Politik

Das Ende einer Ära

Nach 39 Jahren an der Spitze seines Unternehmens hat der Gärtner und Unternehmer Helmut Waffenschmidt aus Russikon am Montag sein Lebenswerk an die nächste Generation übergeben. Von Ruhestand kann aber keine Rede sein.

Helmut Waffenschmidt übergibt das Gartencenter Waffenschmidt an seine Söhne Hannes und Jonas (links). Links daneben Mutter Margrit. Der Notenschlüssel im Vordergrund ist der symbolisch übergebene "Schlüssel". (Foto: Seraina Boner), Helmut Waffenschmidt übergibt das Gartencenter Waffenschmidt an seine Söhne Hannes und Jonas. (Foto: Seraina Boner), Helmut Waffenschmidt übergibt das Gartencenter Waffenschmidt an seine Söhne Hannes und Jonas. (Foto: Seraina Boner), Helmut Waffenschmidt übergibt das Gartencenter Waffenschmidt an seine Söhne Hannes und Jonas. (Foto: Seraina Boner), Per 1. Mai 2018 übernehmen die Brüder Jonas (links) und Hannes Waffenschmidt die Gärtnerei Waffenschmidt in Russikon. (Foto: Seraina Boner)

Das Ende einer Ära

Es ist das Ende einer Ära. 39 Jahre lang führte Helmut Waffenschmidt sein Gartencenter in Russikon. Jetzt tritt er kürzer. Am Montag übergab der 67-Jährige sein Lebenswerk offiziell an seine beiden Söhne Jonas und Hannes. «Es bedeutet mir viel, dass die Gärtnerei in der Familie bleibt», sagt er. 

Wie wichtig die Familie für Waffenschmidt ist, verrät ein Blick in sein Büro. Der Raum ist voller Erinnerungsstücke an die lange Geschichte der Gärtnerdynastie. Bereits sein Grossvater war Gärtner. Auf der «Walz» gelangte er ins Sudetenland und gründete dort eine grosse Gärtnerei. Ein Ölgemälde an der Wand des Büros zeigt den damaligen Betrieb mit Gewächshäusern, gepflegten Beeten und einer Villa. 

Helmut Waffenschmidt verweist auf die Jahreszahl: 1931. «Mein Grossvater gründete sein Unternehmen im Alter von 20 Jahren. Das Bild zeigt den Betrieb, nachdem er 31 Jahre dort gewirkt hat», sagt er voller Bewunderung für die Tatkraft seines Vorfahren. Dieser kehrte nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebener mit seiner Familie mittellos in die Schweiz zurück. Der Betrieb wurde nach dem Krieg vom tschechischen Staat konfisziert. 

Giesskanne statt Zählrahmen

1960 legten Waffenschmidts Eltern neben der Kirche von Russikon den Grundstein für das heutige Unternehmen. «Als ich jung war, wollte ich eigentlich Pfarrer werden», erinnert sich Helmut. Aber das Gymnasium lag für ihn nicht drin – «Ich war einfach nicht gut genug im Dreisatzrechnen», sagt er.

Vor und nach der Schule musste er in der elterlichen Gärtnerei mit anpacken. «Meine Eltern haben den Betrieb in Russikon unter Entbehrungen aufgebaut». Deshalb habe er sich entschieden, die Firma zu übernehmen, denn: «Heimat ist da, wo man seine Jugendjahre verbracht hat», sagt Waffenschmidt. 1979 trat er mit seiner Frau Margrit die Nachfolge im Unternehmen an. 

Es soll allen gut gehen im Betrieb

In den folgenden knapp vier Jahrzehnten haben sie viel zusammen aufgebaut. «So ein Imperium wie mein Grossvater wollte ich aber nie errichten», erklärt Waffenschmidt seine Unternehmensphilosophie. Sein wichtigstes Ziel sei es immer gewesen, dass es im Betrieb «allen gut geht», den Mitarbeitenden ebenso wie der Familie. 

Von seinem Fachwissen konnten nicht nur die Kunden seiner Gärtnerei profitieren. Anfang der 1990er-Jahren moderierte Helmut Waffenschmidt beim Schweizer Fernsehen die Gartensendung «De grüen Tuume», in der er den Zuschauern Tipps und Tricks vermittelt. 

Neuausrichtung dank Ausbau

Seine heutige Form erhielt das Gartencenter Waffenschmidt in Russikon erst vor wenigen Jahren. 2012 liessen sie die alte Gärtnerei abbrechen und durch einen Neubau ersetzen. So entstand nicht nur ein modernes Gartencenter mit 30 Arbeits- und Lehrlingsplätzen, sondern dank der Partnerschaft mit dem «Ehriker-Beck», einer Bäckerei mit Café im Hauptgebäude, ein Treffpunkt für die Leute aus dem Dorf.

Auch kulturell bereichert die Waffenschmidts seit dem Neubau die Umgebung. Das zentrale Glasgewächshaus vermarkten sie als Eventhalle und organisieren darin regelmässig kulturelle Anlässe. Auch dabei arbeiten sie mit Hanna und Andreas Hofer, vom«Ehriker-Beck» zusammen. 

Ein Versprechen eingelöst

In seinem Unternehmen hat Helmut Waffenschmidt auch etwas umgesetzt, dass er sich schon als Lehrling vorgenommen hatte. Seine «Stifti» macht er in der Fremde – in Offenburg in Deutschland. Dort habe ihn der Lehrmeister jeweils mit Velo und Anhänger zu Kunden geschickt, die riesige Freude an dem «jungen Helmut aus der Schweiz» gehabt hätten.

Dabei lernte er unter andrem eine Frau kennen, die im Rollstuhl in einem engen Büro arbeiten musste. Sie habe ihn ins Herz geschlossen und immer Tee und Kekse für ihn bereitgehalten, wenn er die Blumenarrangements in ihrem Büro erneuerte. «Beim Abschied sind uns beiden die Tränen gekommen», erinnert sich Waffenschmidt. «Nach diesem Abschied ging ich nochmals zurück und sagte ihr, dass ich mich später für Menschen im Rollstuhl einsetzen werde.»

Beim Neubau seiner Gärtnerei liess er darum auch ein Gebäude mit alters- und behindertengerechten Wohnungen errichten. Im Betrieb der Waffenschmidts arbeiten zudem seit 1980 Menschen mit Beeinträchtigung mit. 

Cervelat braten mit Enkeln

Die Leitung des Betriebs hat er nun offiziell an seine Söhne abgegeben. «Doch von Ruhestand kann keine Rede sein», sagt Waffenschmidt. Er und seine Frau freuten sich darauf, endlich mehr Zeit mit den vier Enkeln verbringen zu können. «Wir wollen mit ihnen singen, Reisli machen, Cervelat braten und sie abends ‘stinkend’ wieder bei den Eltern abgeben».

Dabei will er den Kleinen auch die interessante Geschichte der Familie Waffenschmidt mit ihren verschiedenen geographischen Stationen erklären. «Ich will ihnen zeigen wo Neustadt an der Weinstrasse liegt, wo die Waffenschmidts ursprünglich herkommen und dass ihr Urgrosi aus Elm und Ur-Urgrossmutter Lina Wettstein aus Madetswil stammte. 

Christina Peege

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