Party statt Amen in der Kirche
Sie darf kein Erotikzentrum werden und nicht an sektiererische Glaubensgemeinschaften vermietet werden. Ansonsten gab es für den Kauf der evangelisch-reformierten Kirche in Ebnat-Kappel keine Auflagen. 1965 hatten die beiden Toggenburger Gemeinden Ebnat und Kappel fusioniert – in beiden gab es eine reformierte Kirche. Vor ein paar Jahren beschloss die Reformierte Kirchgemeinde schliesslich, eine der beiden Kirchen zu veräussern. 2014 fand sie einen Käufer: André Keller aus Mönchaltorf. Er erwarb das Gotteshaus für 230 000 Franken.
Deutliches Ja trotz Kritik
Dass eine geweihte Kirche in private Hände gefallen ist, passte damals in der Kirchgemeinde Ebnat-Kappel nicht allen. «Ich bin selber nicht gläubig, aber ein braver Kirchensteuerzahler», sagt Keller. Die Kritik kann er weitgehend verstehen. «Für viele Familien ist diese Kirche ein Teil ihrer Geschichte, ihrer Tradition. Hier wurden Ehen geschlossen, Kinder getauft und Verstorbene verabschiedet.»
Am 30. März 2014 genehmigte die Kirchgemeindeversammlung eine Veräusserung der Kirche mit 170 Ja- zu 73 Nein-Stimmen. «Bei der Versammlung war ich nicht dabei», sagt Keller. «Ich rechnete damit, dass es eine sehr emotionale Abstimmung wird. Da wollte ich mit meiner Präsenz nicht noch Öl ins Feuer giessen.» Er habe aber im Vorfeld bei Informationsveranstaltungen sein Anliegen persönlich präsentiert. Dass das Ergebnis bei der Abstimmung schliesslich doch deutlich ausgefallen sei, sei sehr beruhigend gewesen. «Wäre es knapp ausgefallen, hätte ich die Kirche nicht gekauft. Ich wollte, dass eine grosse Mehrheit hinter mir steht.» Der Friedhof, der an die Kirche angrenzt, wird nach wie vor von der Gemeinde gepflegt.
Weiterhin kultureller Ort – nur anders genutzt
Keller hegte schon lange den Wunsch, einmal ein eigenes Theater zu besitzen. «Richtig auf der Suche nach einem Lokal war ich aber nicht», sagt er. Als er für die Betriebserweiterung eines Ablegers seiner Frike Group mit Sitz in Mönchaltorf ein Stück Land in Ebnat-Kappel erwarb, bot ihm der Verkäufer halb im Scherz auch noch die Kirche an. «Da dachte ich mir: Warum eigentlich nicht?»
Eigentlich wollte Keller das «Dömli», wie er die Kirche taufte, schon vor einem Jahr als Event-Lokal eröffnen. Es soll für unterschiedliche Anlässe wie Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Theater- oder Musicalvorstellungen zur Verfügung stehen. Auch für private Veranstaltungen kann man es mieten. «Eine Kirche ist ein kultureller Ort», sagt Keller. «Das soll sie auch in ihrer neuen Funktion bleiben, einfach etwas erweitert.»
Die Eröffnung verzögerte sich, da immer mehr unvorhergesehene Arbeiten dazukamen. «Wir mussten etwa den Boden verstärken, um den Kran, den wir zur Einstellung der Scheinwerfer brauchen, nutzen zu können.
Public Viewing denkbar
Keller glaubt an den Erfolg des «Dömli»-Konzepts. Obwohl er noch nicht viel Werbung gemacht habe, seien schon erste Anfragen eingegangen. «In dieser Dimension ist das Gebäude vielseitig einsetzbar», sagt er. «Vielleicht organisieren wir hier im Sommer sogar ein Public Viewing für die Fussball-EM.»