Grütner Spielgruppe vor dem Aus
«Die Hoffnung stirbt zuletzt», sagt Claudia Nyffenegger. Zusammen mit ihrer Kollegin Karin Zimmermann leitet sie die Spielgruppe Zwergli-Werkstatt. Momentan investieren die beiden 46-Jährigen alle ihre Energie in das Suchen eines neuen Raums. «Wir haben die Schulgemeinde angefragt, Vereine und die politischen Parteien angeschrieben und Flyer aufgehängt. Wir hoffen, dass sich jemand findet, der ein Herz für Kinder und unsere Spielgruppe hat.»
Tageslicht und Toiletten benötigt
Die Zwergli-Werkstatt musste Ende Jahr aus ihrem langjährigen Zuhause im Schulhaus Wolfrichti ausziehen, weil dieses umgebaut wird. Vorübergehend fanden die Kinder im Oberstufenschulhaus Berg in Gossau Unterschlupf. «Aber hier können wir nur bis zu den Sommerferien bleiben, weil die Schule den Raum braucht», erzählt Nyffenegger. «Zudem gibt es in Gossau bereits Spielgruppen – im Grüt nicht. Deshalb wollen wir wieder etwas im Grüt anbieten.» Die Schule habe bereits mitgeteilt, dass es nach der Sanierung im Schulhaus Wolfrichti keinen Platz mehr gebe.
Etwas Neues zu finden sei schwierig. «Räume gäbe es schon. Aber meist ist die Miete zu hoch», sagt Claudia Nyffenegger. «Wir arbeiten kostendeckend und wollen kein Geld verdienen. Deshalb sind unsere Preise relativ tief. Wir möchten, dass sich auch Eltern die Spielgruppe leisten können, die nicht so viel Geld zur Verfügung haben. Wenn wir die Preise erhöhen, wäre das nicht mehr möglich.» Man könne sich auch vorstellen, den Raum mit jemandem zu teilen. «Wir brauchen nicht viel: nur Tageslicht und Toiletten.»
Vorbereitung auf Kindergarten
Die Esslingerin Claudia Nyffenegger und die Bäretswilerin Karin Zimmermann haben sich kennengelernt, als ihre heute 15-jährigen Kinder selbst eine Spielgruppe besuchten. Mittlerweile sind sie ausgebildete Spielgruppenleiterinnen, leiten die Zwergli-Werkstatt an vier Morgen mit jeweil
10 bis 12 Kindern pro Tag. «Wir machen das mit Herzblut. Die Spielgruppe ist eine wichtige Vorbereitung auf den Kindergarten», sagt Nyffenegger. «Gerade auch weil die Kinder immer jünger in den Kindergarten gehen. Wie uns Kindergärtnerinnen schon oft versichert haben, profitieren die Kinder sehr von der Spielgruppe.» Dass es im Grüt bald keine Spielgruppe mehr geben könnte, macht den beiden Frauen sehr zu schaffen. «Es würde etwas kaputtgehen», sagt Nyffenegger. «Und Grüt hätte kein Angebot für Kleinkinder mehr. Wir teilten uns den Raum unter anderem mit einer Chrabelgruppe. Auch die musste aufgelöst werden. Für eine Gemeinde ist es doch attraktiv, wenn sie Angebote für Kinder vorweisen kann.»
Intensive Suche bis im Frühling
Immer wieder melden Eltern ihre Kinder in der Zwergli-Werkstatt für einen Schnuppermorgen an. Und bereits hat die Spielgruppe 20 Anmeldungen für das neue Semester, das nach den Sommerferien beginnt. «Die Situation ist sehr schwierig und belastend für uns», sagt Nyffenegger. «Wir hängen momentan im luftleeren Raum und haben keine Ahnung, wie es weitergeht.»
Bis im Frühling wollen die beiden zweifachen Mütter noch intensiv nach einem Raum suchen. «Wenn wir bis dahin nichts gefunden haben, müssen wir wohl oder übel aufgeben. Daran wollen wir aber momentan noch nicht denken.»