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Usters Bäckermeister übergibt den Stab

45 Jahre lang führte Klaus Fust die Bäckerei/Konditorei an der Freiestrasse. Nun gibt er sie zusammen mit seinen beiden anderen Filialen an die Familie Shalja weiter. Diese ist in Usters Bäckereilandschaft ein unbeschriebenes Blatt – nicht aber im Zürcher Oberland.

Egzon Shalja (links) wird mit seinem Vater die Bäckerei an der Freiestrasse und die beiden anderen Filialen von Klaus Fust (ganz rechts) übernehmen. In der Mitte Fusts Tochter Franziska Furter mit Nachwuchs. (Bild: Christian Merz)

Usters Bäckermeister übergibt den Stab

Wer Klaus Fust nicht kennt, hat Mühe, seinen Gemütszustand in diesen Tagen richtig einzuschätzen. Nach 45 Jahren Tätigkeit als Bäcker wird er seine drei übrig gebliebenen Filialen am 1. Juli seinen Nachfolgern übergeben. Die vierte Bäckerei am Nüsslikreisel hat er bereits im Dezember 2015 geschlossen.

Ist der bald 70-jährige Fust nun erleichtert, dass er nach so langer Zeit im Beruf endlich loslassen kann? Oder bedrückt ihn die Tatsache, dass er mit der Aufgabe seines Mini-Imperiums – es gibt Fust-Filialen in Uster, Ef­fretikon und Greifensee – eine wichtige Konstante in seinem Leben verlieren wird? Hat er Angst vor dem Schritt in einen neuen Lebensabschnitt?

Übergabe am 1. Juli

Eindeutig beantworten möchte Fust diese Frage nicht. «Wenn ich hätte weitermachen wollen, hätte ich keine Nachfolger gesucht», sagt er kurz angebunden. Seine Tochter Franziska Furter meint, dass er seiner Pensio­nierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegenblicke. «Einerseits ist er ­erleichtert, dass er sein Lebenswerk in gute Hände geben kann. Andererseits hat er schon auch für den Bäckerberuf gelebt.»

Furter selbst wird bis zur Übergabe am 1. Juli das tun, was sie in den letzten Jahren immer getan hat: als Verkaufsleiterin der Fust-Filialen für die Ad­ministration besorgt sein. Als Bäckerin oder Konditorin war sie nie tätig, weshalb es auch nie ein Thema war, dass sie ­dereinst sämtliche Fust-Filialen von ihrem Vater übernehmen könnte. «Das wäre ein bisschen zu gross für mich. Von der ganzen Produktion habe ich nur in der Theorie eine Ahnung», sagt sie, die soeben ein zweites Kind bekommen hat.

Der Sohn hatte andere Pläne

Eigentlich hatte Klaus Fust durchaus geplant, sein Geschäft in Familienhand zu behalten. Als designierter Nachfolger war sein Sohn vorgesehen. Doch dieser schlug einen anderen Lebensweg ein. Wenn Klaus Fust über das Scheitern dieser Pläne spricht, besteht über sein Befinden wenig Zweifel – die Enttäuschung ist ihm anzuhören.

Zu den Nachfolgern, die er nun gefunden hat, hat Fust kein enges Verhältnis. Er hat sie über einen Vermittler kennengelernt. Wobei das mit dem Kennenlernen so eine Sache ist: Ein persönliches Gespräch hat Fust mit den neuen Eigentümern nie geführt. Dass seine Filialen in guten Händen sein werden, glaubt er trotzdem. «Ich bin seit 28 Jahren im Bäckermeisterverband. Da bekommt man so einiges mit. Und über meine Nachfolger habe ich eigentlich fast nur Positives gehört.»

