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Uster und die Frage, wo es eigentlich hingehört

Wohin soll sich die Stadt Uster ausrichten? Auf die 15 S-Bahn-Minuten entfernte Stadt Zürich? Oder ist sie eher Teil der Flughafenregion? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Wirtschaftsforum Uster.

Uster und die Frage, wo es eigentlich hingehört

«New Zurich»

Wohin soll sich die Stadt Uster ausrichten? Auf die 15 S-Bahn-Minuten entfernte Stadt Zürich? Oder ist sie eher Teil der Flughafenregion? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Wirtschaftsforum Uster.

Ein Mann im dunklen Anzug steht auf einer Bühne und referiert. Im Hintergrund ist der Schriftzug «New Zurich» zu sehen.
«Die Menschen kreieren im Alltag Orte und Grenzen, nicht die Politik»: Thomas Sevcik will keine politische Debatte auslösen, sondern über Stadtentwicklung sprechen.

Die Frage ist gerade sehr aktuell, seit die «NZZ am Sonntag» vor zwei Wochen von einem Konzept aus dem Dunstkreis der Flughafenregion Zürich (FRZ) mit dem griffigen Titel «New Zurich» berichtete.

Die so publik gewordenen Gedankenspiele um eine neue Metropolitanregion östlich und nördlich von Zürich wurden medial rasch auf eine politische Ebene gehoben: hier das Lastenvelo fahrende, langmähnige, links-grüne Zürich – dort die Agglomerationsgemeinden, wo man noch 50 km/h fahren darf, übers Wochenende mal rasch nach Barcelona fliegt und bürgerlich wählt.

Urheber des Konzepts, das am 10. Juni als Strategiepapier veröffentlicht werden soll, ist Thomas Sevcik. Der 56-Jährige aus dem Säuliamt berät weltweit Unternehmen, Organisationen, Städte und Regionen. Er gilt als einer der Masterminds des Projekts «Autostadt» von VW in Wolfsburg und hat unter anderem auch «The Circle» am Flughafen mitentwickelt.

Raumplanung, nicht Politik

Der Artikel in der «NZZ am Sonntag» sorgte für Stirnrunzeln und teilweise bissige Kommentare, zumal offensichtlich nicht einmal alle der 14 FRZ-Gemeinden über die Pläne im Bild waren. Als Gast des Wirtschaftsforums Uster (WFU) war Sevcik am Dienstagabend im Stadthofsaal daher sichtlich bemüht, die Diskussion von der politischen wieder auf eine raumplanerische Ebene zu bringen.

Er sei ein «wirtschaftslibertärer Sozialdemokrat» und daher politisch absolut unverdächtig, rief er den rund 250 Zuhörerinnen und Zuhörern zu. Und doppelte ernsthafter nach: «Die Menschen kreieren im Alltag Orte und Grenzen, nicht die Politik.» Diese Aussage unterstrich Sevcik mit einem Luftbild des Grossraums Zürich.

Ein Mann im dunklen Anzug steht auf einer Bühne und referiert. Im Hintergrund ist ein Luftbild des Grossraums Zürich bei Nacht zu sehen.
Thomas Sevcik vergleicht Zürich und dessen Flughafenregion mit dem Grossraum Seattle und Eastside. Links Jan Schibli, Präsident des Wirtschaftsforums Uster.

Das Bild zeigt, wie stark die Städte und Gemeinden rund um den Flughafen mittlerweile zusammengewachsen und miteinander verwoben sind. Die Region von Uster bis Bülach sei eine «werdende Stadtlandschaft und ein funktionaler Raum», zu dem faktisch auch die 1934 eingemeindeten Zürcher Stadtkreise 11 (Oerlikon) und 12 (Schwamendingen) gehörten, meinte Sevcik und verglich die Region mit der US-Metropole Seattle.

Dort hat sich östlich der Kernstadt Seattle eine Region Eastside entwickelt. Diese polyzentrische Stadtlandschaft bestehe aus mehreren Gemeinden und habe Seattle punkto Dynamik, Wertschöpfung und Lebensqualität überholt, erklärte Sevcik.

Zusammenarbeit, nicht Fusion

Mit diesem Beispiel machte er im Ustermer Stadthofsaal auch klar, dass es bei «New Zurich» nicht um die Fusion der 14 FRZ-Gemeinden zu einer neuen Grossstadt geht. Im Zentrum stehe die Entwicklung der Flughafenregion im Verbund mit der Stadt. Der Berater sieht vier wirtschaftliche Vektoren, wie sich die Region entwickeln kann, verpackt in griffige Anglizismen: «Byte», also die IT-Industrie, «Aero», die Luft-, Raumfahrt und Wehrtechnik, «Hubs», internationale Firmensitze, und «Meet», also Meetings und Konferenzen.

Und klar ist für Sevcik, dass auch die drittgrösste Stadt im Kanton zur dieser Region gehört. «Geografisch und funktional ist Uster ein logischer Teil der Flughafenregion Zürich.» Damit rannte er bei WFU-Präsident Jan Schibli offene Türen ein. Der Unternehmer ist mit seiner Schibli-Gruppe einer der Partner der FRZ.

Das war ein Steilpass für angeregte Diskussionen beim anschliessenden Apéro riche.

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