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Technologietransfer in Dübendorf

Die Empa macht Tüftler zu Unternehmern

An der Empa in Dübendorf forschen hunderte Wissenschaftler. Damit ihre Erfindungen nicht nur im Labor bleiben, bietet ihnen ein Expertenteam Unterstützung. Denn eine Produktidee marktfertig zu machen, ist alles andere als einfach.

Die Empa ist ein Hotspot für Innovation. Damit diese es auch in die Industrie schafft, arbeitet ein ganzes Team am sogenannten Technologietransfer.

Foto: Fiorella Koch

Die Empa macht Tüftler zu Unternehmern

An der Empa in Dübendorf forschen Hunderte Wissenschaftler. Damit ihre Erfindungen nicht nur im Labor bleiben, bietet ihnen ein Expertenteam Unterstützung. Denn eine Produktidee marktfertig zu machen, ist alles andere als einfach.

An der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in Dübendorf versammelt sich eine beachtliche Anzahl von Nerds, Technikfreaks und Tüftlern. Sie vereinen ihre diversen wissenschaftlichen Hintergründe und forschen zusammen zu Materialien und Technologien.

Wer mit ihnen spricht, falsch, wer ihrem Redefluss zuhört, spürt ihre Begeisterung für ihre technische Nische. Und auch wenn sie ihr Fach wie ihre Westentasche kennen und verstehen, kann es eine Herausforderung sein, ihre Erfindung erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Erfinden ist nicht gleich Vermitteln

«Es ist schwierig, aus Forschern und Tüftlern Unternehmer zu machen», sagt Mario Jenni, der Leiter des Start-up-Inkubators Glatec. «Sie kennen ihre Erfindung wie niemand anderes. Aber diese in der Wirtschaft erfolgreich zu vermarkten, ist ihnen oft fremd.» Auch Marlen Müller, eine Führungsperson bei der Empa, kennt das Problem gut: «Forschende interessieren sich für spannende Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die Erkenntnisgewinn versprechen. Aber in der Wirtschaft gelten andere Rahmenbedingungen: Für eine Erfindung muss erstens eine Nachfrage vorhanden sein. Zweitens muss sich eine Investition finanziell lohnen.»

Mario Jenni und Marlen Müller arbeiten beide an der Empa im Bereich Wissens- und Technologietransfer. Müller als Hauptverantwortliche erklärt es so: «Das Ziel meines Teams ist es, die Forschungsergebnisse aus den Laboratorien der Empa in die Industrie zu überführen.» Das geschehe über direkte Zusammenarbeit mit Unternehmen oder durch die Gründung von Spin-offs durch Forschende. Bei Letzteren unterstützt sie Jenni mit Glatec, der die Jungunternehmen auf dem Weg zur Unabhängigkeit begleitet.

Erfolgreich umgesetzte Projekte des Technologietransfer-Bereichs

Koster AG Holzwelten hat gemeinsam mit der Empa ein Verfahren entwickelt, das einheimisches Holz durch kontrollierte Pilzkultivierung zu dekorativem Marmorholz für hochwertige Design- und Innenausbauanwendungen veredelt.

Aldena Therapeutics entwickelte gemeinsam mit der Empa eine Technologie auf Basis von Nanokeramikpartikeln, die Wirkstoffe gezielt durch die Haut transportieren und neue Behandlungsmöglichkeiten für chronische Hautkrankheiten eröffnen soll.

Carbo-Link, ein Empa-Spin-off aus Fehraltorf, entwickelt Carbon-Zugglieder für Brückenbauwerke, die Stahlseile ersetzen und Material- sowie CO2-Einsparungen ermöglichen.

Müller und ihr Team betreuen im Jahr rund 200 Projekte mit der Industrie. Die Projektpartner sind überwiegend kleinere oder mittlere Unternehmen aus der Schweiz. «Es ist unsere Ziel, mit den Innovationen der Empa die Schweizer Wirtschaft zu unterstützen. Das ist neben Forschung und Lehre unser wichtigster Fokus», so Müller. Die Schweizer Wettbewerbsfähigkeit und die Innovationskraft der hiesigen Industrie sollen so gestärkt werden.

Die Schnittstelle von Wirtschaft und Forschung

Der Transfer von Forschung in die Praxis erfolgt auf verschiedenen Wegen. Der häufigste ist das Einbinden von Empa-Forschungsergebnissen in bestehende Produkte oder Prozesse aus der Industrie. Müller erklärt: «Entweder kommen Unternehmen mit einer Idee für ein Forschungsprojekt auf die Empa zu. Oder Forschende der Empa suchen für ihre Idee über unsere Netzwerke einen passenden Projektpartner in der Industrie.»

Zwei Frauen vor einem Logo.
Marlen Müller (rechts) und ihre Teamkollegin Katharina Zwicky unterstützen Empa-Forschende beim Technologietransfer.

