann auf zwei Türmen seine Sprünge. Dank der Wärmepumpe weist das Wasser in allen Becken eine Temperatur von mindestens 23 Grad auf – sogar im hübsch angelegten Babybecken, das etwas weiter oben in der Nähe des Restaurants gelegen ist und die Pumpe aufgrund der Steigung bisweilen ins Schwitzen bringt.
Sünnele bei den Rindern
Wer kleine Kinder hat und sich nicht entscheiden kann, ob er baden gehen soll oder doch lieber in den Zoo, der ist in der Badi Hinwil sowieso gut aufgehoben. Denn: Das Schwimmbad ist das wohl einzige weit und breit mit Zooanschluss. Ich bin entzückt, als ich am Hang drei weidende Kälber entdecke, die erst noch sehr anhänglich sind. Ehe man sich versieht, schlecken sie einem die Hand ab. Tierfreunde, denen das ein bisschen zu viel des Guten ist, können es sich auch einfach gleich unterhalb der Weide bequem machen, auf dem terrassenartigen Wiesenvorsprung. Allzu viel dürfte ihnen der Mini-Kuhfladen nicht ausmachen, der vom Hang hinuntergepurzelt zu sein scheint. Riechen tut man den kleinen Scheissdreck jedenfalls nicht, und man hat ja schliesslich Augen im Kopf.
Terrasse wird zu Tessiner Pergola
Dass es in der Badi Hinwil nicht nur grosszügige Liegewiesen gibt, sondern auch ein paar versteckte Ecken wie jene oben bei den Rindern, ist ein weiteres grosses Plus. Schade bloss, dass nur wenige Badegäste ihr Tüechli jeweils über dem grossen Technikraum ausbreiten – obwohl die Treppe, die auf das Gebäude führt, eigentlich frei zugänglich ist. Man könnte ziemlich schön für sich sein, dort oben. Auch auf der Aussichtsplattform am Ende des langen Schwimmbeckens ist kaum mal jemand zu Gast. Darum soll der Ort so bald wie möglich zu einer lauschigen Pergola nach Tessiner Vorbild umgebaut werden, wie Bademeister Michael Müller verrät.
Salatbüffet ist geschlossen
Weil ich lieber zu zweit chille als alleine, flüchte ich ins Gartenrestaurant. Ich finde dort zwar kein lauschiges, aber doch ein gemütliches Plätzchen unter dem Sonnenschirm. Ich bestelle einen Fitnessteller mit Fischknusperli und schmatze zufrieden vor mich hin. Dass das Salatbüffet heute geschlossen ist, ist zwar schade, aber verständlich. Die Ruhe hier hat heute eben doch ihren Preis.