«Gut möglich, dass die Preise in den nächsten zehn Jahren um weitere 30 Prozent steigen»
Interview mit Donato Scognamiglio
Donato Scognamiglio ist VR-Präsident des Immobiliendienstleisters IAZI, auf dessen Daten der Eigenheimindex der Bank Avera fusst. Der EVP-Kantonsrat sieht auch nach Jahren des Immobilienbooms keine Anzeichen, die auf eine Abkühlung hindeuten.
Herr Scognamiglio, widersprechen Sie mir, wenn ich behaupte, dass man sich heute im Kanton Zürich nur noch ein Haus leisten kann, wenn man schon eines hat?
Donato Scognamiglio, Verwaltungsratspräsident IAZI und Bank Avera: Es hilft sicher, wenn man ein Haus verkaufen kann, um in ein neues zu investieren. Der Durchschnittspreis für ein Einfamilienhaus im Kanton Zürich liegt aktuell bei 1,75 Millionen Franken, und wir reden hier nicht vom rechten Zürichseeufer. Das ist aus eigenen Ersparnissen kaum zu stemmen. Ein Erbvorbezug kann ebenfalls helfen – vorausgesetzt, es ist etwas da zum Erben. Oder man muss halt weitere Wege in Kauf nehmen, in die Peripherie ziehen und weiter pendeln.
2025 sind die Preise für Wohneigentum im Kanton Zürich erneut um 4 Prozent gestiegen. Sehen Sie ein Ende dieser Entwicklung?
Darauf warte ich seit 30 Jahren. Ich hätte mir vor 20 Jahren auch nicht vorstellen können, dass sich die Preise im Kanton Zürich bis heute mehr als verdoppeln würden. Wir sprechen hier von plus 134 Prozent! Aber das Gut Wohneigentum ist sehr knapp, und die Bautätigkeit vermag die Nachfrage bei Weitem nicht zu decken. Wenn Sie mich jetzt fragen, ob die Preise in den nächsten zehn Jahren um weitere 30 Prozent steigen werden, dann muss ich Ihnen leider antworten: Wahrscheinlich ja.
Das sind schlechte Aussichten für Menschen, die Wohneigentum suchen.
Es sei denn, die Inflation kehrt zurück. Aktuell haben wir die Blockade der Strasse von Hormuz und eine Ölknappheit. Öl steckt nicht nur in unseren Benzintanks, sondern in ganz vielen Produkten. Wenn also dieser Krieg eine Inflation verursacht, dann steigen auch die Zinsen. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass das heute oder morgen passiert. Wenn die Wirtschaftslage unsicher wird, dann flüchten die Menschen in Immobilien und den Schweizer Franken. Und Sie dürfen eines nicht vergessen: Wer Immobilien besitzt, der hat ein Interesse daran, dass das Gut knapp und die Preise hoch bleiben.
Bei den Einfamilienhäusern stellen die Immobilienexperten von IAZI eine steigende Anzahl Transaktionen fest. Sind das die Boomer, die ihre Häuser verkaufen?
Ja, auch. Aber diese Boomer sind keine homogene Gruppe. Ein Mensch, der auf dem Höhepunkt des Babybooms 1965 geboren wurde, der ist heute 61-jährig und durchaus noch in der Lage, Treppen zu steigen. Es ist ein wenig Liquidität in diesen Markt gekommen, aber auf die Preise wirkt sich das nicht aus.
Warum nicht?
Wenn ein Wassertropfen auf eine heisse Herdplatte fällt, zischt es und der Tropfen verdampft. Jetzt fallen halt zwei Tropfen runter – aber das ändert nichts.
Gemäss einer Studie der Raiffeisenbank müsste ein Haushalt in der Schweiz aktuell 28 Jahre sparen, um ein Haus kaufen zu können. Fredy Hasenmeile, Chefökonom der Bank, warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft.
Es führt zu viel Frust bei denen, die gerne Wohneigentum hätten, sich aber die Preise nicht leisten können. Die Förderung von Wohneigentum steht sogar in der Bundesverfassung. Ein solches Ziel wird zur Farce, wenn es nicht erreicht werden kann. Wir sollten über neue Modelle nachdenken – sei es beispielsweise bei der Finanzierung oder auch bei der Raumplanung.
In einigen Wochen stimmen wir über die 10-Millionen-Schweiz ab. Würde eine Annahme der Initiative etwas verändern?
Sie hätte einen Einfluss auf die Nachfrage. Aber wir müssen uns bewusst sein: Eine Umsetzung wäre schwierig.
Wieso?
Das können Sie vergleichen mit der Alpeninitiative, die wir vor mehr als 30 Jahren angenommen haben. Noch heute queren trotzdem mehr Lkw die Alpen als die 650’000 pro Jahr, die das eigentlich dürften – weil unsere Wirtschaft und die internationalen Verkehrsströme komplexer sind als politische Schlagworte. Und auch bei der SVP-Initiative sollten wir uns bewusst sein: Jemand muss bei uns die Strassen und Häuser bauen, ältere Menschen pflegen und Kinder unterrichten. Wenn wir nicht alle länger arbeiten, mehr Kinder haben oder Einschränkungen beim Wohlstand in Kauf nehmen wollen, wäre die Umsetzung dieser Initiative äusserst anspruchsvoll.