Politik

Vom Werkheim zurück in die Berge

Das Werkheim Uster verliert seinen Leiter der Hotellerie-Betriebe, Maik Kunz. Der Flumser ist in der Schweizer Gastronomie weit herumgekommen. Nun zieht es ihn zurück in die Heimat. Uster wird er aber weiter verbunden bleiben. Denn: Die Stadt habe gewaltiges Potenzial.

Ex-Luxus-Gastronom Maik Kunz verlässt das Werkheim in Richtung Flumserberg (Bild: zvg)

Vom Werkheim zurück in die Berge

Maik Kunz war sieben Jahre lang Betriebsleiter der Hotellerie im Werkheim Uster. Nun verlässt er per Ende August das Werkheim und sucht sich in seiner alten Heimat Flums eine neue Herausforderung. Ab Mitte Oktober wird Kunz die Geschäftsführung der BBF Gastro AG übernehmen. Die Gastronomie Unternehmung der Bergbahnen Flumserberg AG (BBF) erwirtschaftet pro Jahr 9 Millionen Franken Umsatz in sechs Betrieben.

«Ich schlief mit dem Kochbuch unter dem Kopfkissen» – Maik Kunz

Kunz ist ein Mann für unkonventionelle Entscheidungen. In seiner Karriere in der Hotellerie ging es lange Zeit nur bergauf. Er war einer der jüngsten Hoteldirektoren der Schweiz und leitete während einigen Jahren das berühmte Nobelhotel Schatzalp oberhalb von Davos.

Voller Einsatz

Einsatzbereitschaft und der Wille etwas zu erreichen trieben Maik Kunz an. Bereits als Kind stand er im Restaurant der Familie in der Küche und trocknete Geschirr ab, «während die anderen Teleboy schauten». Später im noblen Victoria Jungfrau in Interlaken schlief er «mit dem Kochbuch unter dem Kopfkissen.»

Er war damals Teil einer rund 80-köpfigen Truppe unter Küchenchef Erwin Leo Stocker. Der Umgangston war rau. «Es flogen Pfannen und alle zitterten ehrfürchtig vor Stocker.» Der Ehrgeiz war grösser als das Komfortbedürfnis. Es ging um Zeugnisse und Sterne, nicht um den Lohn. «Wir haben für den Betrieb gelebt», sagt Kunz.

Ohne Privatleben

Das tat er auch auf der Schatzalp, obschon er dort in eine fremde Welt kam. Im Hotel wohnten viele kulturbeflissene Gäste aus altem Geldadel. Familien, die seit Generationen auf die Schatzalp kamen. Ihm gefiel es dort oben. Nur: Er kam während der Saison fast nie runter von der Alp und hatte kein Privatleben mehr.

«Ich realisierte wie dünneisig diese Welt ist»

Als er eines Morgens, überarbeitet, einen vor ihm stehenden Hotelgast nur noch verschwommen wahrnahm, wusste Kunz: Es ist Zeit für eine Veränderung. Kunz schrieb sich an der Fachhochschule für Wirtschaft in Luzern ein, zog dann aber nach Zürich und war verantwortlich für die Neueröffnung des Restaurants Metropol.

Ein Sinneswandel

Eine Herausforderung, wie sie Kunz mag. «Im Gastgewerbe lernt man zu improvisieren.» Das Metropol war in der Anfangszeit ein Treffpunkt der Zürcher Privat-Banker. «Eine solche Dynamik punkto Geldfluss sah ich noch nie.» Die Spesenkonti waren voll, teure Weine fanden bereits am Mittag reissenden Absatz bis zum Börsencrash 2008. Viele Stammgäste verloren ihren Job, manche danach auch ihre Familie. Diese Einzelschicksale führten in Maik Kunz zu einem Sinneswandel. «Ich realisierte, wie dünneisig diese Welt ist.»

«Im Werkheim mache ich nicht nur Gastronomie, sondern helfe mit, dass Menschen mit Behinderung Teil der Öffentlichkeit werden»

Kunz, der 20 Jahre für die Karriere gelebt hatte, entschied sich gegen die Rückkehr in die Luxus-Hotellerie. «Ich hatte es gesehen. Das war nicht mehr meine Welt. Ich wollte einen Cut.» Er wechselte ins Werkheim, wo er als Leiter Hotellerie unter anderem für das Catering, das Stadtparkcafé, die Neueröffnungen Restaurant 8610 und Restaurant 8610 am See zuständig war.

Wechsel in die Berge

«Ich mache hier nicht nur Gastronomie, sondern helfe mit, dass Menschen mit Behinderung Teil der Öffentlichkeit werden», sagte Kunz bei seinem Wechsel. Die Dankbarkeit, Herzlichkeit und Ehrlichkeit der Betreuten machen für Kunz viel vom Reiz seiner Arbeit aus.

«Der Reiz, etwas Neues in der alten Heimat zu gestalten, war zu gross»

Nun macht er einen weiteren Cut. Nach sieben Jahren ist im Werkheim Schluss. Das hat weniger mit dem Werkheim und Uster zu tun, als vielmehr mit seinem Heimatort Flumserberg. «Die geplante touristische Dynamik interessiert mich», sagt Kunz. Er wird neben der Leitung der Gastronomie Unternehmung auch Geschäftsleitungsmitglied der BBF. «Der Reiz, etwas Neues in der alten Heimat zu gestalten, war zu gross», sagt Kunz.

Dem Oberland treu

«Ich bedanke mich bei meinen Mitarbeitenden, Lieferanten und Gästen der 8610 Gastronomiebetriebe.» Er werde sich aber weiter im Zürcher Oberland engagieren. «Uster hat gewaltiges Potenzial», glaubt Kunz und meint damit, dass es doch eigentlich gelingen müsste einige Ausgangslustige am Wochenende mit guten Angeboten in der Stadt zu halten. Man werde ihn also auch weiterhin in Uster und Umgebung antreffen. «Sei es im Bereich Kultur oder als Verwaltungsratsmitglied der Schifffahrtsgesellschaft Greifensee.» (mae/mig)

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