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Exodus in der Fischenthaler Schulpflege

Innerhalb zweier Monate gaben drei von fünf Mitgliedern der Schulpflege Fischenthal ihren Rücktritt bekannt – darunter auch Schulpräsident Matthias Gnehm. Er erklärt sich die Häufung durch Zufälle und gibt berufliche Gründe für seinen Rücktritt an.

Drei Entlassungsgesuche in zwei Monaten: Die Fischenthaler Schulpflegemitglieder laufen der Behörde davon. (Bild: Carole Fleischmann)

Exodus in der Fischenthaler Schulpflege

Der Schulpflege Fischenthal laufen die Mitglieder davon. Ende März gab der Gemeinderat Fischenthal bekannt, dass Schulpflegemitglied Michael Graf (parteilos) und Schulpräsident Matthias Gnehm (SVP) ein Gesuch um vorzeitige Entlassung aus dem Amt beim Bezirksrat in Hinwil eingereicht haben. Zwei Monate davor tat dies schon Marc Bölsterli (SVP). Dessen Gesuch wurde bereits angenommen, und er wurde aus der Schulpflege entlassen. Die gehäuften Rücktritte in den vergangenen Monaten sorgen für Gesprächsstoff. Was steckt hinter dem Exodus?

Landwirtschaftsbetrieb übernehmen

«Ich trete aus persönlichen und beruflichen Gründen zurück», sagt Schulpräsident Matthias Gnehm, der seit 2009 Mitglied der Schulpflege ist. «Ich habe die einmalige Chance, den Landwirtschaftsbetrieb meiner Schwiegereltern zu übernehmen.» Gnehm betreibt derzeit neben seinem Behördenamt noch einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb und arbeitet zudem Teilzeit in einer Zimmerei. «Die Belastung wäre zu gross, alles mit meinem Amt unter einen Hut zu bringen.» Klar hätte er noch zwei Jahre warten können, aber die Belastung wäre dann zu gross gewesen. «Ich wollte diese Entscheidung lieber jetzt treffen, wenn ich noch nicht überlastet bin. Daher kam der Rücktritt so kurzfristig.»

Rücktritt schweren Herzens

Gerne gibt Gnehm sein Amt aber nicht auf. «Ich habe schweren Herzens beschlossen, aufzuhören. Das Behördenamt lag und liegt mir noch immer am Herzen.» Der Rücktritt dränge jedoch nicht. «Es muss nicht von heute auf morgen sein. Es wäre ideal, wenn ich das Amt Ende Jahr niederlegen könnte», sagt der Schulpräsident und Gemeinderat.

Kommunikationsprobleme nicht entscheidend

Die Kommunikationspanne rund um die Verlegung von Schülern im Schulhaus Ried letzten November steht laut Gnehm nicht im Zusammenhang mit seinem Rücktritt. «Es ist ein rein persönlicher Entscheid. Ich gehe nicht wegen Streit und Kommunikationsschwierigkeiten.» Damals beteuerte der Gemeindepräsident Josef Gübeli (SVP) an einem Informationsanlass, er habe nicht die Absicht, Gibswiler Schüler nach Fischenthal zur Schule zu schicken. Kurz darauf zeigte eine veröffentlichte Anfrage der Schulpflege Fischenthal, dass diese genau dies im Sinn hatte. Der Vorfall führte dazu, dass sich Gübeli für die widersprüchliche Kommunikation im Namen des Gemeinderats entschuldigte.

Ein blöder Zeitpunkt

Dass es zu einem Doppelrücktritt kam, sei ein Zufall, sagt Gnehm. «Hätte ich das gewusst, hätte ich mein Gesuch später eingereicht.» Die Schulpflege scheint sich offenbar nicht abgesprochen zu haben. Von internen Kommunikationsproblemen will Gnehm aber nichts wissen. «Ich habe gemeinsam mit meiner Familie den Entscheid gefällt. Normalerweise ist es nicht üblich, einen Rücktritt vorgängig abzusprechen.» Gnehm gibt aber zu, dass es ein blöder Zeitpunkt sei.

Entscheid nächste Woche

Die Schulpflege könne aber weiterhin ihre Pflichten und Aufgaben erfüllen. «Wir sind nach wie vor vier Mitglieder. Der Bezirksrat wird dafür sorgen, dass die Behörde weiterhin ihre Geschäfte erledigen kann», sagt Gnehm. Er gehe davon aus, dass er so lang bleiben müsse, bis die Nachfolge geregelt sei. Der Bezirksrat wird seinen Entscheid dem Fischenthaler Gemeinderat, der Schulpflege sowie den Gesuchstellern voraussichtlich nächste Woche mitteilen. Der Gemeinderat hat bereits vermeldet, dass er nach der Verkündigung des Entscheids darüber befinden wird, ob das laufende Ersatzwahlverfahren von Marc Bölsterli abgebrochen und stattdessen für die gesamten Ersatzwahlen der Schulpflege eine neue Wahlanordnung eingeleitet wird.

 

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