«Mein Workout ist auch eine Stadtführung»
Über Parkbänke hopsen, durch Unterführungen joggen, auf Spielplätzen Liegestützen machen: Bei der Sportart «Urban Fitness» nutzt man die Infrastruktur einer Stadt für eine Art Vita-Parcours. Sabine Zahn (45), die hauptberuflich als Einsatzleiterin bei der Rega arbeitet und nebenberuflich seit Längerem als Fitnesssinstruktorin tätig ist, hat die Trainingsform in Sydney entdeckt.
«Dort machen das über Mittag fast alle. Der Hype hat mich angesteckt», sagt sie. Seit April versucht sie, das Modell in Uster zu etablieren.
Es gibt heute zahlreiche Fitness-Angebote, unter anderem sogenannte City-Boot-Camps, bei welchen ebenfalls in Gruppen in der Stadt trainiert wird. Wieso soll man an Ihren Urban Fitness-Kursen teilnehmen?
Wenn es wärmer wird, haben viele Leute keine Lust mehr, in Fitnesstudios zu trainieren. Ich biete ein Training an, bei welchem man einerseits an der frischen Luft sein kann, andererseits aber die ganzheitlichen Kräftigungsübungen nicht zu kurz kommen, wie das bei vielen Outdoor- und Ausdauersportarten der Fall ist. Dass meine Kurse den City-Boot-Camps ähneln stimmt. Ich bin aber nicht so gnadenlos, bei mir werden die Leute nicht angebrüllt (lacht).
Wer in der Stadt trainiert, exponiert sich. Entspricht es einem Trend, vor Augen der Öffentlichkeit Sport zu treiben?
Das glaube ich nicht. Ich muss jeweils auf die Teilnehmer achten. Einige haben kein Problem damit, anderen ist es eher unangenehm, in einem vollen Stadtpark vor fremden Leuten Übungen zu machen. Der positive Nebeneffekt am Training in der Stadt ist, dass man immer wieder neue Sachen entdeckt, wenn man durch die Quartiere joggt. Ein Urban-Fitness Workout ist deshalb immer auch eine Stadtführung.
Wäre es nicht gesünder, im Wald zu trainieren?
Ich achte darauf, dass wir im Training nicht Hauptstrassen entlang joggen. Wir bewegen uns vor allem in den Quartieren. Dort ist die Luft nicht viel schlechter, als im Wald.
Sie führen einen Kurs lediglich einmal pro Woche durch. Erzielt man da überhaupt Fortschritte?
Ich sage immer, dass einmal trainieren besser ist, als überhaupt nichts zu machen. Aber klar, wenn man ehrgeizige sportliche Ziele hat, sollte man öfter Sport treiben. Mein Angebot richtet sich vor allem an berufstätige Leute, die eine sinnvolle sportliche Ergänzung suchen und nicht unbedingt ein Abo für ein Studio oder einen Kurs lösen wollen.
Was sind Ihre längerfristigen Ziele mit den Urban Fitness-Kursen?
Ich muss nicht unbedingt einen Brand etablieren. Und Geld zu verdienen steht nicht im Vordergrund. Es ist ein Pilotversuch. Mir macht diese Trainingsform Spass und wer mich begleiten will, soll das tun.
Urban Fitness
Sabine Zahn bietet das Urban-Fitness-Training seit April einmal pro Woche an. Trainiert wird auf dem Gebiet der Stadt Uster, eine Gruppe kann bis zu zehn Personen umfassen. Ein Workout dauert rund 50 Minuten und richtet sich gemäss Zahn an sämtliche interessierten Erwachsenen, unabhängig von ihrem sportlichen Niveau.
Auf dem Programm stehen Laufeinheiten, Übungen mit dem eigenen Körpergewicht sowie spielerische Sequenzen und Dehnübungen. Ein Training kostet die Teilnehmer fünf Franken. Startzeit und -ort sind der Website www.sabshine.ch zu entnehmen.