Kinder lernen, das Besteck richtig zu halten
Zehn Kinder stehen gemütlich vor einem Apérotisch. Sie unterhalten sich angeregt, lachen ausgelassen und tun sich an den Chips, Erdnüssen und Gemüse gütlich. Alle haben sie die Serviette nach unten um den Mittelfinger gewickelt, um jederzeit die andere Hand abwischen zu können.
In den vorderen Fingern der linken Hand halten sie den Teller, damit sie ihr Glas mit den hinteren zwei Fingern umfassen können. So haben sie mit der rechten Hand die Freiheit, die Leute zu begrüssen und sich am Apéro zu bedienen. Doch die Händchen der Gäste sind teilweise zu klein und nicht stark genug um die vollen Gläser zu halten.
Nicht alles gefallen lassen
Im Ferienplausch Kurs «Knigge-Kurs für Kinder» im Werkheim Uster zeigte Katrin Künzle, Lizenzierte Knigge-Trainerin und Geschäftsführerin von Künzle Organisation, diese Woche, wie sich die Kinder in einer solchen Gesellschaft zu benehmen haben.
Die Kinder lernen mit Spass und verschiedenen Rollenspielen gute Tischmanieren, die wichtigsten Benimm-Regeln, gegenseitigen Respekt und Sicherheit im Umgang mit anderen Kindern und Erwachsenen, erklärt Künzle. Das sei in dem Alter besonders wichtig, denn acht von zehn Kindern in den Kursen wüssten beispielsweise nicht, wie man das Besteck bei Tisch richtig hält.
«Wenn ihr in einer Warteschlange steht und eine erwachsene Person stellt sich ohne euch zu beachten vor euch, dann dürft ihr sie auf ihren Fehler aufmerksam machen.»
Katrin Künzle, Knigge-Trainerin
Zudem vereinfache das Bewusstsein für gutes Benehmen das Miteinander zwischen Kindern und Erwachsenen. Bei aller Höflichkeit, sollen sich die Kinder nicht alles gefallen lassen sollen: «Wenn ihr in einer Warteschlange steht und eine erwachsene Person stellt sich ohne euch zu beachten vor euch, dann dürft ihr sie auf ihren Fehler aufmerksam machen.»
Das Wissen den Eltern beibringen
«Mir ist es wichtig, dass keine Eltern bei den Kursen anwesend sind, um ihren Kindern über die Schulter zu schauen. Das führt nur zu unfreiwilligen Hemmungen», so Künzle. Aber ganz aussen vor, sollen die Eltern dann doch nicht bleiben: Viele der Grundregeln würden die Kinder mit nach Hause nehmen und ihren Eltern beibringen.
Das sei ganz im Sinne von Adolph Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge. Künzle zitiert Knigge: «Das Leben ist viel einfacher, wenn man einander achtet und rücksichtsvoll miteinander umgeht.» Diesen Respekt merkt man auch Künzle an. Sie begegnet den Kindern auf Augenhöhe und nimmt ihre Bedenken ernst. Die Kinder strecken fleissig auf und bringen ihr eigenes Wissen mit ein.
Keine Smartphones auf dem Tisch
Das Thema Körpergeräusche ist sehr beliebt. «Früher galt es zum Beispiel als höflich in einer Gruppe «Gesundheit» zu sagen, wenn jemand nieste, heute wird das jedoch eher höflich überhört», erklärt Künzle. Die Benimmregeln seien ständig im Wandel und würden sich der Zeit anpassen.
«Smartphones sind heute ein grosses Thema. Es ist sehr unhöflich sein Telefon während des Essens auf den Tisch zu legen», sagt die Kursleiterin.
Tisch decken und richtig hinsetzen
Das Highlight des Kurses ist das gemeinsame Mittagessen. Bevor die hungrigen Teilnehmer zuschlagen können, muss jedoch der Tisch korrekt gedeckt werden.
Raffiniert bringt Künzle den Kindern Eselsbrücken bei, mit denen sie sich die verschiedenen Regeln jederzeit in Erinnerung rufen können: «Das Wort Messer endet mit dem Buchstaben R, also stellt ihr das Messer rechts vom Teller. Das Wort Gabel endet mit einem L, also stellt ihr die Gabel links vom Teller hin.»
«Ihr sitzt richtig wenn die schwarze Stoffkatze auf eurem Schoss Platz hat und zugleich eine kleine, weisse Stoffmaus durch den Abstand zwischen eurem Rücken und der Stuhllehne kriechen kann»
Auch das Hinsetzen will gelernt sein. Dazu nutzt Künzle Stofftiere zur Veranschaulichung: «Ihr sitzt richtig wenn die schwarze Stoffkatze auf eurem Schoss Platz hat und zugleich eine kleine, weisse Stoffmaus durch den Abstand zwischen eurem Rücken und der Stuhllehne kriechen kann», erklärt sie den kichernden Kindern.
Wie beim letzten Abendmahl
Auch das Brot schneidet man nicht, sondern bricht es, wie beim letzten Abendmahl. Ausserdem erklärt Künzle den Kindern, dass man sich seit dem Mittelalter beim Gläseranstossen in die Augen schaut, um genau zu beobachten, ob das Gegenüber einen vergiften will.
«Nicht jede Gruppe macht so motiviert mit»
Nach so vielen Informationen und viel Ausprobieren wird endlich gespiesen, natürlich mit Serviette auf dem Schoss. Die Kinder konzentrieren sich stolz auf das Gelernte und geniessen das Poulet Schnitzel mit Spaghetti. Künzle ist mit ihren Schülern zufrieden: «Nicht jede Gruppe macht so motiviert mit»