Beach Club macht dicht
Stolz läuft Reto Wüest durch den Beach Club Hinwil. Seit 17 Jahren gehört er hier quasi zum Inventar. Angefangen hat er als Barkeeper, vor zehn Jahren wurde er Geschäftsführer. 2012 stieg er als Mitinhaber ein, vor einem Jahr kaufte er den Club zusammen mit zwei Freunden ganz. Und nun schliesst er ihn Anfang Juni. «Natürlich bin ich traurig. Aber ich höre im richtigen Moment auf. Ich hatte sensationelle Jahre hier und werde nur das Gute daraus mitnehmen», erzählt Wüest. Als Grund für die Schliessung gibt der 40-Jährige an, dass der Club nicht mehr rentabel sei. Er wolle aufhören, bevor er in die roten Zahlen rutsche. «Ein Club von dieser Grösse braucht mindestens 400 Leute pro Wochenende. Wir haben um die 300, an schlechten Tagen gerade mal 50.»
Zu wenig Publikum
Die Besucherzahlen seien konstant gesunken. Als vor zehn Jahren das Pirates öffnete, lief plötzlich der Donnerstag nicht mehr. Einen nächsten Einbruch habe es bei der Einführung des Rauchverbots gegeben. «Warum die Leute weiter ausblieben, darüber kann ich nur spekulieren. Wir waren ursprünglich ein House-Club, aber diese Szene bricht zusammen. Eine einzige Musikrichtung funktioniert heute sowieso nicht mehr.» Das Hauptproblem aber sieht Wüest bei den Parkplätzen. Die FBB Frischbeton und Baustoff AG wollte den Kiesplatz, den man dem Beach Club als Parkplatz zur Verfügung gestellt hatte, wieder zurück. Und dann fiel an der Wässeristrasse auch noch eine ganze Zeile weisser Parkplätze einer neuen Buslinie zum Opfer. «Das war der endgültige Todesstoss», resümiert Wüest.
Er habe zwar versucht, mit Musikstilen wie Hardcore und Goa neue Leute in den Club zu holen und zu diesem Zweck mit Veranstaltern zusammengearbeitet, die auf diese Partys spezialisiert sind und ihre eigene Stammkundschaft haben. So füllte man den Club immer mal wieder. «Aber um dies jedes Wochenende zu machen, finde ich schlicht zu wenig Veranstalter», erklärt Reto Wüest. Dass er als Geschäftsführer etwas falsch gemacht habe, glaubt er nicht: «Das ist einfach der Lauf der Zeit. Ich habe nicht versagt. Es wäre falsch, mir einen Vorwurf zu machen.» Die Schliessung des Clubs wurde bis jetzt nur auf Facebook kommuniziert. Aber die Resonanz war gross: «Am Tag der Bekanntmachung war mein Handy nonstop in Betrieb. Viele sind geschockt und finden es schade. Diese Reaktionen sind schön. Aber ich frage mich, warum sie dann nicht mehr gekommen sind.»
Kleine Hoffnung bleibt
Was für den Gastronomen nach dem Beach Club kommt, ist ungewiss. «Ich bin nicht auf Jobsuche. Ich will zuerst hier abschliessen und mir dann Zeit lassen, um zu sehen, wohin es mich trägt.» In der Gastronomie würde er gerne bleiben.
Dass es mit dem Beach Club unter anderem Namen weitergeht, ist nicht ganz ausgeschlossen. Wüest, der seit Jahren in Hinwil wohnt, wäre unter Umständen bereit, im Club weiterzumachen. «Wer weiss, vielleicht kommt einer und übernimmt das Ganze. In der Gastronomie ist alles möglich, und manchmal geht es ganz schnell.» Wirklich damit rechnen tut er nicht. In erster Linie ist Reto Wüest stolz, dass sein Partylokal überhaupt so lange überlebt hat. «Das ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit.»
Die letzte Party im Beach Club Hinwil findet am Samstag, 6. Juni 2015, statt. www.beach-club.ch