Politik

Seegfrörni: Erinnerung an die Eiszeit

Heute vor einem Jahr war das Eis auf dem Pfäffikersee so dick, dass es für die Bevölkerung freigegeben werden konnte. Dieses Jahr hingegen ist eine Seegfrörni undenkbar – der Winter war bislang zwar nicht unbedingt mild, aber zu wenig kalt für eine Seegfrörni.

Seegfrörni: Erinnerung an die Eiszeit

Nur alle paar Jahre ist der Winter genügend kalt, dass der Pfäffikersee und der Greifensee so stark zufrieren, dass das Eis begangen werden kann. Vor genau einem Jahr war es wieder einmal so weit – am Samstag, 11. Februar 2012, konnte der Pfäffikersee von den Behörden nach zahlreichen Messungen schliesslich freigegeben werden, erstmals wieder seit 2006. Die Eistage erst möglich gemacht hatte eine grundlegende Wetterumstellung Anfang Februar. Denn der Januar 2012 war noch überdurchschnittlich mild gewesen; in einer Westwindlage waren in regelmässigen Abständen ­Niederschlagszonen über die Schweiz hinweggezogen. Schnee hatte es in der Region aber nur in den höheren Lagen gegeben.

Anfang Februar dann war es, als ob jemand den Schalter umgelegt hätte – von einem Tag auf den anderen wechselte die Windrichtung auf Nordost. Dadurch wurden die eisig-kalten Luftmassen über Sibirien angezapft und ­direkt nach Mitteleuropa geführt. Das Thermometer erreichte in der Folge im Oberland auch tagsüber nur mehr Werte von minus zehn bis minus fünf Grad – laut SF Meteo gab es seit dem Jahr 1987 in der Schweiz keine Kältewelle von vergleichbarer Länge und ­Intensität.

Es braucht zwölf Zentimeter

Was noch Anfang Februar niemand für möglich gehalten hätte, war am 11. Fe­bruar Tatsache: Das Eis auf dem Pfäf­fikersee war dick genug, um es für die ­Bevölkerung freizugeben. Denn für den ­sicheren Spass auf dem See muss das Eis mindestens zwölf Zentimeter dick sein.

Eigentlich hofften die Behörden, nicht nur den Pfäffikersee, sondern auch den südlichen Teil des Greifensees zum Begehen freigeben zu können. Das ­allerdings war nicht möglich: Am Freitag, 10. Februar – notabene, während Arbeiter des Strasseninspektorats mit dem Abstecken der Eisfläche beschäftigt waren –, krachte es plötzlich, und im Eis tat sich ein grosser Riss auf. ­Damit musste der Eisplausch auf dem Greifensee verschoben werden. Immerhin reichte es für den Pfäffikersee.

Die Seegfrörni lockte am Wochenende vom 11. und 12. Februar rund 20’000 Personen auf den See. Die Anrainergemeinden Pfäffikon, Seegräben und Wetzikon hatten sich gut auf den Grossansturm vorbereitet. So wurden Wiesen in temporäre Parkfelder um­gewandelt, VZO-Extrabusse transportierten Tausende von Wetzikon nach Seegräben. Anders als 2006 war das Eis 2012 jedoch nicht tiefschwarz und schneefrei – wer mit Schlittschuhen über die Eisfläche gleiten wollte, musste sich gehörig anstrengen.

Greifensee zwei Tage offen

Am Mittwoch, 15. Februar, konnte dann trotz steigenden Temperaturen auch das südliche Ende des Greifensees frei­gegeben werden. Auch hier wurde ein ­Bus-Shuttle zum Seeufer in Niederuster ­eingerichtet. Allerdings dauerte der Spass nur kurze Zeit. Am Freitagabend, 17. Februar, wurden die Eisflächen sowohl auf dem Greifen- als auch auf dem Pfäffikersee abgesperrt. Das Tauwetter hatte dem Eis stark zugesetzt, es bestand die Gefahr von Spannungsrissen.

Nach der Eiszeit zogen die beiden ­Sicherheitschefs, Peter Hauser von Pfäffikon und Jörg Ganster von Uster, eine positive Bilanz. So sei 2012 im Vergleich zu 2006 deutlich weniger Abfall auf dem See und am Ufer zurückgelassen worden. «Nach der Seegfrörni ist vor der Seegfrörni», sagt Hauser heute im Rückblick auf den letzten Winter. An einer Abschlusssitzung habe man Optimierungen besprochen. Gut wäre es etwa, von Anfang an Bahnen für die Schlittschuhläufer zu pfaden. Sie kämen dann noch besser vorwärts, und auch die Orientierung aller anderen auf dem See wäre besser.

Die Nachbearbeitung einer Seegfrörni gestaltet sich für die Behörden jeweils umfangreich. Es gelte, so Hauser, Rechnungen zu sammeln, etwa die der Rettungsorganisationen, und Rechnungen zu verschicken, zum Beispiel an die Betreiber der Verkaufsstände. Erst Monate später sei die Schlussabrechnung fertig geworden. 2012 lautete sie auf 160’000 Franken. Der Betrag wird unter den drei Seeanstössergemeinden aufgeteilt. Die Gemeinderäte hätten, so Hauser, einen Verteilschlüssel fest­gelegt, der sich an der Anzahl im­matrikulierter Boote orientiert: Pfäffikon übernimmt 44 Prozent, Wetzikon 39 Prozent und Seegräben 17 Prozent. «Die Seegfrörni ist mein Job, dann werden alle Register gezogen», antwortet er auf die Frage, ob er froh sei, dass es diesen Winter keine gibt. Für die Be­sucher aber sei es spannender, wenn der See nicht jeden Winter zufriere.

Leider ein kurzes Vergnügen

Jörg Ganster bedauert im Rückblick, dass der Greifensee nur so kurz freigegeben werden konnte. «Der Aufwand ist jeweils beträchtlich», gibt er zu bedenken, aber man würde ihn gegebenenfalls gerne wieder leisten. Es könnte ja sein, dass 2012 der obere Greifensee für lange Zeit zum letzten Mal zugefroren war. Welch gute Erinnerungen eine Seegfrörni hinterlasse, sehe man zurzeit am 50. Jahrestag der Zürichsee-Gfrörni von 1963. Diesen Winter fällt der Zusatzaufwand weg. Dies erlaubt es Ganster, planbare Projekte ruhig und konstant anzugehen. Aber: «Im Sicherheitsbereich lebt man damit, dass manche Tage anders enden als geplant.»

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