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Führung der Schulen Maur in der Kritik

Maurmer Eltern werfen der obersten Schulführung schlechten Führungsstil vor und fühlen sich schlecht behandelt. Die Schulpflegepräsidentin streitet die Vorwürfe ab, räumt aber Mängel bei der Kommunikation ein.

Der Evaluationsbericht des Schulhauses Pünt zeige auch im Jahr 2015 noch klare Schwächen in der Führung, so Filizia Gasnakis, die sich die Berichte genauer angesehen hat. (Archivbild: Nicolas Zonvi)

Führung der Schulen Maur in der Kritik

Es gehe ihr nicht um ihr Kind, sagt Evelyn Zwick, Mutter aus Ebmatingen. Wie dem ihren gehe es den meisten Schülern gut in den Maurmer Schulen – doch nicht allen. «Schüler, die besondere Bedürfnisse haben, weil sie begabter oder lernschwächer sind als andere, haben es nicht leicht im Maurmer Schulsystem.»

Zwick erzählt von einem Fall, den sie mitbekommen hat: Ein Kind kämpfte mit schlechten Noten, obwohl es sich anstrengte und eine Stunde integrative Förderung (IF) in der Schule erhielt. Vom Kinderspital wurde die Unterrichtung in einer Kleinklasse empfohlen.

Die Mutter des Kindes habe sich an den Geschäftsleiter der Schulen, Roberto Gardin gewandt, über den solche Anfragen laufen. Eine auf Kleinklassen spezialisierte Privatschule in einer Nachbargemeinde schien den idealen Rahmen für das Kind zu bieten, sie sei auch verhältnismässig günstig gewesen, so Zwick. Die Maurmer Schulpflege habe die Beschulung in dieser Schule jedoch abgelehnt, obwohl sich später herausstellte, dass sie die Schule anderen Kindern der Gemeinde bezahlt hatte.

«So eine Massnahme kann ein Leben zerstören»

Die Schulpsychologin von Maur schlug schliesslich vor, das Kind in Deutsch und Mathematik von den Noten zu befreien, oder wie es im Fachjargon heisst: «alternative Lernziele zu geben». Zudem solle es drei Stunden IF, Ergotherapie sowie Medikamente erhalten. Das alles empfahl sie, ohne das Kind jemals gesehen zu haben, wie Zwick erzählt.

«So eine Massnahme kann ein Leben zerstören», sagt die Maurmerin. Notenbefreiung verhindere die Chance auf eine den Fähigkeiten angepasste Ausbildung. Die Mutter des Kindes habe wohl ähnlich gedacht und verwies auf die Empfehlung der Kinderärztin, das Kind in einer Kleinklasse zu unterrichten. Die Schulverwaltung habe kein Gehör dafür gehabt. «Wenn die Mutter mit dem Angebot der Schule nicht zufrieden sei, könne sie ihr Kind ja selbst in die Privatschule schicken», sei die Antwort gewesen.

Schulpflegepräsidentin hält dagegen

Evelyn Zwick ist nicht die einzige, die kritisiert, der Vorschlag mit der Privatschule würde oft vorgebracht, wenn es zu Uneinigkeiten zwischen Eltern und Schule gekommen sei. Dies bestätigen verschiedene Eltern und Leserbriefe in der Lokalzeitung, der Maurmer Post. Die Schulpflegepräsidentin Cornelia Bräker hält in ihrer schriftlichen Antwort an den ZO/AvU dagegen: «Ich bin überzeugt, dass niemand aus der Schulpflege oder der Geschäftsleitung diese Aussage gemacht hat.»

Sie seien stolz auf die Schulen und stets bemüht, allen Schülern die bestmögliche Ausbildung zu bieten. Es sei aber leider auch eine Tatsache, dass ein öffentliches Schulsystem in Einzelfällen an die Grenzen des Möglichen stosse. In diesen Fällen würden sie gemeinsam mit den Eltern nach individuellen, passenden Lösungen suchen. «Die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen natürlich berücksichtigt werden», schreibt Bräker.

Die Sicht von Evelyn Zwick ist jedoch eine andere: Der besagte Fall liege zwar mehrere Jahre zurück, es habe aber in den letzten Jahren immer wieder solche Vorkommnisse gegeben.

«Eine öffentliche Schule hat die Aufgabe, die Bedürfnisse aller Kinder zu berücksichtigen, nicht nur jener, die in der Norm liegen», so Zwick. Als Eltern sei man der Schulführung schutzlos ausgeliefert. Sie spricht zudem von Verzögerungstaktik und Schikane und von Eltern, die verhöhnt wurden, als sie das Gespräch mit der Schule gesucht hätten.

