Wenn der Aston Martin nach Aprikosen duftet
Autowachs für Edelkarossen
Die Firma Swissvax stellt in Fällanden Pflegeprodukte für Autos her. In ihren Hallen befinden sich ein paar der exquisitesten Luxusfahrzeuge der Welt, die hier von Kratzern befreit und mit einem wohlriechenden Glanzpanzer überzogen werden.
Erhaben steht der silberne Mercedes 300 SL auf einer Hydraulikbühne der Firma Swissvax in Fällanden. Besucher halten angesichts des legendären deutschen Sportflitzers von 1955 mit seinen markanten Flügeltüren automatisch einen Sicherheitsabstand von mehreren Metern. Man will dem Auto mit einem geschätzten Wert von fast zwei Millionen Franken ja nichts antun.
Weitaus lockerer handhabt das der Swissvax-CEO Markus Herzberg. Seine einladende Geste im Fahrzeug-Aufbereitungsraum des Unternehmens deutet an: Bitte näher treten. «Mit dem Auto fuhr der Besitzer früher Rallyes.»
Das Auto gehört einem der Inhaber der Firma, die 1930 unter dem Namen Anwander gegründet und später unter Swizöl bekannt wurde. 2007 verlegte das Unternehmen seinen Sitz von Zürich nach Fällanden. Die heutige Swissvax stellt hier sämtliche Pflegemittel für die Oberflächen von Autos, Jachten oder Motorrädern selbst her.
Auch Markus Herzberg ist mit dem Mercedes schon gefahren. Der gefalle ihm persönlich nicht so. «Ich mag dieses grosse, dünne Lenkrad nicht. Das Design des Wagens ist jedoch absolut ikonisch.»
Dem Lack, den Felgen sowie dem Interieur des silbernen Oldtimers verpassten die Mitarbeiter nach dem Rennen mit den firmeneigenen Produkten ein Lifting, das ihn neu erstrahlen lässt.







So entsteht das Wachs
Hergestellt werden die Wachse und Reinigungsmittel zwei Stockwerke über dem Aufbereitungsraum. Allerdings bleibt Auswärtigen der Zugang in die Produktion verwehrt. «Die ist geheim», sagt Herzberg.
Was Markus Herzberg aber sagen kann: Es ist alles handgemacht. Eine Person im sogenannten Wachslabor kocht das Wachs in einer Art grossem Kochtopf auf einer Heizplatte. «Für die Qualität, die wir erreichen wollen, kann das keine Maschine.»
Die Rezeptur hat sich für das Unternehmen bewährt. Doch Veränderungen gibt es dennoch. So sei etwa der Zusatz Polytetrafluorethylen (PTFE), handelsüblich als Teflon bekannt, bei den Kunden ein Thema, die nach umweltfreundlicheren Alternativen fragten. PTFE ist aufgrund der Herstellung mit umweltschädlichen, schwer abbaubaren Ewigkeitschemikalien (PFAS) ökologisch problematisch.
Herzberg erklärt: «Das von uns eingesetzte PTFE ist ein sehr stabiles, festes Material. Es ist nicht wasserlöslich und unterscheidet sich deutlich von jenen kleineren PFAS-Stoffen, die aktuell im Fokus der Diskussion stehen.» Zudem werde es für die Herstellung nur in sehr kleinen Mengen gebraucht. «Wir testen bereits mögliche Ersatzstoffe.» Mit Graphen, einem modifizierten Kohlenstoff, habe man eine «moderne, leistungsfähige Alternative» im Sortiment.
Kunden finden es erst komisch, ihr Auto anzufassen und zu massieren.
Markus Herzberg
CEO Swissvax Fällanden
Vom Topf wird das Produkt in Dosen abgefüllt und danach abgekühlt. Weil sich das ausgekühlte Wachs zusammenzieht, wird mit dem Spachtel nochmals Material nachgelegt und schön glatt gestrichen. Danach kommt die Etikette auf das Produkt, und es geht mit den anderen Dosen einen Stock tiefer ins Warenlager.