Sie nennt zwei Beispiele. «Ein Storenhersteller hat mit der Empa eine nachhaltige Beschichtung für Storenbänder entwickelt, die sich wesentlich umweltfreundlicher produzieren lassen. Oder ein Garn- und ein Seilhersteller haben zusammen mit der Empa ein Beschichtungsverfahren entwickelt, um Seilen, Outdoor- und Schutzbekleidung ohne den Einsatz von PFAS wasserabweisende Eigenschaften zu verleihen.»

Ein weiterer Weg zum Ziel sei der Schutz von Forschungsergebnissen durch Patente. «Wenn Forschende ihre Erfindung patentieren lassen wollen, unterstützen wir sie dabei, einen Abnehmer in der Industrie dafür zu finden.»

Flughilfe für unternehmerische Anfänger

Es gibt hingegen auch Forscher, die den Schritt in die Industrie selbst wagen wollen. Mario Jenni sagt: «Das sind pro Jahr etwa vier Teams, die ein Spin-off gründen.» Damit das klappt, bieten er und sein Team mit Glatec professionelle Begleitung, Zugang zu günstiger Infrastruktur oder attraktive Darlehen an.

Mario Jenni sitzt auf einem Stuhl.
Mario Jenni führt den Start-up-Inkubator Glatec. Der Verein konnte schon viele Jungunternehmen auf die Wirtschaftswelt vorbereiten.

Mitglieder des Glatec-Vereins sind die Empa, das Wasserforschungsinstitut Eawag, die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL, die Standortförderung des Kantons Zürich sowie die Städte Zürich, Dübendorf und das Wirtschaftsnetzwerk Flughafenregion Zürich.

Seit einigen Jahren bietet die Empa ein sogenanntes Fellowship-Programm an. Es unterstützt Empa-Forschende ein Jahr lang finanziell, damit sie Forschungsergebnisse in kommerzielle Anwendungen überführen können. Nach Abschluss werden die Empa-Spin-offs durch das Glatec weiter betreut.

Eine Bleibe für junge Unternehmer

So ist es auch bei dem jungen Spin-off Firedrone der Fall. Diese Zeitung berichtete darüber. Jenni erklärt, die Exklusivrechte zur Nutzung der Technologie würden von der Empa an das Jungunternehmen lizenziert. Und weil die Drohne noch nicht marktfertig ist, hilft er Mitgründer David Häusermann bei der Suche nach einer passenden Halle auf dem Empa-Areal für die Weiterentwicklung.

«Das Glatec ermöglicht die Miete von Empa-Forschungsgebäuden für die Hälfte des Mietzinses im ersten Jahr, für drei Viertel im zweiten und so weiter», erklärt Jenni. «Die Spin-offs bleiben drei bis fünf Jahre bei uns, bis sie den Absprung schaffen.» Häusermann ist dankbar für die Hilfe: «Die Unterstützung von Glatec ist unglaublich wertvoll. Sie gibt uns Sicherheit und die Möglichkeit, uns voll auf unser Unternehmen zu konzentrieren.»

Das Start-up Viboo ist ein weiteres Jungunternehmen, das vom Angebot der günstigen Räumlichkeiten profitiert. Das Team entwickelte eine Software, die durch Algorithmen eine energiesparendere Steuerung von Gebäudeheizung und -kühlung ermöglicht. Seit vier Jahren ist es nun im Nest, einem modularen Forschungs- und Innovationsgebäude, eingemietet und konnte bereits ein Team von rund zwei Dutzend Mitarbeitern aufbauen.

Eine Frau posiert vor einem Logo.
Julie Vienne arbeitet in der Führung des Spin-offs Viboo. Das junge Unternehmen profitiert von seinem Standort im Empa-Gebäude.

«Das Nest eignet sich perfekt für die Entwicklung unseres Unternehmens», sagt die operative Geschäftsführerin Julie Vienne. «Wir können unsere Software an diesem Gebäude testen, da es genau auf solche Innovationen ausgelegt wurde.»

Ein nötiger Perspektivenwechsel

Auch Businessplan-Coachings bietet Glatec an. Diese Beratung sei oft auch nötig, so Jenni. «Jungen Unternehmern fehlt es vielfach an Marktsicht. Wir bringen ihnen bei, ihr Unternehmen zu organisieren und potenziellen Investoren vorzustellen.»

Abdessalem Aribia ist Mitgründer des Spin-offs BTRY, das ultradünne Festkörperbatterien entwickelt. Er ergänzt: «Vor der Firmengründung war uns das Konzept eines Pitchs – einer Präsentation für Investoren – fremd. Mario Jenni musste uns auch den Unterschied zwischen einer AG und einer GmbH erklären.»

Als promovierter Chemiker verstehe er sein Fach gut, mit Unternehmertum habe er sich zu Beginn aber noch weniger ausgekannt. «Der Sichtwechsel ist ein Prozess.»

Seit der Gründung vor 18 Jahren hat Jenni mit seinem Team rund 60 Start-ups geholfen, flügge zu werden. «Glatec erhöht ihre Überlebenschancen», sagt er. «Deshalb ist dieser Inkubator nötig, auch damit Schweizer Innovationen nicht wegen fehlender Perspektiven ins Ausland abwandern.»

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