Der Respekt des Nachfolgers

Bei den Nachfolgern handelt es sich um die Familie Shalja. Deren Geschichte handelt von einem sozialen Aufstieg: Albert Shalja kam Ende der 1980er ­Jahre vom Kosovo in die Schweiz und arbeitete in Grindelwald, Hinwil und Greifensee als an­gestellter Bäcker. Vor sechseinhalb Jahren machte er sich selbständig: Er übernahm mit zwei Brüdern die Bäckerei Känzig in Kilchberg und in der Folge die Bäckerei Frauenfelder in Wetzikon. Mit der Übernahme der drei Fust-Filialen folgt nun der nächste Streich.

Albert Shaljas Sohn Egzon wird in den Fust-Filialen für die Administration tätig sein. Vor  dem  Erbe,  das  seiner  Fa­milie übergeben wird, hat er durchaus Respekt. «Es ist eine grosse Leistung, die Herr Fust erbracht hat. Wir wollen dem Namen gerecht werden», sagt er und stellt damit auch gleich klar, dass das «Fust» im Namen bestehen bleiben wird. «Neu werden wir aber die Rechtsform ändern. Die Bäckerei Fust wird künftig nicht mehr eine Ein­zelfirma, sondern eine Aktien­gesellschaft sein und Bäckerei/Konditorei Fust AG heissen», sagt Egzon Shalja.

Ansonsten werde es nur dezente Änderungen geben – zumindest am Anfang. «Vielleicht werden wir das eine oder andere neue Produkt einführen», sagt Shalja. Die Bäckereien seines Vaters haben sich mit einem speziellen Olivenbrot einen Namen gemacht, das sie unter anderem an den Globus verkaufen.

Alle werden übernommen

Von den 25 Mitarbeitern würden sämtliche übernommen –bis auf den einen oder anderen, der sich freiwillig etwas anderes suche. Auch am Erscheinungsbild der Geschäfte soll sich vorerst nichts ändern. Gleiches gilt für das ­Restaurant, das zur Fust-Filiale an der Freiestrasse gehört und sich am selben Standort befindet. «Es wird weiterhin gut­bürgerliche Küche geben», sagt Shalja. Nur der Koch wird ein ­anderer sein: Bislang hatte Klaus Fust nämlich auch diese Funktion inne. In Kilchberg habe ­seine Familie gute Erfahrungen mit einer Dorfbäckerei gemacht, sagt Egzon Shalja. Er glaubt ­daran, dass sich die Erfolgs­geschichte in Uster wiederholen kann.

Kein leichtes Pflaster

Ein leichtes Pflaster für eine kleinere Bäckerei sei die drittgrösste Stadt des Kantons indes nicht, sagt Klaus Fust. Er erzählt, wie sehr sich die Zeiten für Bäcker in Uster geändert hätten. «Früher war die Freiestrasse eine Einkaufsstrasse mit kleinen Läden. Das ist längst nicht mehr so», sagt er. Das Einkaufsverhalten der Leute habe sich verändert. Diese seien nicht mehr so oft zu Fuss unterwegs, es gebe weniger Laufkundschaft. Und die Sonntage seien nicht mehr dieselben: «Früher hatten wir volles Haus, wenn die Leute jeweils von der Messe kamen. Aber heute geht ja niemand mehr in die Kirche.» Als Fust im Dezember 2015 seine Filiale am Nüsslikreisel aufgab, beklagte er zudem, dass Sicherheitspfosten vor der Filiale montiert wurden. Diese hätten mobilen Kunden das Anhalten vor dem Laden vergällt. «Für kleine Geschäfte wird es in Uster sicher nicht ein­facher», sagt Fust.

Am Mittwochabend werden nun noch einmal die Turbo­örgeler (Fust bezeichnet sie als «Hausmusik») an der Freie­strasse aufspielen. Dann wird Klaus Fust die Welt des Backens hinter sich lassen. Wobei: So ganz stimmt das auch wieder nicht. In seinem Haus im Toggenburg gebe es einen Holzofen. «Dort werde ich sicher ab und zu einen Zopf machen», sagt Fust.

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