Bauma findet keinen Gemeindeschreiber
Seit knapp drei Monaten hat Bauma keinen Gemeindeschreiber mehr. Andreas Strahm hat im letzten November gekündigt. Für den Posten des Gemeindeschreibers gilt zwar eine sechsmonatige Kündigungsfrist, dennoch arbeitet Strahm schon seit Ende Dezember nicht mehr in Bauma. «Er hatte noch sehr viel Ferien und Überzeit», sagt der Baumer Gemeindepräsident Andreas Sudler (parteilos). «Die muss er kompensieren, bevor sein Arbeitsvertrag Ende April offiziell ausläuft.»
Der Gemeindeschreiber ist die zentrale Figur in der Verwaltung – wie der Geschäftsführer in einer Firma. Einen Nachfolger zu finden, hat deshalb höchste Priorität. Bisher verläuft die Suche aber harzig. Wie der Gemeinderat kürzlich mitteilte, konnte man in der ersten Bewerbungsrunde keinen geeigneten Bewerber finden.
Kein Bewerber überzeugte
«Bei der ersten Stellenausschreibung gingen rund 20 Bewerbungen ein. Davon haben wir mit fünf Personen Vorstellungsgespräche geführt», sagt Sudler. Zwei der Bewerber kamen in die engere Wahl.
«Weitere Gespräche und Abklärungen ergaben jedoch, dass wir beide Bewerbungen nicht weiterverfolgen können», sagt Sudler. Der eine Bewerber, ein Quereinsteiger, habe seine Bewerbung selber zurückgezogen. Der zweite habe zwar bereits Verwaltungserfahrung vorweisen können, entsprach jedoch nicht den Vorstellungen des Gemeinderats.
Unterstützt wurde die Gemeinde bei der Beurteilung der Kandidaten von der Personal- und Unternehmensberatungsfirma Raths Management GmbH aus Pfäffikon. Diese führte mit den beiden Kandidaten das Assessment durch.
Gute Voraussetzungen
Inzwischen läuft die zweite Ausschreibungsphase. Die Gemeinde nimmt noch bis Dienstag Bewerbungen entgegen. Sudler bleibt optimistisch. «Unsere Verwaltung ist dank der Arbeit, die Andreas Strahm in seinen vier Jahren als Gemeindeschreiber geleistet hat, gut aufgestellt und verfügt über zeitgemässe Strukturen.»
Auch Hans Heinrich Raths, Geschäftsführer von Raths Management, die der Gemeinde auch in der zweiten Ausschreibung zur Seite steht, hält Bauma für einen attraktiven Arbeitsort. «Bauma ist eine mittelgrosse Gemeinde mit einer modernen Verwaltung und viel Entwicklungspotenzial.» Gerade für eine Person mit Erfahrung als Gemeindeschreiber in einer kleineren Gemeinde könne dieser Posten ein gutes Karrieresprungbrett sein.
Der Markt ist ausgetrocknet
Die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Ersatz für Strahm hätten nichts mit der Attraktivität der Gemeinde zu tun, sagt Raths. «Der Arbeitsmarkt für Stellen der öffentlichen Hand ist ausgetrocknet. Diese Erfahrung mache ich schon seit Jahren – auch in anderen Gemeinden.» Es gebe nur wenig gut qualifizierte und erfahrene Personen, die für den anspruchsvollen Job infrage kämen.
«Neben seiner Funktion als Chef der Verwaltung ist der Gemeindeschreiber der wichtigste Berater für den Gemeinderat und muss dafür über die entsprechenden rechtlichen Kenntnisse verfügen.» Hinzu kommen Kommunikationsaufgaben. Der Gemeindeschreiber vertritt die Gemeinde gegenüber den Medien und der Bevölkerung.
Obwohl es derzeit nur wenig Bewerber gebe, sei es gut, dass Bauma nicht einfach den erstbesten Kandidaten einstelle. «Es ist wichtig, dass die Person zum Gemeinderat und zu den Angestellten der Verwaltung passt.»
Teure Zwischenlösung
Im Inserat zur laufenden Ausschreibung ist ein Stellenantritt per 1. September oder nach Vereinbarung vorgesehen. Selbst wenn sich ein geeigneter Kandidat meldet, könnte es also noch Monate dauern, bis er mit der Arbeit beginnt. Bis dahin muss sich die Gemeinde mit einer Zwischenlösung behelfen. Seit Anfang Jahr arbeitet Richard König als interimistischer Gemeindeschreiber in Bauma. Derzeit ist er über ein Vermittlungsbüro als Springer angestellt. König habe einst auf der Baumer Gemeindeverwaltung eine kaufmännische Lehre absolviert, sagt Sudler.
«König arbeitet nicht zum ersten Mal als Springer für uns. Er kam bereits vor zwei Jahren zum Einsatz, als es auf dem Bauamt zu Engpässen kam.» Zusammen mit Susanne Graf, die unter Andreas Strahm stellvertretende Gemeindeschreiberin war, führt König bis auf Weiteres die Gemeindeverwaltung.
Projekte zurückgestellt
Königs Pensum beträgt 60 Stellenprozent – aus Kostengründen, wie der Gemeindepräsident sagt. «Selbst mit dem reduzierten Pensum kostet uns der Einsatz eines Springers eineinhalb Mal so viel, wie ein regulärer Gemeindeschreiber.» Doch dank dieser Massnahme könne immerhin der Betrieb normal aufrechterhalten werden, sagt Sudler. Einige unwichtigere Projekte, etwa die Revision der Polizeiverordnung, habe man jedoch vorerst zurückgestellt.
König gleich als neuen Gemeindeschreiber einzustellen sei leider keine Option. «Da wir ihn kennen und bisher gute Erfahrungen mit ihm gemacht haben, boten wir ihm den Posten an. Er hat aber abgelehnt.» König wolle lieber noch eine Weile als Springer arbeiten und Erfahrungen auf verschiedenen Gemeindeverwaltungen sammeln.