Abo

Wirtschaft

ZO Medien AG

Der Konjunktiv trübt ein erfolgreiches Geschäftsjahr

Die Zürcher Oberland Medien AG hat ihr Geschäftsergebnis erneut verbessern können. 2025 gab es wieder einen Betriebsgewinn, aber die Zeiten bleiben herausfordernd.

Die Anträge des Verwaltungsrats der Zürcher Oberland Medien AG wurden allesamt mit grossem Mehr abgesegnet.

Foto: Simon Grässle

Der Konjunktiv trübt ein erfolgreiches Geschäftsjahr

ZO Medien AG

Die Zürcher Oberland Medien AG hat ihr Geschäftsergebnis erneut verbessern können. 2025 gab es wieder einen Betriebsgewinn, aber die Zeiten bleiben herausfordernd.

Die Zeiten für Medienhäuser bleiben schwierig: Das vergangene Jahr war geprägt von Restrukturierungen in grossen Verlagen, von Stilllegungen von Print- und Onlinemedien und von weiterhin rückläufigen Erträgen im Werbemarkt.

In einer Zeit, in der die Anzahl von Printmedien konstant zurückgehe, sei man «stolz, als eigenständiger Verlag eine von noch 91 Tageszeitungen in der Schweiz zu produzieren», sagte Verwaltungsratspräsidentin Karin Lenzlinger am Freitagabend an der Generalversammlung der Zürcher Oberland Medien AG.

Das Wetziker Medienhaus, zu dem auch ZO-Online gehört, erwirtschaftete im vergangenen Jahr ein beachtliches Ergebnis. Hatte man 2024 die angestrebte «schwarze Null» auf Stufe Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) mit einem winzigen Minus von 9000 Franken noch haarscharf verpasst, konnte CEO Ralph Brechlin für 2025 wieder einen Betriebsgewinn bekannt geben – den ersten seit 2022.

Insgesamt erwirtschaftete die Zürcher Oberland Medien AG im Geschäftsjahr 2025 einen betrieblichen Ertrag von 15,827 Millionen Franken (–6,5 Prozent). Der Betriebsaufwand sank gar um 8 Prozent auf 15,572 Millionen, was in der Summe einen Betriebsgewinn von 255’000 Franken ergibt. Beim Cashflow wurde das ambitionierte Ziel von einer Million Franken erreicht, eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr.

«Die Entwicklung stimmt», sagte Brechlin den knapp 100 anwesenden Aktionären im Garten-Center Meier in Dürnten: «Wir haben eine gute Basis, auf der wir Geld verdienen und Cashflow generieren, um in unser Kerngeschäft zu investieren.» Um dieses Kerngeschäft zu illustrieren, verwies der CEO auf den sogenannten Purpose oder Daseinszweck des Unternehmens: «Die ZO Medien schaffen Identität, informieren und vernetzen die Region. Sie tragen aktiv zu einer unabhängigen Meinungsbildung bei.»

Ralph Brechlin spricht vor Aktionären der Zürcher Oberland Medien AG. Er trägt ein offenes weisses Hemd zum dunklen Anzug und spricht durch ein Headset.
CEO Ralph Brechlin konnte einen Betriebsgewinn von 255'000 Franken und einen Cashflow von einer Million bekannt geben.

Nach dem minimalen Verlust im Vorjahr gibt es also wieder schwarze Zahlen. Und diese sollen – um beim Bild zu bleiben – in den nächsten Jahren noch dunkler werden: Denn im Geschäftsjahr 2025 wurden auf strategischer Ebene verschiedene Weichen gestellt, deren Auswirkungen in den nächsten Jahren spürbar werden.

Neuer Mantelteil, neue Druckerei

Ein Meilenstein war die Umstellung des überregionalen Mantelteils im zweiten Zeitungsbund vom ZO/AvU: Seit Anfang Jahr wird dieser von der nationalen Nachrichtenagentur Keystone-SDA produziert. Dieser Wechsel bringt tiefere Beschaffungskosten und stärkt gleichzeitig die publizistische Qualität.

Gleichzeitig wechselte auch die Druckerei, nachdem die TX Group die Schliessung ihrer Druckerei in Zürich angekündigt hatte. Seit Anfang Januar werden alle Printprodukte – die Tageszeitungen, die drei «Regio»-Ausgaben und der «Glattaler» – von der Somedia Partner AG in Haag im St. Galler Rheintal gedruckt. Dort steht die derzeit modernste Zeitungsdruckmaschine Europas.

Die Zugpferde im Portfolio sind nach wie vor die beiden Tageszeitungen, obgleich mit rückläufigen Erlösen. Ein intensiviertes Abo-Marketing soll die Abonnentenzahlen im Print stabilisieren und bei den E-Paper-Abos schneller erhöhen. Bei den digitalen Medien konnte der Deckungsbeitrag dank striktem Kostenmanagement deutlich verbessert werden.

Gut angelassen hat sich das Jahr 2026: Im ersten Quartal lag der Inserateumsatz in jedem Monat über Vorjahr und Budget, und auch die Abo-Zahlen entwickeln sich besser als erwartet. «Sensationell» sei man ins Jahr gestartet, sagte Brechlin.

