Bäckerei Fust unter neuem Namen
Lange schien es so, als würde Egzon Shalja keinen Gebrauch vom Zweihänder machen: Bereits am 1. Juli letzten Jahrs übernahm er mit seiner Familie die stadtbekannte Bäckerei Fust an der Freiestrasse in Uster. An deren Erscheinungsbild änderte er knapp neun Monate nichts – auch aus Respekt gegenüber seinem Vorgänger Klaus Fust, wie er sagte. Dieser führte die Backstube zuvor während 45 Jahren. «Es ist eine grosse Leistung, die Herr Fust erbracht hat. Wir wollen dem Namen gerecht werden», sagte Shalja anlässlich der Stabübergabe gegenüber Züriost.
Nun soll doch alles oder zumindest das Wichtigste anders werden: Auf Ende März wird der Name Fust von der Freiestrasse verschwinden. Die Bäckerei wird in Alberts Backstube umbenannt, die Beschilderung entsprechend geändert werden. Albert, so heisst Egzon Shaljas Vater mit Vorname. Im letzten Sommer übernahm er mit seiner Familie die Fust-Filialen in Effretikon, Greifensee und eben in Uster. Dort steht Albert Shalja als Bäcker selbst in der Backstube. Sohn Egzon ist Geschäftsführer.
Vorgänger ist enttäuscht
Die geplante Namensänderung, die auch in der Filiale in Greifensee vorgesehen ist, scheint bei Vorgänger Klaus Fust Verstimmungen hervorzurufen. «Ich bin über das Vorgehen enttäuscht», sagt er knapp. Mehr wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.
Wieso entschieden sich die neuen Besitzer, ihre anfängliche Zurückhaltung aufzugeben und den Namenswechsel vorzunehmen? «Viele Kunden haben lange Zeit gar nicht mitbekommen, dass ein neues Team am Drücker ist», sagt Egzon Shalja. «Einige haben uns auch explizit dazu geraten, unter einem neuen Namen aufzutreten.» Und: Der Start in Uster sei für die neuen Inhaber durchwachsen verlaufen. «Wir mussten etwas ändern.»
Zur neuen Strategie der Familie Shalja gehört nicht nur die Namensänderung. Auch die personellen und infrastrukturellen Ressourcen sollen künftig «effizienter genutzt» werden, wie Egzon Shalja sagt. So werden die Shaljas auf Ende März die Fust-Filiale in Effretikon schliessen. Drei Personen mit einem Stellenpensum von je 100 Prozent wurde gekündigt. Zuvor sei es schon zu mehreren Wechseln innerhalb der Belegschaft gekommen.
«Tolle Leute»
Eine einschneidende Änderung gab es an der Freiestrasse bereits im letzten November: Das Konzept des Restaurants, welches zur Bäckerei gehört und sich auch im selben Gebäude befindet, wurde auf den Kopf gestellt. Statt gutbürgerliche, währschafte Küche ist neu albanische Kost Trumpf. Mit anderen Worten: Cevapcici statt Cordon bleu. Auch wurde der Beizenname von Salmen in Adria geändert und das Interieur neu gestaltet. So ziert neu ein grosses Foto der kosovarischen Stadt Prizren, der Heimatstadt der Shaljas, die Wand.
Zumindest ein Teil der – meist schweizerischen – Stammgäste scheint mit dieser «Albanisierung» keine Mühe zu bekunden. «Wir gehen ja auch in thailändische Restaurants. Wieso dann nicht zum Albaner?», sagt Daniel Felix, Präsident des Militärspiels Uster. Für ihn und seine Vereinskollegen ist das Restaurant auch nach der Namens- und Konzeptänderung die Stammbeiz geblieben, die sie schon immer war. «Anfangs war es vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile ist es hier richtig heimelig geworden», sagt Felix. Gerade die Stadtbilder an den Wänden würden ihm gut gefallen. Auch seien Egzon und sein jüngerer Bruder Besmir, der im Restaurant kellnere, «tolle Leute». Egzon Shalja räumt aber ein, dass die Änderungen nicht überall derart positiv ankamen. «Es gibt ein paar Gäste, die meinen, sie seien hier nicht mehr willkommen», sagt er und schiebt nach: «Das stimmt natürlich überhaupt nicht.»
Gleiche Stossrichtung
Derart einschneidende Änderungen wie im Restaurant seien in der Bäckerei trotz Namens- und Logowechsel nicht geplant, sagt Shalja. Zwar haben die neuen Inhaber schon im letzten Sommer nach der Übernahme ihre eigenen Produkte dem Sortiment hinzugefügt. So zum Beispiel ein spezielles Oliven- oder Simmentaler Brot. Die Stossrichtung bleibe aber dieselbe, die auch Vorgänger Klaus Fust verfolgt habe: «Unsere Backwaren sind handgemacht und werden nicht extern bestellt. Wir setzen auf Qualität statt Quantität», sagt Shalja. Er ist überzeugt, dass eine solche Bäckerei auch in Zukunft gute Überlebenschancen hat – trotz der immer grösser werdenden Konkurrenz von Grossverteilern und Tankstellenshops.
Im Kampf um Kunden und Marktanteile hat Shalja noch einen Trumpf in der Hinterhand: Albanische Backspezialitäten, die er zurzeit zwar noch nicht anbietet, deren Aufnahme ins Sortiment er aber durchaus prüft.