Evaluationsberichte zeigen grosse Unterschiede

Ins selbe Horn bläst eine andere  Maurmer Mutter: Filizia Gasnakis hörte von vielen unzufriedenen Eltern in der Gemeinde. Sie sah sich deshalb die unabhängigen Evaluationsberichte der Fachstelle für Schulbeurteilung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich an, die aus den Jahren 2010/11 und 2014/15 stammen. Die Evaluationsberichte sind öffentlich.

Es gehe ihr nicht um die Lehrpersonen, sondern um die Schulqualität im Allgemeinen. Seit 2011 hat sich die Situation zwar verbessert, der Führungsbereich weist aber auch noch 2015 klare Schwächen auf, wie etwa der Evaluationsbericht Pünt zeigt.

Es gebe grosse Unterschiede zwischen den Schulen, so Gasnakis. «Binz ist eine richtige Vorzeigeschule, auch Ebmatingen war bis 2015 gut geführt.» Die drei anderen Schulen hingegen weisen laut Evaluationsberichten in mehreren Bereichen kantonal unterdurchschnittliche Werte auf: Die Schulführung wird von den Eltern mit Werten beurteilt, die signifikant unter dem kantonalen Schnitt liegen. Auch wird kritisiert, wie mit Problemen und Kritik umgegangen wird.

Drei Monate warten auf Gesprächstermin

Eine ehemalige Elternratspräsidentin, Alexandra Asfour, berichtet, dass es in der Vergangenheit viele Versuche gegeben habe, die Schulpflege auf Probleme im Führungsbereich hinzuweisen. Filizia Gasnakis und Silvia Hagen, eine weitere Mutter, unternahmen trotzdem nochmals einen Versuch. «Wir mussten drei Monate auf einen Aussprachetermin warten», sagt Gasnakis. Um das Führungsthema möglichst objektiv anzusprechen, hätten sie ihre Argumentation anhand der Evaluationsberichte führen wollen und Quervergleiche mit anderen Gemeinden herbeigezogen.

«Die Schulpräsidentin sagte uns jedoch, dass man sich nicht mit anderen Gemeinden vergleicht, hingegen wurde einmal mehr die Führungsqualität gelobt. Die Schulpräsidentin meinte auch, dass die Schulpflege keinen vertieften Dialog mit Eltern wünscht», sagt Hagen. Filizia Gasnakis betont: «Schwierigkeiten können überall entstehen. Die Frage ist jedoch, wie man damit umgeht. Uns ist bewusst, dass es heikel und für alle unangenehm ist, Probleme im Führungsbereich anzusprechen, deshalb haben wir einen konstruktiven Weg gesucht, um mit der Schulpräsidentin die unterschiedlichen Wahrnehmungen abzugleichen.»

Unzufrieden mit dem Gespräch wandten Gasnakis und Hagen sich mit einem Interview an die Maurmer Post. Bald darauf folgte in der selben Zeitung ein Interview mit der Schulpflegepräsidentin Cornelia Bräker und dem Geschäftsleiter Roberto Gardin, der den fünf Schulleitern übergeordnet ist. Zu den Interviews erschienen zahlreiche Leserbriefe von Eltern die die Schulführung kritisierten. Darin wiesen diese zudem auf die hohe Fluktuationsrate an den Schulen, sowie die vielen Abgänge an Privatschulen hin. In Aesch habe zudem die erst neu eingesetzte Schulleitung vor Weihnachten kurzfristig gekündigt und sei gegangen, ohne sich von den Kindern verabschieden zu können.

Sprechstunde eingerichtet und Broschüre erweitert

Schulpflegepräsidentin Cornelia Bräker räumt ein, dass einzelnen Aspekten der Kommunikation mit den Eltern bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei. Eine Arbeitsgruppe kümmere sich jedoch seit einiger Zeit darum, dies zu verbessern. Konkret werde zurzeit die Informationsbroschüre für die Eltern erweitert und eine Sprechstunde bei der Schulpflegepräsidentin eingerichtet. Der Austausch mit Eltern, aber auch der gegenseitige Respekt sei der Schule ein besonderes Anliegen. Zu den Leserbriefen äusserte sich Bräker nicht. «Eltern, die sich aktiv und aufbauend an der Entwicklung der Schule beteiligen wollen, laden wir herzlich ein, dem Elternrat beizutreten oder sich in die Schulpflege wählen zu lassen», schreibt Bräker in ihrer Stellungnahme. Das seien die Gremien, die Räume böten, in der Schule aktiv mitzureden und diese mitzugestalten.

Dass die von der Schule öffentlich gemachten Evaluationsberichte als Grundlage für eine Debatte in der Öffentlichkeit verwendet werden, hält Bräker nicht für zielführend. «Denn die Bearbeitung der Entwicklungshinweise für die Schulen ist Aufgabe der jeweiligen Schulleitung in Zusammenarbeit mit ihrem Team. Die Schulpflege hat die Aufsicht über die Umsetzung. Diese Aufgaben werden verantwortungsbewusst und professionell wahrgenommen.»

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