Sondereffekte trüben das Bild

Neben dem Mediengeschäft entwickelt sich auch das ZO-Haus in Wetzikon positiv. Es ist mittlerweile fast komplett vermietet. Der Liegenschaftsertrag konnte gesteigert werden, und der Liegenschaftsaufwand reduzierte sich dank einer deutlichen Reduktion von baulichen Nachbesserungen.

Alles in bester Ordnung also? Nicht ganz. Denn unter dem Strich resultierte trotz allem auch im Geschäftsjahr 2025 ein Jahresverlust von 79’000 Franken (Vorjahr: 272’000 Franken). Der Grund dafür liegt in einem Rechtsfall, der einige Jahre zurückliegt.

Das Wetziker Medienhaus musste im dritten Quartal eine nicht geplante Rückstellung von mehr als 800’000 Franken vornehmen, um sich auf einen potenziellen Schaden vorzubereiten. Das drückte das Jahresergebnis ins Minus. «Wäre dieser Sondereffekt nicht gewesen, hätten wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt», griff Karin Lenzlinger an ihrer zehnten Generalversammlung als Verwaltungsratspräsidentin zum Konjunktiv.

Karin Lenzlinger, Verwaltungsratspräsidentin der ZO Medien AG: Sie trägt ein Kleid in Weiss und Rosa und spricht hinter einem Stehpult. Im Hintergrund sind Holzkisten mit Pflanzen zu sehen.
Karin Lenzlinger führte zum zehnten Mal durch eine Generalversammlung der ZO Medien AG.

Entsprechend verzichtet der Verwaltungsrat auf die Ausschüttung einer Dividende. Vor einem Jahr waren es noch 15 Franken pro Aktie gewesen. Wie bei jedem Traktandum folgten die Aktionäre auch hier mit grossem Mehr dem Antrag des Verwaltungsrats, wenn auch teilweise mit vernehmbarem Murren. «Wir schütten dann aus, wenn es etwas auszuschütten gibt», versprach Karin Lenzlinger. Das sollte schon in einem Jahr wieder der Fall sein.

«Verifiziert, sachlich, neutral»

Seit der Ausgabe vom 3. Januar 2026 bezieht der «Zürcher Oberländer»/«Anzeiger von Uster» den überregionalen Mantelteil von Keystone-SDA. An der Generalversammlung stellten ZO-Chefredaktor Michael Kaspar und Sandro Mühlebach, stellvertretender Chefredaktor der nationalen Nachrichtenagentur, die neue Zusammenarbeit vor.

Zwei Männer referieren in einem Saal mit Menschen. Einer trägt ein Headset, der andere ein Handmikrofon. Im Hintergrund sind bepflanzte Holzkisten zu sehen.
ZO-Chefredaktor Michael Kaspar (rechts) und Sandro Mühlebach, stellvertretender Chefredaktor der Agentur Keystone-SDA, stellten den Aktionären die im Januar gestartete Zusammenarbeit vor.

Die Agentur, die aus der Fusion der Bildagentur Keystone mit der früheren Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) hervorgegangen ist, beliefert aktuell drei Tageszeitungen mit einem Mantelteil, darunter den ZO/AvU.

Es sei eine grosse Umstellung gewesen, nicht mehr einfach nur Bilder und Texte zu liefern, sondern ganze Seiten zu gestalten und Ausgaben zu planen, bekannte Mühlebach. Man habe dafür ein Produktionsteam angestellt und die internen Abläufe auf das neue Angebot angepasst.

«Nachrichten sind nach wie vor unser Kerngeschäft und unsere DNA. Aber das reicht heute nicht mehr», sagte Mühlebach. Die Rechnung ist simpel: Wenn Zeitungen verschwinden, schwinden auch die Erträge der Agentur. Zuletzt ist die «Blick»-Gruppe abgesprungen und verzichtet seit April auf den deutschsprachigen Basisdienst von Keystone-SDA.

Mittlerweile sei die künstliche Intelligenz in der Lage, Nachrichtentexte zu verfassen. «Als Agentur müssen wir mehr bieten, wenn wir überleben wollen.» Mehr bieten will Mühlebach auch den Leserinnen und Lesern von ZO und AvU: «Wir versuchen stetig, uns zu verbessern. Wir werden mehr Zürich-Beiträge liefern und allgemein unseren Output hochfahren.» Keystone-SDA stehe für verifizierte, sachliche, vertrauenswürdige und neutrale Berichterstattung: «Bei uns schreibt niemand einfach etwas ab, ohne es vorher zu verifizieren.»

Nicht nur von Michael Kaspar kamen Fragen, auch die Aktionäre beteiligten sich an der Diskussion. So wollte ein Aktionär wissen, aus welcher politischen Ecke Keystone-SDA berichte. «Aus keiner», lautete Mühlebachs Antwort: «Als Agentur ist es unsere Raison d’être, keiner politischen Strömung anzugehören.» Man bediene Kunden von «Wochenzeitung» bis «Weltwoche»: «Man erhält von uns Analysen und Einordnungen, aber sicher keine Kommentare.» (sco)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.