Wetzikon, Teil 1: Stadt im Grünen
«Das Wachstum der Stadt hat sich in den letzten zwei Jahren etwas verlangsamt», sagt Marcel Peter, Stadtschreiber von Wetzikon und Verantwortlicher für die Standortförderung. Grünflächen für Gewerbeneubauten, wie sie in der Nachbarstadt Hinwil noch existieren, seien in Wetzikon schon seit Längerem kaum noch vorhanden. Naheliegend also, dass die Stadt seit einigen Jahren auf Verdichtung statt Neubauten setzt. «Unsere Strategie lautet, Vorhandenes auszulasten und auszunutzen», sagt Peter und zeigt auf das Hirschwiesen-Gebiet direkt hinter dem Stadthaus. «Aus 40 alten werden hier 60 neue Wohnungen entstehen.» Die Wirtschaftsförderung Wetzikon halte auch laufend Ausschau nach Möglichkeiten, wie Platz für bestehendes und neues Gewerbe geschaffen werden könne. Er erwähnt dabei die dem Kanton gehörende Gewerbeparzelle Tannenrain. Hier befände sich die Stadt in Verhandlungen mit dem Kanton, damit sich Wetziker Firmen weiterentwickeln könnten. Eine wichtige Aufgabe, welche die Stadt in Zusammenarbeit mit Eigentümern von Industrie- und Gewerbeparzellen habe, sei laut Peter die möglichst gute Koordination zur Befriedigung der nach wie vor bestehenden Anfrage.
Das Gewerbe profitiert von breitem Bildungsangebot
Rund 1700 Betriebe beschäftigen über 13'000 Arbeitnehmende in Wetzikon. Dank dem breiten Schulungs- und Bildungsangebot stehen den Unternehmen stets genügend qualifizierte Arbeitskräfte aus nahezu allen Fachbereichen zur Verfügung. Hier befinden sich eine Kantonsschule, eine kaufmännische sowie eine gewerbliche Berufsschule. Auch öffentliche und private Institute sind in Wetzikon ansässig: Die Berufswahl- und Weiterbildungsschule, die höhere Handelsschule, die anthroposophische Rudolf-Steiner-Schule und sogar eine Klubschule Migros.
Dem Gewerbe und den Einwohnern Sorge tragen
Marcel Peter gibt aber auch zu bedenken, dass Hinwil bezüg-lich Einkaufsmöglichkeiten der Stadt Wetzikon in den letzten Jahren etwas den Rang abgelaufen habe. Es bestünde klar Aufholbedarf. Während in der Nachbarsgemeinde grosse Einkaufszentren «auf der grünen Wiese» entstanden seien, konzentriere sich die Stadt Wetzikon weiterhin auf die zentralen Einkaufsmöglichkeiten. Es sei wichtig, dem Gewerbe wie auch den Einwohnern Sorge zu tragen. Wenn Arbeitskräfte in der Stadt leben und arbeiten, entstünde nicht nur weniger Verkehr, sondern bleibe auch die Kaufkraft in der Stadt.
Attraktiver Standort – moderate Steuern
Wetzikon ist ein pulsierendes Industrie- und Technologiezentrum im Zürcher Oberland. Zu den Top-Branchen zählen Unternehmen der Metallverarbeitung, Elektrotechnik und Elektronik. Im Vergleich mit Winterthur und Zürich gäbe es in Wetzikon noch Industrie-
und Gewerbeimmobilien zu vergleichsweise günstigen Preisen. Auch die Bodenpreise seien im regionalen Vergleich relativ günstig.
Der Steuerfuss ohne Kirchen bewegt sich im Kanton Zürich zwischen 76 und 135 Prozent. Wetzikon liegt mit einem Steuerfuss von 119 Prozent (Quelle: Statistisches Amt Kanton Zürich) etwas über dem Mittelmass, analog der Stadt Zürich. Im schweizweiten Vergleich steht die Zürcher Gemeinde sogar sehr gut da, betont Stadtschreiber Marcel Peter.
Erstklassige Verkehrsverbindungen
Das Glattal beim Flughafen sieht Marcel Peter als Konkurrenz. In dieser Gegend werde fleissig gebaut. Die Flughafennähe und die unmittelbaren Autobahnanschlüsse seien dessen klare Standortvorteile. Aber auch Wetzikon verfüge über gute Anschlüsse ans kantonale und nationale Strassennetz. Und mit der Annahme der NAF-Abstimmung vor drei Wochen sei eine weitere Hürde für den Bau der Oberlandautobahn geschafft. Das Volk hat mit der Gutheissung des Fonds dafür gesorgt, dass die Autobahn finanziert werden kann. Für das Zürcher Oberland und insbesondere für Wetzikon sei dieser Lückenschliessung von grosser Bedeutung, sagt der Stadtschreiber. Was den öffentlichen Verkehr anbelangt, geniesst Wetzikon eine privilegierte Stellung. In nur 17 Minuten befindet sich der Zugreisende mitten in der Stadt Zürich – und das im 15-Minuten-Takt.
Interview
Marcel Peter, Stadtschreiber Wetzikon
Als Stadtschreiber ist Marcel Peter unter anderem auch für die Wirtschaftsförderung der Stadt Wetzikon zuständig.
Was fasziniert Sie persönlich am Standort Wetzikon?
Marcel Peter: Die Faszination Wetzikons ist die Vielfalt der Stadt. Ein grosses Sport-, Bildungs- und Kulturangebot paart sich mit einem wunderschönen Naherholungsgebiet. In 17 Minuten ist man mit dem Zug in der Metropole in Zürich und in 30 Minuten ist man mit dem Auto in diversen Skigebieten in der Nachbarschaft. Mit 1700 Betrieben verfügt die Stadt zudem über eine grosse Auswahl an interessanten Arbeitsplätzen.
Wie sieht Ihre Prognose für Wetzikon in Jahren aus?
Wetzikon wird in 10 Jahren eine eigenständige, prosperierende Stadt mit sehr guten Einkaufsmöglichkeiten im Zentrum, einem neuen, urbanen Stadtgebiet rund um den Bahnhof und ausgezeichneten Angeboten in allen Lebensbereichen sein.
Firmen verfügen über kein Stimmrecht. Wie verschaffen Sie dem Gewerbe Gehör?
Firmen besitzen aber durchaus über eine Stimmkraft! Viele Mitglieder des Grossen Gemeinderats und des Stadtrats repräsentieren KMU oder vertreten deren Interessen. Mit dem Wirtschaftsforum, dem Gewerbeverein und der Unternehmervereinigung verfügen Wetziker Firmen über hervorragend ausgebaute Plattformen, welche die Firmeninteressen aktiv vertreten. Stadtpräsident Ruedi Rüfenacht und ich pflegen Kontakte zu diesen Plattformen wie auch zu den grösseren Wetziker Unternehmen.