Wegen ewiger Baustelle: Restaurant Werkstatt 6 bittet um Hilfe
Gastro-Sterben
Seit anderthalb Jahren wird die Ortsdurchfahrt in Gossau saniert – mit massiven Auswirkungen auf das umliegende Gewerbe. Weil der Umsatz massiv eingebrochen ist, haben die Betreiber der «Werkstatt 6» einen Spendenaufruf gestartet.
Noch vor wenigen Wochen stand das Restaurant Werkstatt 6 in Gossau vor einer schwierigen Entscheidung: Nochmals Geld investieren oder den Betrieb aufgeben? «Ich habe es nicht übers Herz gebracht, zu schliessen», sagt Mitinhaber Andy Gröbli.
Nun versucht das Restaurant, mit einem Crowdfunding seine Zukunft zu sichern. Hintergrund ist die Grossbaustelle an der Grütstrasse, die seit Januar 2025 das Dorfzentrum prägt und den Betrieb stark belastet.
«Der Durchgangsverkehr ist massiv zurückgegangen. Das ist sicher nicht hilfreich», sagt Gröbli. Besonders der Abendumsatz sei eingebrochen. «Seit drei Monaten ist es eine Katastrophe.»
Eigentümer schiessen selbst Geld ein
Um den Betrieb aufrechtzuerhalten, haben die Eigentümer bereits 90’000 Franken in den Betrieb gesteckt – aus privaten Mitteln. «Ausserdem zahle ich mir schon länger keinen Lohn mehr aus», sagt Gröbli. Mit dem Crowdfunding wolle man wieder etwas finanzielle Substanz schaffen. «Wir haben den Betrieb einigermassen stabilisiert. Wir müssen aber dringend etwas Kapital aufbauen, damit wir die nächsten sechs Monate überhaupt überstehen.»
Die Sanierung der Grütstrasse zwischen den Kreiseln Mönchaltorferstrasse und Laufenbachstrasse begann im Januar 2025. Das Projekt umfasst die Erneuerung der Kantonsstrasse, den hochwassersicheren Ausbau des Gossauerbach-Durchlasses sowie Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr und Massnahmen gegen den Verkehrslärm. Nach aktuellem Stand sollen die Bauarbeiten Ende 2026 abgeschlossen werden, der Deckbelag folgt im Frühling 2027.

Für viele Gewerbetreibende bedeutet die Baustelle jedoch lange Umwege und ausbleibende Kundschaft. «Man muss einen Riesenumweg fahren, um zu uns zu gelangen», sagt Gröbli. Zudem seien die Umleitungen aus seiner Sicht katastrophal von der Gemeinde signalisiert worden.
Keine Unterstützung durch Gemeinde und Kanton
Auf finanzielle Entschädigung hofft der Gastronom kaum. Zwar habe er sich bei der Gemeinde nach Unterstützung erkundigt, doch weil sich sein Betrieb nicht im unmittelbaren Bauperimeter befinde, seien Entschädigungen praktisch ausgeschlossen.
«Es gibt in der Schweiz Tausende Gerichtsverfahren zu ähnlichen Fällen», sagt Gröbli. Eine Kostenübernahme werde nur in Ausnahmefällen bewilligt und müsse sehr detailliert begründet werden.
Für Gröbli ist klar, dass die Auswirkungen weit über sein Restaurant hinausgehen. «Das ganze Dorf leidet massiv darunter.» Gleichzeitig betont er, dass die Gastronomie schon vor der Baustelle unter Druck gestanden hat. Die Corona-Pandemie und deren finanzielle Folgen seien ebenfalls noch spürbar.
Trotzdem will er weiterkämpfen. Doch viele Anwohner hätten sich bereits umorientiert. «Der Treffpunkt der Leute verlagert sich gerade an andere Orte.»
