4Wände

Zu Hause im Siloturm – ein nicht alltägliches Wohnobjekt

Seit Kurzem beherbergt das ehemalige Getreidesilo der Mühle Balchenstahl am Pfäffiker Bahnhof Wohnraum für fünf Einheiten. Eine 100-jährige Geschichte.

Zu Hause im Siloturm – ein nicht alltägliches Wohnobjekt

Verlagsbeilage «4-Wände»

Das markante Turmgebäude am Bahnhof Pfäffikon, geprägt durch seine rohen Betonwände und das charakteristische Silo-Flair, erscheint beinahe wie ein Kunstwerk. Vor fast 100 Jahren als Getreidesilo errichtet, beherbergt es seit Kurzem Wohnraum für fünf Einheiten, der unkonventioneller nicht sein könnte.

«Vor gut 14 Jahren standen mein Geschäftspartner Markus Morof und ich auf dem Dach des ehemaligen Getreidesilos der Mühle Balchenstahl am Pfäffiker Bahnhof, und wir genossen die atemberaubende Aussicht», erzählt Georg Horka von der Horka Partner GmbH. Dieses Dach bot ihnen einen Panoramablick über das Zürcher Oberland, den Pfäffikersee bis hin zu Eiger, Mönch und Jungfrau.

Schnell wussten die beiden passionierten Baufachmänner: Diesen Silo müssen sie kaufen, denn eine solche Aussicht ist unbezahlbar. Die Entscheidung, den Silo zu erwerben, fiel deshalb sehr intuitiv. «Der Ausblick hat uns derart beeindruckt. Wir waren uns sicher, dass an diesem besonderen Ort etwas Einzigartiges entstehen wird», erinnert sich Markus Morof. Etwas Einzigartiges aus einem ehemaligen Energielieferanten der Pfäffiker Bevölkerung mit einer knapp 100-jährigen Geschichte.

Abruptes Ende der ursprünglichen Nutzung

Der prägnante Siloturm mit seinen knapp 35 Metern Höhe wurde 1932 vom Grossvater des letzten Mühlenbesitzers Werner Bosshardt erbaut. Ursprünglich gehörte er zur Hittnauer Mühle Balchenstahl und deren Getreidesilos mit Bahnanschluss. Damals bediente ein «Stumpengleis» (Nebengleis) der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) den Silo mit Getreidewaggons aus dem In- und Ausland. Diese fuhren zum Bahnhof Pfäffikon, wurden unter dem Silo hindurchgeführt und auf dem leicht ansteigenden Stumpengleis abgestellt. Nach dem Lösen des Bremsrads wurden die Getreidewaggons einzeln und mithilfe eines unter das Rad gelegten Hemmschuhs zum Stillstand gebracht.

Der neue Silo nach der Umbauphase im Jahr 2024.
Der Silo-Wohnturm mitten im Zentrum von Pfäffikon. Bei klarer Sicht hat man ein grossartiges Panorama bis zur Alpenkette.

Der Silo selbst hatte ein Fassungsvermögen von 80 Waggons Getreide. Jährlich wurden rund 4000 Tonnen Weizen im Silo umgeschlagen. Diese ursprüngliche Nutzung nahm dann im Jahr 2009 ein abruptes Ende. Dass es in der Familie Bosshardt keine mögliche Nachfolge gab, war nur einer von drei Gründen. Gleichzeitig fiel der letzte Grosskunde der Mühle, der «Gipfelikönig» Hiestand, weg, weil das Unternehmen verkauft und ein Teil der Produktion von der Schweiz nach Polen auslagert wurde.

Zu guter Letzt entschieden die SBB, die Strecke von Pfäffikon nach Effretikon künftig im 15-Minuten-Takt zu bedienen. Somit musste der Nutzungsvertrag für die Silogleise zwischen den SBB als Eigentümerin der Gleise und der W. Bosshardt AG von der Mühle Balchenstahl aufgelöst und der Silo zum Verkauf ausgeschrieben werden. Zur Freude der Horka Partner GmbH.

