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Kirchenbeleuchtung sorgt weiter für Konflikte

Seit über einem Jahr schwelt in Sternenberg ein Streit um die neue Kirchenbeleuchtung. Ein Gutachter ist zum Schluss gekommen, dass die Beleuchtung rechtens ist. Doch die Gegner wollen dies nicht akzeptieren.

Im Mittelpunkt des Konflikts: Die Beleuchtung der Sternenberger Kirche. Archivbild: Nick Soland

Kirchenbeleuchtung sorgt weiter für Konflikte

An kaum einem Ort im Kanton Zürich sind die Sterne nachts so deutlich zu sehen wie in Sternenberg. «Der Ortsname ist kein Zufall», sagt Mike Mitchell, der seit Jahren hier lebt. Von Lichtverschmutzung wie im Flachland ist Sternenberg bisher verschont geblieben. Wenn es nach Mitchell geht, soll das auch in Zukunft so sein. Doch seit einer Weile wird die nächtliche Finsternis um sein Haus von einem hellen Licht gestört. Es kommt von der Fassade der 300-jährigen Kirche. Seit rund einem Jahr wird das Gebäude von aussen beleuchtet.

Daran scheiden sich die Geister. Die Kirchenpflege ist für, eine Gruppe Sternenberger gegen die Beleuchtung (wir berichteten). In einem Gutachten, das die Gemeinde Bauma in Auftrag gegeben hat, ist festgehalten, dass die Beleuchtung rechtens sei. Dennoch schwelt der Konflikt weiter.

Einer der letzten dunklen Orte

Begonnen hat alles im Herbst 2015. Die Beleuchtung war das letzte Projekt der Kirchgemeinde Sternenberg vor der Fusion mit Bauma. Sie sollte ein Zeichen dafür setzen, dass die Kirche dem Dorf trotz der Fusion erhalten bleibe, hiess es damals seitens der Kirchenpflege.

Doch kaum war die Beleuchtung eingeschaltet, regte sich Widerstand. Rund 70 Personen wandten sich mit einer Petition an die Kirchenpflege. Einer der Mitunterzeichner war Mike Mitchell. «Wir können nicht nachvollziehen, dass es diese Beleuchtung braucht», sagt er. «Dass man das Wahrzeichen von Sternenberg beleuchten will, mag ja gut gemeint sein, doch am Abend kommen keine Touristen hierher und für die Leute, die hier wohnen, ist die Beleuchtung nicht nötig.»

Auch Lichtverschmutzung wird kritisiert

Nicht nur die Notwendigkeit sei fraglich. Die Gegner kritisieren auch die Ausführung. «Die Kirche verdient als Objekt von regionaler Bedeutung und als Teil des Landschaftsschutzgebiets ums Hörnli grösstmöglichen Schutz», sagt Mitchell, «doch die Beleuchtung mit den LED-Balken unter dem Vordach ist unserer Meinung nach schlecht ausgeführt.» Hätte man einen Beleuchtungsplaner beigezogen, wäre das Ergebnis sicher besser geworden.

Am meisten stört Mitchell die Lichtverschmutzung, denn deren negative Auswirkung auf die Natur sei bekannt. Für Beleuchtungen in sensiblen Gebieten gebe es kantonale Richtlinien, und diese würden in der Bau­bewilligung mit keinem Wort erwähnt. «Wir gehen deshalb davon aus, dass diese Vorgaben im baurechtlichen Entscheid überhaupt nicht beachtet worden sind.» Aus Sicht der Gegner macht es keinen Sinn, dass man aus­gerechnet an einem der letzten dunklen Orte in der Region eine Kirchenbeleuchtung installiert.

Störung für Sternwarte

Dieser Meinung ist auch An­dreas Buchmann. Er betreut die Sternwarte Sternenberg. Diese liegt in Sichtweite der Kirche, gut 500 Meter entfernt. «Die Sternwarte wurde bewusst an diesem Standort gebaut, weil es hier kaum störende Lichter gab», sagt er, «und jetzt macht man so etwas.»

