Im «QN» in Effretikon bricht eine neue Zeitrechnung an
Neuer Besitzer, neue Pächter
Mehr als 30 Jahre war der Name Räto Kuhn untrennbar mit der «QN World» verbunden. Nun gibt der Gastronom sein Lebenswerk in neue Hände.
Das «QN» geht in neue Hände über. Es sind vier Hände, die das Kultlokal mit Restaurant, Bar und Zigarrenlounge bestens kennen: Sie gehören den neuen Pächtern Nico Ferrara und Massimo Mazzolo – langjähriger Geschäftsführer der eine, Küchenchef der andere.
«Für mich ist das ein Wunschszenario», sagt Räto Kuhn, der das «QN» vor mehr als 30 Jahren in der ehemaligen Mühle an der Rikonerstrasse gegründet hatte, und blickt zufrieden um sich. Mit am Tisch sitzt neben Geschäftsführer Ferrara und Koch Mazzolo auch Marco Sablatnig.
Der 47-jährige Immobilienentwickler aus Winterberg spielt eine entscheidende Rolle im Neustart des «QN», obwohl er sich eigentlich geschworen hatte, nie in die Gastronomie zu investieren: «Ich bin im Gastgewerbe aufgewachsen, meine Eltern führten das Restaurant Tanne in Grafstal. Ich habe miterlebt, wie viel sie gearbeitet haben und was am Ende des Monats übrig blieb.»
Das «QN» bezeichnet Sablatnig so, wie es Immobilienprofis tun, wenn sie Liegenschaften anpreisen: «Es ist ein einzigartiges Objekt, mit viel Charakter, Stil, Charme und einer super Konzeption. Und einfach ein wunderschönes Haus.»
Doch der Reihe nach: Räto Kuhn hatte die Liegenschaft im Jahr 1991 erworben und 1992 zunächst als Bar eröffnet. «Es brauchte ziemlich viel Mut», erinnert sich der heute 68-Jährige an die Anfangsjahre. Die ehemalige Mühle an der Rikonerstrasse ist denkmalgeschützt, das mehrere tausend Quadratmeter umfassende Areal befindet sich in der Landwirtschaftszone.
Eine mehr als 30 Jahre lange Erfolgsgeschichte
Mit Geduld, Geschäftssinn und Gastfreundschaft verwandelte Kuhn die Liegenschaft, die zuvor lange Jahre leer gestanden war, in ein florierendes Gastrounternehmen. Das «QN» geniesst einen ausgezeichneten Ruf weit über Effretikon hinaus. Erfolgreich ist das Restaurant auch im Geschäft am Mittag, wenn sich andere Beizen schwertun. «Die Leute verlangen eine hohe Qualität, vernünftige Preise und eine schnelle Bedienung. Das können wir alles bieten», sagt Kuhn. Dazu kommen ein grosszügiges Parkplatzangebot und die Lage nahe an der Autobahnausfahrt, ideal für Business Lunchs.

Dabei war es in den ersten Jahren vor allem die Bar mit dem rustikalen Mahlwerk als Blickfang, die Ausgehfreudige aus nah und fern anzog. Dazu kamen Events und Konzerte. Unter anderen traten die Bands Supertramp oder auch Hecht im «QN» auf.
Kulinarisch liegt die Schweiz am Mittelmeer
Mit dem Rauchverbot und der tieferen Promillegrenze schwanden die Umsätze mit dem Partyvolk, dafür wurde die gepflegte Küche immer wichtiger. Daran wollen Ferrara und Mazzolo festhalten. «Mediterrane Küche mit Schweizer Klassikern», umreisst der Küchenchef das Konzept. So finden sich neben «Penne alla fini» und «Galletto alla diavola» weiterhin das mit Café de Paris überbackene Rindstatar und das Cordon bleu auf der Speisekarte.
Änderungen gibt es dafür bei den Öffnungszeiten: Der Sonntag bleibt Ruhetag. Und seit Anfang Jahr ist der Samstag ausschliesslich für private Events wie Geburtstage, Hochzeiten oder andere geschlossene Gesellschaften vorgesehen. Auch im Barbetrieb sind Neuerungen angedacht. «Wir wollen die Bar etwas auffrischen und haben auch schon ein paar konzeptionelle Ideen», sagt Geschäftsführer Ferrara, ohne ins Detail zu gehen.

Ferrara und Mazzolo haben von Räto Kuhn auf Anfang Jahr zu gleichen Teilen die QN World AG erworben, die Betriebsgesellschaft des «QN». Eine Minderheitsbeteiligung hält Marco Sablatnig. Der Immobilienunternehmer wird neuer Besitzer der Liegenschaft, zu der auch Konferenzräume, Büros, Gästezimmer und Studios gehören. Die Tinte unter dem Kaufvertrag ist trocken, bis im Herbst soll die Handänderung abgeschlossen sein.
«Eine Herzensangelegenheit»
«Eine Herzensangelegenheit» nennt Sablatnig das Projekt. Er ist seit Jahren regelmässiger Gast im «QN», mit Nico Ferrara verbindet ihn eine lange Freundschaft. «Dass Nico und Massimo die Pacht übernehmen, hat mir die Entscheidung vereinfacht.»
Für Räto Kuhn beginnt der Prozess des Loslassens: «34 Jahre war das hier meine zweite Heimat.» Es sei sein Ziel gewesen, im richtigen Moment an die richtigen Personen zu verkaufen, sagt der Bündner: «Das ist perfekt gelungen und stimmt mich sehr glücklich.»
Kuhn wird seinen Lebensmittelpunkt in die alte Heimat verlegen. Zur Ruhe setzen will er sich trotz seinen 68 Jahren noch nicht. Er befasse sich mit einem Projekt in St. Moritz ...