Ein Blick auf Usters grösste Baustelle
An diesem Dienstag wird mit einer Spezialbewilligung über den Mittag durchgearbeitet. «Die vorgespannte Stahlbetondecke über dem Trakt B wird heute betoniert, da kann keine Pause eingelegt werden», erklärt Marco Michael von der GMS Partner AG. Für die rund 800 Quadratmeter grosse Decke über dem parkseitigen Eingangstrakt des neuen Ustermer Bildungszentrums werden 440 Kubikmeter Beton verbaut. Dazu kommen rund 90 Tonnen Stahl und 15 Stück Vorspannkabel. Auf der Baustelle arbeiten zurzeit bis zu 70 Handwerker gleichzeitig.
Rohbau bis Ende Jahr fertig
Michael ist einer von drei Bauleitern, die auf der Grossbaustelle an der Berufsschulstrasse in Uster die verschiedenen Arbeiten koordinieren und für die Termin- und Kostenkontrolle zuständig sind. Für den 34-Jährigen ist es die bislang grösste Baustelle. Überraschungen habe es bislang zum Glück keine gegeben, sagt er.
Der dreistöckige Rohbau sollte bis Ende Jahr abgeschlossen sein. Der Spatenstich für das rund 120 Millionen Franken teure Bauprojekt war am 5. April 2016, im Frühling 2019 soll das neue, vom Kanton finanzierte Bildungszentrum bezugsbereit sein.
Nur noch Decken und Pfeiler
Der Neubau schliesst sich ringförmig an das bestehende Bildungszentrum an. Doch auch von diesem steht nicht mehr viel. Es wurde komplett ausgehöhlt, nur noch die Betondecken und die tragenden Pfeiler sind zu erkennen. Auch die bestehende Dreifachturnhalle ist bis auf die Grundmauern zurückgebaut worden. «Die Giebeldächer bleiben bestehen, diese werden aber mit einer neuen Hülle ummantelt», so Michael. Mit einer offenen Galerie wird die neue Mehrzweckhalle an die bestehende Dreifachturnhalle angebunden.
Für die rund dreijährige Bauzeit hat die Berufsschule im letzten Frühling auf der grünen Wiese südwestlich der Baustelle ein Container-Provisorium bezogen. Die Räume werden nicht nur von rund 1500 Berufsschülern genutzt, sondern auch von den Studierenden der Höheren Berufsbildung HBU sowie für die berufsorientierte Weiterbildung. «Wir haben uns im Provisorium gut eingelebt», meint Otto Schlosser, der Rektor der Berufsfachschule.
Unterricht von 7 bis 22 Uhr
In den Container-Zimmern seien die klimatischen Bedingungen bei extremer Witterung zwar nicht ideal, bei schlechtem Wetter oder im Winter fehlten überdachte Gänge oder Aufenthaltsräume. «Wir sind aber dankbar, dass wir ein wirklich gutes Provisorium erhalten haben und fühlen uns hier gut aufgehoben», so Schlosser. Gleichwohl freue man sich auf das neue Schulhaus.
Im neuen Bildungszentrum Uster werden dann rund 1600 Berufsschüler und 500 Gymnasiasten Platz finden. Hinzu kommen die Schüler der Höheren Fachschule, welche die Räume am Abend belegen werden. «So ist das neue Bildungszentrum optimal ausgelastet. Es wird quasi von 7 Uhr morgens bis 22 Uhr abends unterrichtet und gelernt werden.»
Container als Providurium?
Einen speziellen Trakt für die einzelnen Schulen wird es dabei nicht geben. «Die Kantonsschule wird ihre Unterrichtsräume im zweiten Stock haben, die Berufsfachschule im ersten Stock», sagt Kantonsschulrektor Patrick Ehrismann. Gewisse Räume im Erdgeschoss – etwa Chemie- oder Physikräume – würden zudem gemeinschaftlich genutzt. Eines ist laut Ehrismann aber bereits jetzt klar: «Für die Kantonsschule ist der Neubau bereits jetzt zu klein.» Zurzeit zähle die Kanti knapp 600 Schüler-innen und Schüler, prognostiziert seien in den nächsten Jahren bis zu 800.
Untergebracht ist die Kantonsschule seit 2013 ebenfalls in einem Container-Provisorium am Rande des Zellwegerparks. «Die Lösung wird wohl darin bestehen, dass der als Provisorium gedachte jetzige Parkschulcampus zum grössten Teil bestehen bleiben wird», sagt der Kantonsschulrektor. Definitiv sei dies aber noch nicht.
Fassade aus Aluminium
Bis die beteiligten Schulen in den Neubau ziehen können, müssen sie sich noch etwas gedulden. Nach der Fertigstellung des Rohbaus beginnt Anfang des nächsten Jahres der Innenausbau des neuen Bildungszentrums. «Die gesamte Geschossfläche des Neu- und Umbaus beträgt rund 29 000 Quadratmeter», erklärt Bauleiter Marco Michael. Dann werden gemäss dem Bauleiter noch weit mehr Arbeiter auf der Grossbaustelle am Werk sein.
Eine spezielle Herausforderung stelle zudem die Fassade mit ihrem dreidimensionalen Aufbau aus Aluminium-Verbundplatten dar. Um mögliche Schwierigkeiten zu erkennen sowie als Visualisierung für die Bauherrschaft wurde vorgängig ein grosses Fassadenmuster erstellt. Dieses kann zwischen der Grossbaustelle und dem Berufsschul-Campus angeschaut werden.