Dringende Sanierungsmassnahmen notwendig

Markus Morof und Georg Horka führen die Horka Partner GmbH seit über 22 Jahren und sind bekannt dafür, sich Projekte auszusuchen, für deren Ausführung nicht jeder den Mut aufbringen würde. «Der Silo ist ein markantes Beispiel und widerspiegelt unsere Leidenschaft für das Unkonventionelle perfekt», freut sich Morof, und Horka ergänzt schmunzelnd: «Niemand sonst wollte die Sanierung des Silos angehen.»

Der ehemalige Getreidesilo hatte seit seinem Bau im Jahr 1932 eine grosse Bedeutung in Pfäffikons städtebaulichem Kontext sowie einen historischen Hintergrund. Sein Zustand erforderte allerdings dringende Sanierungsmassnahmen. Schnell war für Horka und Morof klar: Der Erhalt des Silos ist langfristig nur durch eine attraktive Umnutzung möglich. Seine Schutzwürdigkeit erforderte jedoch eine differenzierte Beurteilung.

Man sieht die Struktur der inneren Wände im Silo.
Um den Denkmalschutz zu gewährleisten, wurde die Struktur der inneren Wände belassen und von aussen her isoliert.

Da der Silo auf der Liste der überkommunalen Schutzobjekte aufgeführt ist, musste die kantonale Denkmalpflege zwingend in das Bewilligungsverfahren einbezogen werden. Die immateriellen Denkmalwerte des Silos liegen in seiner wirtschaftshistorischen und architekturtypologischen Bedeutung. Deshalb wurde für einen denkmalpflegerischen Umgang plädiert, der sich auf die Substanz und den Charakter des Silos konzentriert.

«Spiralwohnungen» mit Schlosscharakter

«Es sollte ein Konzept entstehen, das die bestehende Struktur respektiert und neue Elemente integriert», erzählt Horka weiter. Ein überaus komplexes Vorhaben, gefolgt von einem intensiven Planungsprozess. «Die Fassade des Silos war seit vielen Jahren nicht mehr im Originalzustand. So konnten wir die Denkmalpflege überzeugen, von aussen und nicht von innen zu isolieren», erklärt Morof. Dies aus energetischen Gründen – und um die alte Struktur inwendig zu erhalten und weiterhin erlebbar zu machen.

Um neue Lösungsansätze zu entwickeln, war eine sorgfältige Herangehensweise bei der bestehenden Substanz notwendig – unter Einbezug verschiedener Experten und Behörden. Horka und Morof holten deshalb ab der ersten Bausitzung verschiedene Fachpersonen ihres Vertrauens mit ins Boot. «Wir wussten, dass die Planung und die darauffolgenden Ausführungsarbeiten herausfordernd sein werden», so Morof.

«Diese konnten wir nicht wie gewöhnlich ausschreiben, um dann Preis und Leistung zu vergleichen und auszuwählen. Die Experten mussten von Anfang an in alle Gedanken und Ideen miteinbezogen werden.» So auch Architekt Olivier Levis – der kreative Kopf des Projekts.

Die Bauherren Markus Morof (links) und Georg Horka (Mitte) mit dem Architekten Olivier Levis auf der Dachterrasse des Silo-Wohnturms.
Die Bauherren Markus Morof (links) und Georg Horka (Mitte) mit dem Architekten Olivier Levis auf der Dachterrasse des Silo-Wohnturms.

