Ohne Empathie geht es nicht
«Der Patient und ich bilden ein Team», sagt Karia Aghamiri. «Es ist mir wichtig, dass wir bei einem gesundheitlichen Problem gemeinsam eine Lösung finden.» Ursprünglich ist Aghamiri Internist. Doch seit vier Jahren führt er eine Hausarztpraxis in Fehraltorf. Aktuell behandelt er Patienten im Alter von sechs Monaten bis zu 94 Jahren. Oft betreut der 48-Jährige mit persischen Wurzeln drei Generationen der gleichen Familie. «Es freut mich, dass mir die Leute so grosses Vertrauen entgegenbringen.»
Hohen Posten den Rücken gekehrt
Für die Hausarztpraxis gab der ausgebildete Kardiologe seine leitende Stelle an einer renommierten Zürcher Klinik auf. «Nach angesehenen Posten an Spitälern in Wien, München, Bonn und Zürich reizte mich die Vorstellung, selbständig zu arbeiten, zu gestalten und zu führen.»
Seine Arbeit als Internist und Notarzt auf verschiedenen hochspezialisierten Abteilungen sei zwar enorm spannend, doch auch sehr zeitintensiv gewesen. «Ich verpasste die ersten drei Lebensjahre meines Sohnes regelrecht.»
Patienten übernommen
Die Suche nach einer gut ausgerüsteten Hausarztpraxis gestaltete sich als schwierig. Dies, obwohl viele Hausärzte in der Schweiz, die in Pension gehen, kaum einen Nachfolger finden. Glück hatte Karia Aghamiri, als er per Inserat auf seine heutige Praxis stiess. «Mein Vorgänger Arthur Frei hat darin sehr viel investiert, nicht nur technisch, sondern auch menschlich gesehen», sagt der Arzt Aghamiri. So habe er nicht nur die Praxis eins zu eins, sondern auch den Grossteil der Patientenkartei seines Vorgängers übernehmen können.
Dem Arzt liegen Vertrauen und Empathie besonders am Herzen. Nur so könne ein offener Dialog zwischen ihm und dem Patienten stattfinden. Auch bei einem vollen Wartezimmer wirkt Karia Aghamiri entspannt und liebenswürdig. «Dies ist wohl ganz einfach mein Naturell», sagt der Arzt und lacht. Angespannt fühle er sich selten, denn sein Beruf sei neben seiner Familie seine grosse Leidenschaft und alles andere als eine Belastung.
Abschalten könne er beim Sport, beim Lesen oder beim Musikhören. Und wenn die Zeit es wieder einmal erlaube, verbringe er mit Frau und Sohn ein Wochenende in seiner Lieblingsstadt Wien. Dort hat Aghamiri studiert und praktiziert.
Beruf oft unterschätzt
Obwohl seine Arbeitstage heute nicht unbedingt kürzer sind als zu seinen Spitalzeiten, hat Karia Aghamiri den Schritt in die Selbständigkeit noch keinen Moment bereut. «Die vielseitige und anspruchsvolle Aufgabe eines Hausarztes fasziniert mich und wird meiner Meinung nach oft unterschätzt.» Finanziell gesehen gäbe es als Mediziner wohl lukrativere Jobs, da sei er ehrlich. Und dennoch würde sich Karia Aghamiri wünschen, dass sein Berufsstand wieder mehr an Ansehen gewinnt. «Es wäre gut, wenn man damit schon bei der Ausbildung ansetzen würde.»
In Fehraltorf fühlt sich der 48-Jährige äusserst wohl. Nicht nur in der Beziehung zu seinen Patienten, sondern auch zu seinen Hausarztkollegen. «Wir pflegen untereinander ein sehr gutes Verhältnis und vertreten uns bei Ferienabwesenheiten», sagt Aghamiri. Auch die dorfeigene Apotheke ist für ihn ein Gewinn. «Zwischen den Apothekerinnen und mir besteht ein in jeder Hinsicht positiver Austausch.»