«Ich kann doch jetzt nicht aufhören»
Business-Software aus Schwerzenbach
Trotz seiner 67 Jahre denkt der Schwerzenbacher IT-Unternehmer André A. Zibung noch lange nicht an den Ruhestand. Im Gegenteil, er hat soeben eine neue Business-Software für KMU auf den Markt gebracht.
Mitte März hat André A. Zibung seine Software Makaris lanciert. Damit will er das Chaos in den Büros beenden. Sein System führt alle Fäden der Administration einer Firma an einem Ort zusammen: Kundendaten, Offerten, Auftrag, Rechnung, Lager, Debitorenbuchhaltung, Onlineshop etc. arbeiten hier Hand in Hand. Was Experten als «Enterprise Resource Planning» (ERP) bezeichnen, ist für den Schwerzenbacher IT-Profi schlicht «die digitale Zentrale, die ein Unternehmen effizient und unabhängig macht».
Swissbrain AG heisst Zibungs Unternehmen – mit fünf Mitarbeitenden selbst ein KMU –, und schon der Firmenname zeigt, wie gross er denkt. Seit dem Launch der neuen Software hat er knapp 20 Makaris-Lizenzen verkauft. Wie schätzt er das Potenzial ein? «70’000 Lizenzen! Schliesslich gibt es 650’000 KMU in der Schweiz», sagt er mit einem Lachen.
Die Anfänge
André A. Zibung ist ein Getriebener. Er, der sich selbst einen «Digitalisierungs-Fuzzi» nennt, hat sein ganzes Berufsleben in der Informatik und Telekommunikation verbracht. Ein Schlüsselerlebnis mit 13 Jahren war der Auslöser. Er bekam damals einen Taschenrechner der Marke Texas Instruments geschenkt: «Ich wollte wissen, was zwischen der Eingabe über die Tasten und dem Resultat auf dem LCD-Display passiert.»
Also schraubte Klein André den Taschenrechner auf, wie er es später mit fast allen technischen Geräten tun würde, die er in die Finger bekam. Es folgte eine Berufslehre als Maschinenmechaniker bei der Bräcker AG in Pfäffikon, später folgten ein Studium der Robotik und Anstellungen in weltweit tätigen IT-Unternehmen.
Wanderjahre und Selbständigkeit
«Ich habe in 74 Ländern gearbeitet, aber jahrelang nur aus dem Koffer gelebt», blickt er auf die Zeit zurück, als er beispielsweise für den US-Giganten AT&T weltweit Telekominfrastrukturen aufbaute. Die Zeit als beruflich Weltreisender endete, als er sich 1998 in Schwerzenbach selbständig machte.
Das Internet nahm gerade Fahrt auf, und er wollte dabei sein. «Es wurde schnell klar, dass das Internet ungeahnte Möglichkeiten bot», sagt Zibung, der die Programmiersprache Assembler aus dem Effeff beherrscht. Assembler ersetzte damals die Binärcodes 0 und 1 durch leichter verständliche Textcodes und wird noch heute in Nischen verwendet, beispielsweise in «embedded systems».
Die Entwicklung
Mit dem Internet wurden Websites zu den Visitenkarten der Unternehmen. Folgerichtig startete Zibung mit deren Gestaltung in die Selbständigkeit. Zu den ersten Kunden gehörten unter anderen der Autoimporteur Emil Frey AG oder Davos Tourismus. «Bis 2008 war das cool», sagt er rückblickend. Dann brach nicht nur die Finanzkrise aus, sondern es folgten Entwicklungssprünge in der IT. «Einen solchen Sprung gibt es alle sechs bis sieben Jahre», sagt Zibung.
Gegen Ende der Nullerjahre waren es zwei Technologiesprünge: 2007 brachte Apple das iPhone auf den Markt und läutete das Zeitalter der Smartphones ein. Gleichzeitig wurde weltweit massiv in die Webtechnologie investiert; als Folge erhöhte sich das Tempo des Internets dramatisch: «Da hat es nur so geknallt. Plötzlich musste man nicht mehr endlose Sekunden warten, bis eine Seite geladen war.»
Zum Design und Programmieren von Websites kamen Applikationen für Smartphones. Und wieder dauerte es keine zehn Jahre bis zum nächsten Technologiesprung: Um 2015 setzte sich das Internet of Things – also die Vernetzung von smarten Geräten, die mit Sensoren oder Software ausgestattet sind, mit dem Internet – auf breiter Front durch. Hinzu kamen weitere Fortschritte in der Chiptechnologie.

Womit wir zurück am Anfang unserer Geschichte sind: 2020 begann Zibung mit dem Programmieren seiner Makaris-Software für KMU.
Die Zukunft
Die vielen Jahre, in denen er weltweit für Grossunternehmen tätig gewesen sei, hätten ihn geprägt, sagt Zibung: «Ich sah Unternehmen, die wie analoge Wracks funktionierten. Ich erlebte Patrons, die 40 Jahre lang ihr Herzblut investierten, nur um am Ende festzustellen, dass ihr Lebenswerk ohne sie nicht atmen kann.»
Das Wissen war in den Köpfen der Firmengründer und -chefs gefangen: «Und in Regalen voller Bundesordner, in Hängeregistern und Schubladen.» Herrschaftswissen nennt Zibung diese Sammlung von analogen Speichern, die eine Firmenübergabe zum tödlichen Risiko machen.
Hier greift seine Makaris-Software ein. Das System soll unabhängig vom Chef funktionieren. Die Administration und alle Unternehmensprozesse sind auf einer Plattform vereint, inklusive Kasse und E-Commerce für den Onlinehandel. «Unternehmensführung muss nicht komplex sein», sagt Zibung. In der Region gehören beispielsweise das Malergeschäft von Joel Humbel in Fällanden oder das junge Ustermer Modegeschäft Marilei zu den ersten Nutzern der Makaris-Software.
Die Digitalisierung dieser Unternehmensführung sei kein Selbstzweck, sondern befreie den Unternehmer von Altlasten, sagt Zibung. «Das Ziel ist ein digitales, effizientes Gehirn für die Firma.» Gleichzeitig hat der 67-Jährige ein leicht verständliches, lesenswertes und gänzlich analoges Buch über Betriebswirtschaft geschrieben: «Unternehmensgewinn mit System.»
Und bereits hat die Technologie zum nächsten Sprung angesetzt: André A. Zibung schnappt sich ein Blatt Papier und skizziert mit einem Filzstift, wo im Diagramm die künstliche Intelligenz Bestellungen via E-Mail oder Telefon direkt ins System überträgt, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.
Genau diese künstliche Intelligenz und ihre Möglichkeiten sind es, die den 67-Jährigen jeden Tag in seine kleine Firma in Schwerzenbach ziehen: «Ich kann doch jetzt nicht aufhören!» Nein, nicht jetzt. Und sicher auch nicht in fünf oder sechs oder sieben Jahren, wenn die Technologie zum nächsten Sprung ansetzt …