Politik

Überfälle, Sex und Drogen auf der Rückbank

Seit 15 Jahren haben Guido Schönle und Mohamed Hachem die Firma Effi-Taxi. In dieser Zeit haben sie als Taxifahrer viel erlebt – so viel, dass es problemlos für ein Buch reichen würde.

Mohamed Hachem (links) und Guido Schönle führen das Unternehmen Effi-Taxi seit 15 Jahren. (Bild: Fabian Senn)

Überfälle, Sex und Drogen auf der Rückbank

Sex, Koks oder Hooligans auf der Rückbank – Guido Schönle und Mohamed Hachem haben schon einiges bei ihrer Arbeit erlebt. Seit 15 Jahren sind sie die Inhaber von Effi-Taxi mit insgesamt elf Mitarbeitern. «Diskretion ist in unserem Geschäft das Wichtigste», sagt Schönle. Er sitzt auf der Terrasse des Restaurants Tomate in Effretikon, neben ihm sein Geschäftspartner, der zustimmend nickt. «Gerade weil wir von unseren Stammkunden leben, die etwa 80 Prozent ausmachen.» Es könne schon mal vorgekommen, dass ein Mann zwei Mal mit ihnen fährt – mit unterschiedlicher weiblicher Begleitung. Zuviel verraten die beiden aber nicht. Eben wegen der Diskretion. «Wir mussten deswegen auch schon einen Mitarbeiter entlassen», sagt Schönle.

Vom Bänker bis zur Prostituierten

Schönle und Hachem sind zufrieden mit ihrem Beruf. «Die Arbeit ist spannend. Wir fahren verschiedenste Personen: vom Banker bis zur Prostituierten», sagt Schönle, der in Effretikon aufgewachsen ist und hier lebt. Jeder Tag bringe eine neue Herausforderung, man wisse nie, was einem erwarte. «Ich schreibe meine Erlebnisse auf, vielleicht gebe ich irgendwann ein Buch heraus.» 

Sie erinnern sich an verschiedene prägende Erlebnisse: Bei Hachem ist es ein Überfall auf einen Mitarbeiter: Zwei Fahrgäste wollten den Taxifahrer ausrauben. Der eine tat so, als ob er zahlen wollte. Er hatte das Geld in der Hand. Der andere packte den Fahrer von hinten. Diesem gelang es aber zu hupen, und er schrie um Hilfe. «Wahrscheinlich wurden die Diebe nervös. Sie liessen ihr Fahrgeld im Taxi fallen und flüchteten», erzählt Hachem und lacht. 

Nicht nur in solchen Fällen alarmieren die beiden die Polizei. «Wir stehen oft am Bahnhof Effretikon und beobachten viel», sagt Hachem. Schönle ergänzt, dass man als Taxifahrer auch mal auf Drogenumschlagsplätze aufmerksam werde. «Wenn ein Gast nachts an einem menschenleeren Ort nur kurz aussteigt und dann wieder zurückfährt, ist der Fall klar.» In solchen Fällen hätten sie auch schon die Polizei darauf aufmerksam gemacht – die wisse aber oft schon bescheid.

Lange Fahrt

Prägend war für Schönle eine Fahrt mit einer Frau. Sie wollte nach Genf, das Radio musste er ausschalten – «das Radio ist sehr wichtig für uns, ein Tag ohne im Auto geht nicht», wirft Hachem ein. Schönle fährt fort: «Also haben wir die ganze Zeit diskutiert.» In Genf musste er warten. Als er beim Mittagessen war, stiess die Frau wieder dazu und sagte, sie müsse jetzt nach Basel. «Das war ein gutes Geschäft, an einem Tag habe ich 800 Kilometer gemacht. Danach war ich nudelfertig.»

Sie seien für viele Gäste auch Vertrauenspersonen, sagt Hachem. «Wir hören allen zu, egal ob jemand traurig, lustig oder betrunken ist.» Nur einmal habe er es nicht mehr ausgehalten. «Ein betrunkener Mann hat mich aufs Übelste beschimpft. Nach einer halben Minuten habe ich ihn rausgeschmissen.» Hachem, der ursprünglich aus dem Libanon stammt und seit knapp 30 Jahren in Effretikon wohnt, habe manchmal mit Vorurteilen zu kämpfen.   Gerade jetzt, wo der Islam wegen Terroranschlägen häufig Thema in den Medien sei. «Meistens verlaufen die Diskussionen aber friedlich», sagt der Muslim. Er nutze die Chance und versuche Vorurteile zu diskutieren.

Schwieriges Geschäft

Effi-Taxi laufe nicht schlecht – obwohl das Geschäft ein schwieriges sei. «Es gibt immer mehr Taxiunternehmen oder private Fahrer», sagt der 49-jährige Schönle. Ihr Vorteil: «Man kennt uns in Effretikon, wir pflegen ein gutes Verhältnis mit der Bevölkerung.» Das sei das Schöne am Taxifahren auf dem Land. Es sei viel persönlicher als in einer Stadt wie Zürich. «Wir kennen viele Kunden, hören was in der Gemeinde läuft. Wir leben am Puls der Zeit.»

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