Die Beobachtung der Sterne durch das Teleskop werde zwar dank der Kuppel nicht be­einträchtigt. «Doch zur astronomischen Beobachtung gehört auch, dass man nach draussen geht und den Gesamthimmel betrachtet», sagt er. Bei Führungen erkläre er so beispielsweise die Sternbilder oder zeige den Besuchern, wo am Himmel sich die Objekte befänden, die sie vorher durch das Teleskop betrachtet hätten. «Wenn man heute neben der Sternwarte steht, ist die hell erleuchtete Kirche ein massiver Störfaktor.»

Beschwerde an Gemeinde

Bei einem runden Tisch diskutierten Gegner und Befürworter der Kirchenbeleuchtung mögliche Lösungen. Die Kirchenpflege zeigte sich kompromissbereit und schlug vor, die Beleuchtung während der Nachtruhezeit auszuschalten. Seither herrscht im Winter ab 21 Uhr und im Sommer ab 22 Uhr wieder Dunkelheit. Den Gegnern reicht diese Massnahme aber nicht.

«Da es im Winter schon früh dunkel wird, finden die Führungen in der Sternwarte bereits ab 18 Uhr statt», sagt Buchmann. Er habe persönlich kein Problem damit, dass die Kirche ein Zeichen setzen wolle, «aber ich finde, man könnte die Beleuchtung auch nur zu speziellen Anlässen oder am Wochenende einschalten.» Mitchell geht sogar noch weiter. Er findet, die Beleuchtung sollte entfernt werden.

Für Stephan Reiser, Präsident der Kirchenpflege Bauma-Sternenberg, ist das keine Option. «Die Beleuchtung wurde von der Gemeinde Bauma bewilligt.» Die Gegner hätten zum Zeitpunkt der Bauausschreibung Einsprache erheben müssen. «Mit der eingeschränkten Betriebszeit sind wir ihnen bereits entgegengekommen. Für uns ist die Sache damit abgeschlossen», sagt Reiser. «Die Beleuchtung bleibt.»

Irreführende Beschreibung

Mitchell gibt zu, dass sie es damals verpasst hätten, auf die Baueingabe zu reagieren. «Doch in der Ausschreibung war nur von einer Aussenbeleuchtung die Rede. Wir dachten, es gehe um die Beleuchtung des Weges oder des Kirchenplatzes und nicht um die Fassade.» Diese Beschreibung sei irreführend gewesen. Da der Dialog mit der Kirchenpflege zu keiner Einigung führte, reichte er zusammen mit acht anderen Personen eine Beschwerde beim Gemeinderat Bauma ein.

Die Gemeinde reagierte mit einem Rechtsgutachten, dessen Ergebnis den Beschwerdeführern nach ein paar Monaten zugestellt wurde. «Das Gutachten kam zum Schluss, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei», sagt Mitchell. Die Beleuchtung entspreche den kantonalen Vorgaben, und die Bauausschreibung sei korrekt gewesen. «Inter­essanterweise war aber im Titel des Rechtsgutachtens von einer Fassadenbeleuchtung und nicht von einer Aussenbeleuchtung die Rede», sagt Mitchell.

Gegner wollen weitermachen

Für die Gemeinde ist die Sache damit erledigt. Aus Sicht der Rekurrenten ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen. Sie nutzten vor Kurzem ihr Recht zur Stellungnahme und legten den Behörden noch einmal eine detaillierte Zusammenstellung ihrer Einwände vor. Konkrete Auswirkungen versprechen sie sich davon aber keine. Dennoch wollen sich die Gegner der Kirchenbeleuchtung nicht geschlagen geben.

«Wir überlegen uns das weitere Vorgehen», sagt Mitchell. Er hätte bereits Kontakt mit der Organisation Dark-Sky gehabt, die sich gegen Lichtverschmutzung einsetze. «Ausserdem möchten wir von einem Fledermaus­experten untersuchen lassen, welche Auswirkungen die Beleuchtung auf die Fledermauspopulation im Umfeld der Kirche hat.» Doch ihnen sei auch klar, dass die Gemeinde Bauma momentan mit diversen anstehenden Grossprojekten andere Prioritäten habe. «Dennoch werden wir uns weiter dafür ein­setzen, dass das Thema Lichtemission künftig mehr Beachtung findet», sagt Mitchell. «An einem Ort wie Sternenberg hat das besondere Symbolwirkung.»

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