In Dürnten regt sich Widerstand
Die Initiative Lättenmoos erhielt im Dezember an der Gemeindeversammlung Zuspruch. Das Dürntner Stimmvolk hiess die Umzonung der Reservezone im Grossriet in Dürnten in Landwirtschaftszone gut. Ein Drittel der Stimmbürger verwies das Geschäft an die Urne. Nun regt sich noch mehr Widerstand.
Die Erbengemeinschaft Wild, die eines der drei Landstücke im Grossriet besitzt, ist mit dem Vorhaben nicht einverstanden. «Wir wollen, dass unser Land in der Reservezone bleibt. Wir wollen es für unsere Nachkommen sichern», sagt Trudi Adam-Wild aus Russikon. Niemand in ihrer Familie sei noch in der Landwirtschaft tätig. «Unsere Kinder oder Enkel sollen die Möglichkeit haben, das Land zu verkaufen.» Das 2 Hektaren grosse Grundstück gehört ihr und ihren Brüdern Albert, Robert und Walter Wild. Seit etwa 100 Jahren ist es im Besitz der Familie. «Die Lage ist eine der besten zwischen Zürich und Rapperswil», sagt Albert Wild, der in Wolfhausen wohnt. Die Autobahn und der Bahnhof Bubikon liegen in nächster Nähe. «Es macht nur Sinn, dass das Land in der Reservezone bleibt. Der Ort ist ideal zum Arbeiten und Wohnen», so Wild.
Land verliert an Wert
Die Erbengemeinschaft hat zwar Verständnis, dass die Initianten, die im Lättenmoos wohnen, sich ihre Aussicht nicht verbauen lassen wollen. Trotzdem könnten sie nicht Rücksicht auf dieses Anliegen nehmen. «Wenn unser Land in Landwirtschaftszone umgezont wird, verliert es an Wert», sagt Wild. Es mache einen Unterschied, ob man 600 oder nur 5 Franken pro Quadratmeter verlangen könne, fügt Adam-Wild an. Die Geschwister stören sich an den Argumenten, die die Initianten Roman Preid, Daniel Seiler und Hans Kohler in einem vorgängig zur Gemeindeversammlung erschienenen Flyer zur Umzonung aufführen. «Einige Punkte stimmen nicht», sagt Adam-Wild. Im Flyer stehe, dass das Areal Teil eines zusammenhängenden landwirtschaftlich genutzten Grünraumes und gleichzeitig Naherholungsgebiets sei und dass die Umteilung in die Landwirtschaftszone diese Qualität langfristig sichere. «Die Initianten machen den Leuten Angst, dass das Naherholungsgebiet verschwindet, wenn keine Umzonung stattfindet», sagt Adam-Wild. Das sei unfair. «Dieses Argument vermittelt einen falschen Eindruck.»
Naherholungsgebiet bleibt
Das Naherholungsgebiet beginne in der Nauen in Tann und ende in der Öle unterhalb des Ritterhauses in Bubikon. Dabei handle es sich nicht um eine riesige Fläche, sondern um einen etwa 3 Kilometer langen Weg entlang dem Bach. «Auch wenn auf unserem Landstück gebaut würde, bleibt das Naherholungsgebiet erhalten», sagt Wild. Es würde lediglich etwa 200 Meter dieses Wegs berühren.
Dass das Areal nicht erschlossen sei, wie die Initianten schrieben, sei ebenso nicht richtig. «Das Areal ist praktisch erschlossen. Eine Hauptleitung der Kanalisation führt durch das Land. Ebenso gibt es Gas- und Wasserleitungen an der Bubikonerstrasse», sagt Wild. Das Areal müsste nur noch an das Stromnetz angeschlossen werden. Auch eine Strasse sei schon vorhanden. «Die Bubikonerstrasse, die früher Bubikon und Dürnten verband, müsste man nur noch öffnen.» Das ganze Lättenmoos sei grob erschlossen, bestätigt auch Gemeindeschreiber Daniel Bosshard.
Eine Fehlinformation sei überdies, dass das Gebiet als Fruchtfolgefläche bewirtschaftet werde. «Das Land ist nur für Futteranbau geeignet», sagt Wild. «Es gab hier nie etwas anderes als Wiese. Unser Vater hat auf dem Land nur geheut und das Vieh weiden lassen», sagt Adam-Wild.
Ackerfähiges Land
Die Einwände der Wilds können die Initianten nicht nachvollziehen. Dass das Land praktisch erschlossen sei, lässt Initiant Roman Preid nicht gelten. «Wäre ein so grosses Stück Land bereits erschlossen, wäre es schon längst eingezont.» Auch wenn das Land nicht als Fruchtfolgefläche bezeichnet werde, sei es damit vergleichbar. «Das Land ist im Geoinformationssystem der Bodeneignungsklasse 5 zugeteilt. Das heisst: Es ist ackerfähiges Land.» In der Praxis werde es seit Jahren abwechselnd mit Getreide, Raps und Mais bebaut.
«Mit unserer Initiative wollen wir das gesamte Grossriet der künftigen Generation sichern, nicht nur den Streifen der Familie Wild. Das Landstück aus der Initiative rauszunehmen, würde keinen Sinn machen, da es das Grossriet als Mittelstreifen durchschneidet», so Preid. Spätestens in 15 bis 20 Jahren seien alle baulichen Entwicklungsmöglichkeiten in Dürnten erschöpft. Dann müsste so oder so Landwirtschaftsland eingezont werden. «Wir wollen der künftigen Generation überlassen, wo das sein wird.» Vielleicht sei es im Grossriet, vielleicht an einem anderen Ort in der Gemeinde. «Gesichert ist das Land so oder so für die Nachkommen der Familie Wild.» Es bleibe in ihrem Besitz, und sie könnten nach wie vor im Rahmen des gültigen Zwecks frei darüber verfügen.
Auch wenn ihre Initiative angenommen werde, verfüge die Familie Wild nördlich der Bubikonerstrasse auch noch über Land, das der Reservezone zugeteilt sei, und behalte die Chancen auf eine kurz- oder mittelfristige Einzonung, sagt Preid.
Gemeinde stützt Eigentümer
Die Gemeinde steht hinter dem Anliegen der Eigentümer. Sie hat sich schon im Vorfeld der Gemeindeversammlung gegen die Initiative ausgesprochen. «Der Gemeinderat will weiterhin, dass das Gebiet in der Reservezone bleibt», sagt Gemeindeschreiber Daniel Bosshard. Die Entwicklung der Gemeinde werde durch die Initiative langfristig beeinträchtigt. Sie gewähre keinen Spielraum mehr für eine Ortsentwicklung und ein Wachstum in diesem Teil Dürntens. Dass das Naherholungsgebiet durch mögliche Bauten im Grossriet verschwinden werde, verneint der Gemeinderat. «Es würde etwas minimiert, aber nicht beeinträchtigt werden», so Bosshard.
Ob die Initiative tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet sich am 21. Mai. Dann stimmen die Dürntner an der Urne über die Zukunft des Grossriets ab.