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Wirtschaft

Neue Wohnungen im Oberland

Dübendorf baut, Wald reisst ab

Ist es das Ende des «Baubooms»? Die neusten Zahlen des Kantons zeigen: Im Oberland wurde 2025 weniger fleissig gebaut wie in den Jahren davor.

Zwei Welten in derselben Region: Während in urbanen Zentren die Häuser in die Höhe schiessen, dominiert in ländlichen Gemeinden die Abrissbirne.

Archivfotos: Karin Sigg, Simon Grässle

Dübendorf baut, Wald reisst ab

Neue Wohnungen im Oberland

Ist es das Ende des Baubooms? Die neusten Zahlen des Kantons zeigen: Im Oberland wurde 2025 weniger fleissig gebaut als in den Jahren davor.

Wenn es um das Thema Wohnen geht, entbrennt häufig eine emotionale Diskussion. Ein objektiver Blick auf die Zahlen zeigt: Im Kanton Zürich wurden 2025 rund 7800 neue Wohnungen gebaut und rund 2600 abgebrochen. Das geht aus der neuen Auswertung des Statistischen Amts des Kantons hervor.

Von allen zusätzlich gebauten Wohnungen entfallen gut 23 Prozent auf das Oberland. An der Zahl sind das 1203 Wohnungen, die letztes Jahr zu den bereits bestehenden hinzukamen. Das entspricht rund sechs Hochhäusern in der Dimension des Jabee Towers in Dübendorf. Gemessen an der Bevölkerungszahl ist dies überdurchschnittlich viel.

Für den Wohnungsmarkt ist aber nicht das einzelne Jahr relevant, sondern die Entwicklung der Zahlen über eine längere Zeit. Und diese zeigt – das bestätigen die neusten Zahlen des Statistischen Amts des Kantons Zürich erneut – einen klaren Rückgang der Bautätigkeit in der Region.

Wo Wohnungen entstehen und verschwinden

Den grössten Zuwachs gab es letztes Jahr in Dübendorf (331 Wohnungen), Uster (216) und Wetzikon (130). Allein in diesen drei Städten entstand rund die Hälfte aller zusätzlichen Wohnungen der Region. Das ist wenig verwunderlich, da in diesen Orten auch der Grossteil der Oberländer Bevölkerung wohnt. In den letzten Jahren haben alle drei Gemeinden grössere Bauprojekte umgesetzt. So ist es kaum erstaunlich, dass Dübendorf wegen der vielen Hochhäuser den Spitznamen Dübai erhalten hat.

Doch nicht überall liefen die Baumaschinen auf Hochtouren. In 7 der 34 Oberländer Gemeinden wurden letztes Jahr mehr Häuser abgerissen, als neue gebaut wurden. Im kantonalen Vergleich ist dies auffallend viel: Unter allen restlichen Gemeinden im Kanton gibt es nur 13 weitere, in denen im vergangenen Jahr ebenfalls mehr Wohnungen verschwanden, als neue gebaut wurden.

Bemerkenswerter Ausreisser ist hierbei die Gemeinde Wald, wo rund 16 Wohnungen weniger existieren als im Vorjahr. Mit Fehraltorf (minus 7 Wohnungen) und Weisslingen (minus 5) sind weitere eher ländliche Gemeinden mit negativen Werten vertreten.

Allgemein fällt auf: In eher kleinen oder ländlichen Gemeinden kommen in einem Jahr nur noch wenige Wohnungen dazu, während urbanere Regionen höhere absolute Zahlen aufweisen.

Verzerrte Wahrnehmung durch «Schübe»

Das Bild ändert sich jedoch, wenn man sich anschaut, wie gross der Anteil zusätzlich entstandener Wohnungen in einer Gemeinde ist. Hier schneidet Mönchaltorf (3,6 Prozent) mit grossem Abstand vor Lindau und Dübendorf (beide 2 Prozent) am besten ab. Auf dem letzten Platz befinden sich erneut Wald und Weisslingen (beide –0,3 Prozent). Dies deckt sich teilweise mit den kürzlich veröffentlichten Bevölkerungszahlen fürs Oberland, in welchen Wila das Ranking anführt und Weisslingen das Schlusslicht bildet.

Das zeigt: Neben Dübendorf bauen auch gewisse ländliche Gemeinden nach wie vor aktiv. Basil Schläpfer vom Statistischen Amt des Kantons Zürich sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Wenn wieder eine Siedlung fertiggestellt ist, gibt es mit einem Schlag viele neue Wohnungen.» Ländliche Gemeinden sind deshalb anfälliger für «Schübe», weshalb die Statistik nächstes Jahr bereits wieder ganz anders aussehen könnte.

Diese «Schübe» sind in der Auswertung für den Wohnbausaldo von Wald (siehe Grafik) gut sichtbar: Obwohl ein klarer Abwärtstrend erkennbar ist, schwanken die Zahlen von Jahr zu Jahr merklich mit deutlichen Höhepunkten in den Jahren 2010 und 2018.

Bald zu beobachten gibt es dieses Phänomen in Fehraltorf. Denn dort sind grössere Wohnprojekte geplant. Beim Lindenhof beispielsweise entstehen 18 neue Wohnungen. An der Russikerstrasse warten durch das Immobilienprojekt «Puls» bald weitere 11 Eigentumswohnungen auf zukünftige Fehraltorferinnen und Fehraltorfer.

Viele leere Wohnungen und wenige neue Einfamilienhäuser

Im Oberland stehen vergleichsweise mehr Wohnungen leer als im Rest des Kantons. Den grössten Anteil mit rund 2 Prozent verzeichnet Wald. Das ist auffallend, da dort letztes Jahr am meisten Häuser der Abrissbirne zum Opfer fielen. Keine freien Wohnungen fand man im August 2025 in den Gemeinden Seegräben und Schlatt. Laut dem «Tages-Anzeiger» spielen hierbei mehrere Faktoren wie ÖV-Anbindung, vorhandenes Bauland sowie der Preis von diesem eine wichtige Rolle.

Kantonal betrachtet zeigt sich zudem ein klarer Trend beim Abriss von Einfamilienhäusern. Nachdem in den letzten Jahren immer ungefähr gleich viele Einfamilienhäuser entstanden waren, wie alte verschwunden waren, sind 2025 erstmals im Kanton mehr Einfamilienhäuser abgerissen worden – eine Trendwende, die sich schon länger abgezeichnet hatte.

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