«Wir kannten Olivier Levis bereits und wussten, dass er eine interessante Lösung entwerfen wird», freut sich Horka. «Keine günstige, aber eine spezielle», ergänzt Morof. Und so kam Levis mit der Idee, «Spiralwohnungen» zu entwerfen, die sich innerhalb einer Wohnung von einem Boden zum nächsthöheren entwickeln. Eine clevere Idee, die Morof gerne mit einer Schlossbesichtigung vergleicht: «Alles ist verwinkelt, verschiedene kleine Treppen führen auf den nächsten Boden, auf dem man verweilen und etwas entdecken kann. Dadurch wirken die Wohnungen gross, obwohl sie es nicht sind – und es benötigt kein Treppenhaus.»

Dieses hätte zu viel Platz des Wohnraums eingenommen, und der Lift fährt sowieso in jede einzelne Wohnung. «Aufgrund feuerpolizeilicher Vorschriften haben wir die aussen liegenden Feuertreppen montiert. Das bringt etwas New-York-Flair nach Pfäffikon», findet Horka.

Dachterrasse auf 32 Metern Höhe

Olivier Levis hat sich auch in Bezug auf die Fenster und deren Lichtführung viel überlegt. «Je nach Nutzung des Raums gibt es Fenster auf Sitzhöhe. Diese wirken wie Bilder, wenn man so dasitzt und nach draussen ins Weite blickt», schwärmt Horka. Bis diese Ideen definitiv waren, wurden viele Sitzungen geführt, Ideen in Betracht gezogen, angepasst und wieder verworfen. «Wir haben noch nie so lange an einem Projekt gefeilt», lacht Morof.

Schliesslich entstanden im ehemaligen Getreidesilo über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren fünf Eigentumswohnungen. Im ersten Obergeschoss eine 2½-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 65 Quadratmetern und einer Raumhöhe von 3,15 Metern. «Hier handelt es sich um eine klassische Loftwohnung», erklärt Horka. «Sie besitzt im Erdgeschoss zudem einen Garten- und Grillplatz zur alleinigen Nutzung.»

Die unterste und die oberste Wohnung sind klassische Lofts – grosszügige Räume und hohe Decken zeichnen sie aus.
Die unterste und die oberste Wohnung sind klassische Lofts – grosszügige Räume und hohe Decken zeichnen sie aus.

Ins zweite bis ins siebte Obergeschoss wurden drei «Spiralwohnungen» mit jeweils 4½ Zimmern eingebaut. Jede von ihnen erstreckt sich über zwei Etagen, ist 116 Quadratmeter gross und wird durch eine geschützte Loggia zusätzlich aufgewertet.

Im achten und neunten Obergeschoss befindet sich eine 3½-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 81 Quadratmetern. Auf 32 Metern Höhe auf dem Dach des Turms befindet sich die dazugehörige 56 Quadratmeter grosse Terrasse mit dem atemberaubenden Panoramablick über den Pfäffikersee und die Alpen. «Alle Wohnungen sind durch den Lift direkt zugänglich, und die spezielle Anordnung der Fenster erzeugt immer neue Ausblicke und Lichtspiele», ergänzt Morof.

Eine Frage der Zeit

Den Verkauf der Wohnungen starteten Horka und Morof erst im Herbst 2023. Bis dahin trugen die Bauherren das finanzielle Risiko allein – gewollt. «Die Grundrisse der Wohnungen sind wirklich speziell. Es hätte ein absolut fachkundiges Auge erfordert, um nur anhand der Pläne genau zu erkennen, wie diese ‹Spiralwohnungen› schliesslich aussehen werden», stellt Horka klar. Morof und er wussten, dass sie diese Wohnungen nicht ab Plan verkaufen können, wie es normalerweise der Fall ist.

«Uns war wichtig, dass die potenziellen Käufer die Wohnungen in einem Zustand besichtigen können, in dem die Räume bereits klar erkennbar sind», erklärt Morof. Und so trafen die beiden erneut eine eher unkonventionelle Entscheidung, die sich bewährte. «Vier von fünf Wohnungen gingen innerhalb eines Monats weg», freut sich Horka. Und der Verkauf der letzten ist nur noch eine Frage der Zeit.

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