Politik

Alte Poststelle wird zum Modellflugzeug-Museum

Vor drei Jahren wurde die Russiker Poststelle geschlossen. Jetzt hat Urs Leodolter aus Hittnau den Raum gekauft. Er will darin ein Museum für seine einmalige Sammlung alter Modellflugzeuge einrichten.

In den nächsten Monaten will Urs Leodolter seine Sammlung alter Modellflugzeuge von seinem Keller in Hittnau nach Russikon in die alte Poststelle bringen. (Foto: Christian Merz), In den nächsten Monaten will Urs Leodolter seine Sammlung alter Modellflugzeuge von seinem Keller in Hittnau nach Russikon in die alte Poststelle bringen. (Foto: Christian Merz), In den nächsten Monaten will Urs Leodolter seine Sammlung alter Modellflugzeuge von seinem Keller in Hittnau nach Russikon in die alte Poststelle bringen. (Foto: Christian Merz), In den nächsten Monaten will Urs Leodolter seine Sammlung alter Modellflugzeuge von seinem Keller in Hittnau nach Russikon in die alte Poststelle bringen. (Foto: Christian Merz)

Alte Poststelle wird zum Modellflugzeug-Museum

Der Aufschrei war gross, als die Post im Herbst 2013 ankündigte, dass sie ihre Russiker Filiale schliessen und durch eine Postagentur im Dorfladen ersetzen werde. Nach drei Jahren Leerstand wurde das Lokal jetzt verkauft. Der neue Besitzer Urs Leodolter ist Swiss-Pilot und Inhaber der Firma Leomotion. Er hat den Raum jedoch nicht für gewerbliche Zwecke erworben, sondern weil er Platz braucht für sein ungewöhnliches Hobby. Leodolter besitzt eine der grössten Sammlungen alter Modellflugzeuge – darunter viele Raritäten.

Sein Keller platzt aus allen Nähten. Die Kisten und Vitrinen stapeln sich bis unter die Decke. Seine Sammlung umfasst neben unzähligen Flugzeugmodellen auch hunderte von Fernsteuerungen, Motoren und Servos sowie Fachliteratur und Originalverpackungen. Wie viele Stücke es sind, kann er nicht genau sagen. «In der Schweiz gibt es aber sicher keine vergleichbare Sammlung.»

Museum in alter Poststelle

Jetzt hat er bald Gelegenheit seine Sammlung auszustellen. Vor Kurzem kaufte Leodolter die seit drei Jahren leer stehende Postfiliale in Russikon. Dort will er ein kleines Museum für seine Sammlung einrichten. Der habe mit etwa 200 Quadratmetern genau die richtige Grösse. «Da es früher eine Poststelle war, sind die Türen und Fenster zudem sehr gut gegen Einbrüche gesichert.»

Einen Teil seiner Sammlung hat Urs Leodolter bereits am neuen Ort deponiert. «Es wird aber noch Monate dauern, bis alles hier ist», sagt er. Zudem baue er eine Küche ein. «Ich möchte den Raum später für Veranstaltungen nutzen oder vermieten können.»

Am meisten freue er sich darauf, endlich einen Ort zu haben, um seine Sammlung angemessen präsentieren zu können. «Im Eingangsbereich werde ich Holzvitrinen aufstellen, damit er wirkt wie ein alter Modellbauladen.» Den grössten Teil des ehemaligen Schalterraums wird aber die Ausstellung einnehmen.

Seit der Kindheit begeistert

Als ehemaliger Europa- und Weltmeister im Elektro-Modellflug hat sich Leodolter in der Szene einen Namen gemacht. Bis heute ist er Mitglied der Modellfluggruppe Pfäffikon. «Meine erste Fernsteuerung kaufte ich als 10-Jähriger einem Nachbarn ab.» Vor 15 Jahren habe er das selbe Modell auf Ebay wiedergefunden. «Das war der Anfang meiner Sammlung.» Seit es Online-Auktionshäuser gebe, sei es wesentlich einfacher geworden an altes Equipment zu kommen. Wie viel Geld er bisher in seine Sammlung investiert hat, will Leodolter nicht sagen. «Aber ich hätte bestimmt ein paar schöne Autos davon kaufen können.»

In seiner Sammlung finden sich auch einige besondere Stücke: Etwa das erste Elektro-Modellflugzeug, das erste Modell mit Solarantrieb oder das Flugzeug, das 1977 in der Sendung Teleboy mit Kurt Felix für einen unvergesslichen Moment der Schweizer Fernsehgeschichte sorgte. Mit waghalsigen Manövern verleitete der Pilot damals das Opfer eines Versteckte-Kamera-Streichs zum ikonischen Ausruf «de söll emol cho», der später sogar vom Trio Eugster in einem Lied musikalisch verarbeitet wurde.

Quelle: Youtube

 

Zwei berufliche Standbeine

Auch beruflich spielt die Fliegerei für Leodolter eine grosse Rolle. Nach einer Schreinerlehre und einem Architekturstudium liess er sich bei der Swissair zum Linienpiloten ausbilden. Heute fliegt er bei der Swiss Langstreckenjets vom Typ Airbus A340. Während seiner Pilotenlaufbahn erlebte er unsichere Zeiten. «Nach dem Grounding 2002 hiess es, wir sollten uns nach einem zweiten beruflichen Standbein umsehen.» Leodolter beschloss, aus seinem Modellflug-Hobby ein Geschäft zu machen und gründete zusammen mit seiner Frau die Firma Leomotion.

«Wir haben uns auf hochwertige Flugmodelle einer ukrainischen Firma spezialisiert, für die wir in der Schweiz die Vertretung machen.» Zudem bietet Leomotion leichte Elektromotoren aus eigener Produktion an. Als Ladengeschäft und Werkstatt dient ein Anbau an Leodolters Wohnhaus in Hittnau. Sowohl die Firma als auch die Sammlung wuchsen mit der Zeit aber immer mehr. «Inzwischen ist der Platz knapp geworden. Darum suchten wir nach einem zweiten Standort.»

Er wolle sein Hobby auch anderen zugänglich machen, sagt Leodolter. Besuchen werden sein kleines Privatmuseum wohl vor allem Mitglieder von anderen Modellfluggruppen. «Auf Anfrage zeige ich auch allen anderen Leuten gerne meine Sammlung.» Wenn alles nach Plan laufe, werde er gegen Ende des Jahres die ersten Gäste in seinem Museum begrüssen können.

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