Von dort verschickt es die Firma auf alle Kontinente. Nur die EU wird vom Tochterunternehmen in Konstanz beliefert. Swissvax hat offizielle Partnerschaften mit Marken wie Aston Martin oder Rolls-Royce. Wer eines dieser Autos kauft, bekommt meist auch gleich ein Pflegeprodukt aus Fällanden mitgeliefert.
Bitte einmal Auto massieren
Wie das Auto mustergültig gepflegt wird, zeigt Mitarbeiter Pascal Seiler an einem grünen Aston Martin. Erst säubert er mit einem Baumwollpad und Reinigungsmittel den Lack. «Dadurch werden auch kleinere Kratzer entfernt», sagt Markus Herzberg. Noch besser würden Kratzer mit der Poliermaschine verschwinden. Doch für die kleine Demonstration wird darauf verzichtet.
Seiler poliert die Fläche mit einem speziellen Flauschtuch und verteilt danach das Wachs zärtlich mit der Hand. «Das ist die beste Art, um es aufzutragen.» Die Körperwärme erwärme das Wachs, und so lasse es sich sauber aufbringen.





Offenbar ist diese sinnliche Behandlung auch Autoliebhabern erst nicht ganz geheuer. Wenn Kunden dies in einem Pflege-Workshop von Swissvax gezeigt werde, sei die Reaktion meist dieselbe, sagt Herzberg. «‹Das ist komisch, mein Auto anzufassen und zu massieren.› Und nach fünf Minuten sagen alle: ‹Das ist sehr, sehr zufriedenstellend.›»
Inzwischen hat Seiler das Wachs mit dem Flauschtuch ausgerieben. 15 bis 20 Minuten wären eigentlich die ideale Einwirkungszeit gewesen. «Das ist der ganze Zauber», sagt Seiler. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Auf dem dunkelgrünen Lack des Aston Martin ist nichts mehr zu sehen ausser das eigene Spiegelbild.
Zudem verströmt die behandelte Stelle auch einen erfrischenden Duft nach Aprikose. «Jedes Wachs hat einen speziellen Duft», sagt Herzberg. «Das Auto riecht nach der Pflege zwei Wochen in der Garage danach.»
Wo die Reichen ihre Autos lagern
Das hat seinen Preis: 1650 Franken kosten 200 Milliliter des teuersten Wachses. Dafür braucht es laut Herzberg pro Fahrzeug lediglich fünf bis acht Gramm. Und eine Dose mit 200 Millilitern sei für eine Fahrdistanz von 250'000 bis 300'000 Kilometer ausgelegt.
In der Tiefgarage stehen die Schätze von Menschen, die das Preisschild sowieso wenig kümmert. Hier sind ein Rolls-Royce, ein Porsche, ein Rolls-Royce SUV sowie – Markus Herzberg muss kurz selber unter der schwarzen Plache nachschauen – ein roter Ferrari und daneben noch ein gelber geparkt. Die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur werden hier immer auf gleichem Level gehalten. Ideale Bedingungen für die Lagerung der teuren Autos. 250 Franken pro Monat zahlen die Fahrzeugbesitzer dafür.
Weitaus mehr lassen sie jedoch für das Aufhübschen springen: «Das geht bei 800 Franken los und kann hoch bis 12’000 Franken gehen», sagt Herzberg. Wobei Letzteres für Teilnehmer von Autoshows wie Concours d'Elégance oder Pebble Beach Sinn mache, wofür jede einzelne Ecke des Fahrzeugs angeschaut und poliert werde.
Markus Herzberg nennt übrigens einen Porsche 911 von 1974 und einen Range Rover sein Eigen. «Den Porsche fahre ich meist mit meinen Kindern. Den habe ich damals gekauft, damit wir zusammen Spass haben.»