Neues Rezept für das «Puurehuus»
Obschon keine Ur-Wermatswilerin, dürfte «Puurehuus»-Wirtin Sylvia Näf in der Ustermer Aussenwacht kein gänzlich unbeschriebenes Blatt sein: Acht Jahre lang führte sie das Restaurant Sonne im nahe Wermatswil gelegenen Auslikon – und bewirtete dort gemäss eigener Aussage auch viele Ustermer.
Als neue Pächterin des «Puurehuus» – die Neueröffnung erfolgte vor rund zwei Wochen – möchte Näf das Konzept der «Sonne» fortführen, wie sie einst gegenüber der Wochenzeitung «Regio» sagte. Heisst: «Währschafte, gutbürgerliche Küche zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.»
In der Wildnis
Ein Vorsatz, der gut zum «Puurehuus» passt, strahlt die Gaststätte doch nach wie vor den gemütlich-rustikalen Charme einer Landbeiz aus. Im Garten des Restaurants wird dem Gast jedenfalls schnell klar, dass er die drittgrösste Stadt des Kantons weit unter sich gelassen hat und sich in der dörflichen Wildnis befindet. Da schwirren wahlweise Fliegen, Wespen oder geflügelte Käfer herum, vom Nachbartisch weht Stumpenrauch herüber und von irgendwoher vernimmt man Älplermusik. Nein, mit dem Uster der Kaffee- und Weinbars oder der Spartenfilme hat die Szenerie im «Puurehuus» wenig zu tun.
Der Auftritt der Kellnerin verstärkt diesen Eindruck: Sie nimmt die Gäste sogleich fürsorglich unter ihre Fittiche («hungern müsst ihr hier nicht, dafür sorgen wir»), gibt ihnen beim humoristischen Small Talk aber gleichzeitig zu verstehen, dass sie ihnen bei allfälligen Kapriolen auch ganz gut übers Maul fahren könnte.
Rückkehr des Fondor
Die Karte bildet wenig überraschend das klassische Potpourri der währschaften Küche ab. Wir wählen sowohl à la carte als auch aus dem Mittagsmenü (die dort aufgeführten Speisen sind etwas günstiger): mit Käse überbackenes Landhausschnitzel, Entrecote an Pfefferrahmsauce, Egliknusperli, Appenzeller Cordon bleu, Riz Casimir. Zuvor gibt es für fast alle von uns den Menüsalat und die Suppe.
Letztere wird zuerst serviert. «Heiss» lautet das Urteil des Kollegen. «Gut gewürzt» jenes der Begleiterin. Tatsächlich: Das auf dem Tisch postierte Fondor (der Schriftzug weckt bei uns Kindheitserinnerungen) braucht man für die Suppe nicht. Die Rückmeldungen sind aber allesamt positiv.
Der folgende Menüsalat ist die erwartete Vorspeise und überzeugt unter anderem durch die richtige Menge an Sauce.
Die Hauptspeisen werden dann zügig, nach angemessener Wartezeit serviert. Sogleich zieht das Riz Casimir die Blicke der Runde auf sich. Es ist reich garniert mit diversen Früchten, unter anderem mit frittierten Bananen und Drachenfrüchten. Ein währschaft-exotisches Feuerwerk! Der Kollege, der sich für diese Hauptspeise entschieden hat, erntet Futterneid.
Wo der Stadtpräsident gastiert
Neben dem Riz Casimir wirken Corden bleu und Schnitzel wie die Ausliker Dorffasnacht neben dem Karneval von Rio. Qualitativ gibt es an den Klassikern aber nichts auszusetzen, die Begleiterinnen sind zufrieden.
Etwas gar verhalten äussert sich einzig die Kollegin, die das Entrecote an Pfefferrahmsauce bestellt hat. An der Fleischqualität hat sie aber nichts auszusetzen, jedoch hätte sie sich eine etwas kräftigere Sauce gewünscht. In diesem Zusammenhang ist allerdings anzumerken, dass sich diese Kollegin schon bei der Bestellung von ihrer komplizierten Seite gezeigt hat. Sie trauert wohl immer noch dem Hackbraten nach, den sie einst ins Auge gefasst und den Wirtin Sylvia Näf später nochmals explizit empfohlen hatte – allerdings war da die Bestellung schon aufgegeben.
Noch ein Wort zu den Egliknusperli: Diese sind wunderbar knusprig und die Tartarsauce überzeugt ebenfalls. Sie sind allerdings die einzige Hauptspeise, bei welcher man mengenmässig noch etwas zulegen könnte.
Der Garten des «Puurehuus» ist an diesem Mittag gut gefüllt. Zu den Gästen gehört auch der Ustermer Stadtpräsident Werner Egli (SVP), der der «Einfachen Gesellschaft Puurehuus» angehört, welcher das Restaurant gehört. Er zeigt sich von der wiedereröffneten Beiz im neuen Kleid durchaus angetan.
Das Dessert lässt sich Zeit
Auch unsere Bilanz fällt überwiegend positiv aus. Kritikpunkt ist einzig die zu lange Wartezeit zwischen Hauptspeise und Dessert. Offensichtlich gab es eine Übergabe im Service, die Kellnerin, die uns anfänglich so gut umsorgt hatte, ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden – fast so, als hätte eine fürsorgliche Mutter ihre Sprösslinge nach getaner Hauptarbeit für immer ins Leben entlassen.
Das Dessert – Eiskaffee, Karamelköpfchen und das Baileysparfait – gibt uns dann aber das süsse Gefühl, dass wir das Leben auch in Selbständigkeit ganz gut meistern können. Und dass wir irgendwann einmal durchaus wieder ins «Puurehuus» zurückfinden könnten.