Politik

Höhenangst ist tabu

Gut 30 Männer begannen am Samstag, 22. Juli, Tribüne und Leinwand auf dem Reitplatz Buchholz zu installieren – damit am Montag die Saison des Openair-Kinos beginnen konnte.

Montage in luftiger Höhe: Arbeiter beim Aufbau des Ustermer Openair-Kinos auf dem Buchholz-Areal. (Bild: David Kündig)

Höhenangst ist tabu

Eine runde Eisenstange, so dick, dass sie sich bequem mit einer Hand umfassen lässt: Sie dient als Standfläche. Darunter: Gut sechs Meter Abgrund. Was heute auf der Ustermer Reitanlage Buchholz von statten ging, war nichts für Menschen mit Höhenangst. Zumindest betrifft dies jenen Teil der Arbeiten, die seit den frühen Morgenstunden für rege Betriebsamkeit gesorgt haben.

Schon um sieben Uhr ist es vorbei mit der stillen Beschaulichkeit eines frühen Samstagmorgens, wie sie sonst in der Stadt noch herrscht. Ein paar wenige Passanten, die noch etwas verschlafen ins helle Sonnenlicht treten, kaum Verkehr auf den Strassen – diese Szenerien spielen sich ausserhalb des Buchholz-Areals ab.

Innerhalb desselben aber fahren schwere Lastwagen auf, vollgeladen mit insgesamt 140 Tonnen an Metallplatten, Latten – und den erwähnten Eisenstangen noch und noch. Da saust geschäftig ein roter Gabelstapler umher, belädt sich mit den herbeigeschleppten Gerätschaften, um diese anderswo wieder abzulegen: Vor und zurück, hierhin und dorthin, wie eine fleissige Ameise zieht er seine Bahn.

Da sind aber auch erst noch gut zehn, dann zunehmend mehr und schliesslich bis zu 30 Männer auf dem Platz – solides Schuhwerk an den Füssen, Werkzeugset am Hosenbund und Arme, die vom Zupacken erzählen könnten.

Eingespielte Handgriffe

Spätestens eine Stunde nach Beginn der Arbeiten zeigt sich deutlich, welchen Auftrag die Männer erfüllen: Sie hämmern, schrauben zusammen, messen aus – und balancieren in hohen Höhen – damit ab Montag das Open-Air-Kino über die Bühne gehen kann. Es findet heuer zum 20. Mal statt. Die 900-plätzige, abgestufte Tribüne und das turmartige Gestell, an dem später die sechs Meter hohe und 14 Meter breite Leinwand befestigt wird, nimmt schnell Gestalt an.

Und immer luftiger, mit jeder weiteren installierten Stange, wird dabei das Einsatzgebiet des Gerüstbauers. Blick nach oben, die Füsse auf schmalem Grat, eine Hand frei, um das vom Kollegen zugeworfene Material aufzufangen – freilich ist für diesen Arbeiter Höhenangst ein Fremdwort.

Dass die Männer mit dem Ustermer Open-Air-Kino nicht zum ersten Mal eine derartige Veranstaltung aufbauen, manifestiert sich an den eingeübten Handgriffen. Keine Hektik kommt auf, die einzelnen Arbeitsschritte fügen sich auf schon fast magische Weise ineinander. Nur hin und wieder ein deutliches Wort.

Die Arbeitskräfte, die von der Eventbaufirma Felder aus dem luzernischen Altwis gestellt und von Temporärleuten aus dem Kanton Bern unterstützt werden, kennen alle Open-Air-Spielorte der Kino Luna AG. Der Veranstalter führt in Zusammenarbeit mit Coop an 20 Standorten in der ganzen Schweiz die Kinoanlässe durch. Als Organisator am Spielort Uster zeichnet sich Christoph Jost verantwortlich. Mit seinem Cateringservice ist er zudem für das kulinarische Angebot zuständig.

Uster: angenehmes Terrain

Gestern noch waren die Teams in Martigny, wo das Kino im Amphitheater nach fast einem Monat Spieldauer zu Ende gegangen ist. «In einem halben Tag ist alles wieder abgeräumt», sagt Samuel Hafen, der als Produktionsleiter Schweiz die Aufbauten koordiniert. Jeder Veranstaltungsort habe seine Eigenheiten. «In Uster kommt uns entgegen, dass wir mit den Lastwagen bis auf die Veranstaltungsfläche fahren können», sagt er. Damit lasse sich Zeit einsparen, anders, als wenn das Material aufwändig von ausserhalb herangetragen werden müsste. Zudem sei der Boden dank seiner sonstigen Verwendung als Reitplatz eben. Die engen Verhältnisse am Burghügel von Murten oder auch die unebene Wiese beim Schloss Heidegg böten da ganz andere Herausforderungen.

Während die Tribüne und das Haltegerüst für die Leinwand immer mehr Gestalt annehmen, wird die Leinwand selber etwas abseits vom Hauptgeschehen vorbereitet. Vier Hände spannen sie auf einen schwarzen Untergrund. «Der schwarze Stoff vermag das Licht der Strassenlampen zu filtern», erklärt Hafen. Rund vier Jahre beträgt die Lebensdauer der Leinwand, sofern sie nicht starke Stürme strapazieren. Am Montag nun wird auf ihr der Schweizer Film «Die göttliche Ordnung» zu sehen sein. (zo)

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