Abo

Politik

Der Pfäffiker «Hecht» ist wieder offen

Die Familie Schellenberg hat den «Hecht» in Pfäffikon gekauft und umfassend renoviert. Nun ist der Gasthof wieder offen - mit neuem Konzept und gutbürgerlicher Küche.

Das neue Team des Restaurants Hecht hinter der Schiffbar, die an die Geschichte der Beiz erinnert. (Bild: Nick Soland)

Der Pfäffiker «Hecht» ist wieder offen

Schon wieder hatte es eine Beiz erwischt, und dann ausgerechnet den «Hecht» – eines der ältesten Restaurants im Dorf, einst bekannt für seine Fischküche. Letzten Frühling gab Max Häfeli den Betrieb auf, weil die Umsätze eingebrochen waren. Gutbürgerliche Restaurants seien heute weniger gefragt, sagte Häfeli damals. Das sieht Oskar Schellenberg anders: Der Geschäftsführer der gleichnamigen Druckerei hat den «Hecht» gekauft, umfassend renoviert und am Dienstag nach rund einem Jahr Pause wiedereröffnet.

Für Schellenberg ist klar, dass der «Hecht» Potenzial hat. «In Pfäffikon gibt es ja kaum mehr Restaurants, schon gar nicht mit gutbürgerlicher Küche.» Doch nicht er selbst wird das Restaurant führen, sondern seine Frau Michèle, eine gelernte Köchin. Unterstützt wird sie von Tochter Regula, die in der Druckerei die Personal- und Betriebsleitung innehat.

Tapas und Tafelspitz

Die drei sitzen an einem der Holztische. Sie sind gedeckt mit Stofftischtücher und -servietten, darauf zweiteiliges Besteck und zwei verschiedene Weingläsern. Das Ambiente ist gediegen, «aber wir wollen keinen Edelschuppen, sondern ein Restaurant, in dem sich die Pfäffiker treffen können», sagt Regula Schellenberg.

Sie öffnet eine Speisekarte. Zusammengestellt hat sie Küchenchef Laszlo Bujdoso, der schon im Zürcher Prime Tower gekocht hat. Aktuell werden Lachscarpaccio mit Pinienkernpesto, Kalbsleberli oder Zürcher Geschnetzeltes serviert. Dazu gibt es eine Tapas-Karte. «Sie passen gut, wenn man zu einem Glas Wein etwas Kleines essen will», sagt Regula Schellenberg.

Das Angebot wechselt regelmässig, doch ein paar Klassiker wird es immer geben: Hecht-Knusperli etwa oder Tafelspitz. «Mein Lieblingsessen», sagt Oskar Schellenberg. Nächste Woche gibt es ein Probe-Essen mit Kutteln. «Wir wollen Gerichte servieren, die man anderswo kaum mehr bekommt.» Saisonal sollen sie sein, möglichst hergestellt mit Produkten aus der Region. Einen grossen Teil des Fleisches bezieht die Familie von der Metzgerei Hotz, der Käse kommt vom Dorfladen Irgenhausen.

Ein Boot als Bar

Eine Frau betritt das Restaurant und blickt sich neugierig um. «Schön ist es geworden», sagt sie. Oskar Schellenberg nickt zufrieden. «Wir wollten den alten Charme des Restaurants erhalten», sagt er. Das Parkett wurde darum lediglich abgeschliffen, genauso die Holzverkleidung an den Wänden und der Decke. Von den Tischen geht der Blick über das Buffet zur halb offenen Küche. Die Steinwand beim Eingang kam während den Renovationsarbeiten zum Vorschein. «Sie gefiel uns so gut, dass wir beschlossen, die Wand freigelegt zu lassen», sagt Michèle Schellenberg.

Die Schellenbergs haben das Restaurant mit vielen persönlichen Details eingerichtet – ohne die Hilfe eines Architekten. Die Bilder an den Wänden hatte Oskar Schellenberg einst einem Strassenkünstler in Spanien abgekauft. 20 Jahre lang hingen sie im Ferienhaus der Familie in Tunesien. «Sie passen perfekt hierher», sagt Michèle Schellenberg.

Und der Pfäffiker Künstler Marcel Hänni hat neben zwei Bildern auch eine Installation für den «Hecht» hergestellt. Der Blickfang im Restaurant ist die Bar: Ein rotes Boot, gefunden im Sailor Shop Pfäffikon, umfunktioniert zu einem Tresen. Damit will die Familie an die Geschichte des Restaurants erinnern: Wirtesohn Emil Leemann baute zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Motorboot «Hecht», das im Juni restauriert vom Stapel in den Pfäffikersee laufen wird.

Jeden Tag geöffnet

Der «Hecht» wird künftig sieben Tage die Woche geöffnet sein. «So gehört sich das für eine richtige Dorfbeiz», findet Oskar Schellenberg. «Die meisten Restaurants haben am Sonntag oder Montag geschlossen, aber die Leute wollen ja auch an diesen Tagen auswärts essen.»

Den Öffnungszeiten entsprechend haben die Schellenbergs viel Personal angestellt: In der Küche arbeiten fünf Personen, im Service vier, unterstützt von Michèle und Regula Schellenberg. «Ich bin nur Gast», sagt Oskar Schellenberg und lacht. Seine Tochter blickt aufs Handy, prüft die Mails. Schon wieder sind Reservationen eingegangen.  «Die Leute freuen sich, dass der Hecht wieder aufgeht», sagt sie. Ihr ist bewusst: Der Name Schellenberg verpflichtet – die Familie ist im ganzen Dorf bekannt.           

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.