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Ausflug nach Weisslingen oder Pfäffikon

Benzin und Diesel sind teuer im Oberland – doch es gibt Ausnahmen

Der TCS hat seinen jährlichen Benzinpreisradar veröffentlicht. Benzin und Diesel waren 2025 so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Was auch auffällt: Das Zürcher Oberland ist teurer als der Schweizer Durchschnitt.

Die Preisunterschiede bei den Preisen von Benzin und Diesel in der Region sind teilweise beachtlich.

Foto: Simon Grässle

Benzin und Diesel sind teuer im Oberland – doch es gibt Ausnahmen

Weisslingen oder Pfäffikon ist einen Ausflug wert

Der TCS hat seinen jährlichen Benzinpreisradar veröffentlicht. Benzin und Diesel waren 2025 so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Was auch auffällt: Das Zürcher Oberland ist teurer als der Schweizer Durchschnitt.

Rund 3300 Tankstellen gibt es in der Schweiz. An diesen Tankstellen werden jährlich rund 6 Milliarden Liter Treibstoff gezapft. In Zahlen: 6’000’000’000 Liter. Die Zahlen stammen von Avenergy, dem Verband der Schweizer Erdölbranche.

Die Preise für diese 6 Milliarden Liter Benzin oder Diesel variieren stark. Am billigsten ist der Treibstoff in Samnaun. Im Zollausschlussgebiet im Kanton Graubünden ist alles günstig, was in der Schweiz mit Steuern und Zöllen belegt ist: neben Treibstoffen auch Tabakwaren, Alkohol oder Parfum. Ein Duty-free-Shop ohne Flughafen, dafür mit Seilbahnen.

So kostete ein Liter Bleifrei 95 an der Alpina-Tankstelle ganz hinten im Dorf im vergangenen Jahr durchschnittlich unschlagbare 1,25 Franken.

Schliesst man Samnaun aus, gab es 2025 das günstigste Benzin der Schweiz an einer Tankstelle im Berner Seeland: Durchschnittlich 1,52 Franken kostete ein Liter Bleifrei 95 an der Tankstelle Neubrück Café-Bar in Brügg BE gemäss dem TCS-Benzinpreisradar 2025.

Der Preis für einen Liter Benzin oder Diesel wird durch ein Zusammenspiel aus internationalen Rohstoffmärkten, staatlichen Einnahmen, logistischen Herausforderungen, den Kosten für den Vertrieb im Inland und die Marge der Tankstelle bestimmt.

Börse: Der Rohölpreis an der Börse folgt den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Der Preis wird beeinflusst von den Fördermengen auf der einen Seite und dem Durst der Wirtschaft nach Energie auf der anderen Seite.

Wechselkurs: Rohöl wird in Dollar gehandelt. Steigt der Schweizer Franken gegenüber dem Dollar, sinkt der Ölpreis in der Schweiz.

Transportkosten: Der Wasserstand des Rheins bestimmt die Beladung der Tankschiffe. Ist der Wasserstand niedrig, können die Schiffe weniger transportieren und die Transportkosten steigen.

Staatliche Abgaben: Sie sind der grösste Kostenblock. Die Mineralölsteuer, der Mineralölsteuerzuschlag und Importabgaben machen ungefähr 77 Rappen pro Liter aus. Dazu kommen Mehrwertsteuern von 8,1 Prozent auf den gesamten Warenwert. Vom Preis eines Liters Benzin fliessen so rund 90 Rappen an den Staat – der mit diesem Geld die Infrastruktur unterhält.

Der Rest sind die Kosten des Tankstellenbetreibers (Infrastruktur, Löhne, Lagerung, Marketing) und seine Marge.
(sco)

Den höchsten Preis verlangte eine Tankstelle in der Stadt Zürich: An den beiden Zapfsäulen im Parkhaus Talgarten wurden für einen Liter Bleifrei 95 im Durchschnitt 2,37 Franken fällig. Der Unterschied zur Billig-Tanke im Seeland: stolze 85 Rappen pro Liter. Das Parkhaus in der Zürcher City teilt sich den Podestplatz mit der Autobahnraststätte in Coldrerio TI, kurz vor der Grenze.

Die Zahlen des TCS-Benzinpreisradars zeigen, dass der Treibstoff entlang der Hauptverkehrsachsen deutlich mehr kostet als an kleinen Tankstellen auf dem Land. Und sie zeigen, dass der Kanton Zürich mit durchschnittlich 1,75 Franken für einen Liter Bleifrei 95 und 1,83 Franken für einen Liter Diesel zu den teuersten Kantonen gehört.

Doch es gibt Unterschiede innerhalb des Kantons: So ist der Sprit beispielsweise in Winterthur im Durchschnitt deutlich günstiger als in Zürich. Das Oberland liegt irgendwo dazwischen, doch auch hier sind die Preisdifferenzen zwischen den einzelnen Tankstellen teilweise beträchtlich.

So liegt zwischen der günstigsten und der teuersten Tankstelle in den drei Bezirken Uster, Pfäffikon und Hinwil eine Differenz von mehr als 20 Rappen.

Günstig in Weisslingen und Pfäffikon

Der Titel für die portemonnaie-freundlichste Zapfsäule im Oberland geht nach Weisslingen: Die Garage Bosshard verlangte 2025 an ihrer Avia-Tankstelle für den Liter Bleifrei 95 bescheidene 1,65 Franken und für den Liter Diesel 1,72 Franken.

Knapp dahinter folgen zwei Tankstellen in Pfäffikon: Bei Oil Tank & Go und bei der Lenzlinger Söhne AG gab es den Liter Bleifrei 95 im Durchschnitt für 1,66 Franken, der Liter Diesel kostete wie in Weisslingen 1,72 Franken.

An beiden Orten im Bezirk Pfäffikon sind auch grosse Player mit Tankstellen und teilweise dazugehörigen Shops vertreten. Und sie lassen sich von den Preisen in der Nachbarschaft durchaus beeinflussen: In Weisslingen verlangte Tamoil im vergangenen Jahr für den Liter Bleifrei 95 im Schnitt 1,67 Franken oder 2 Rappen mehr als Preisbrecher Bosshard. Der Liter Diesel kostete 1,74 Franken. Zum Vergleich: An der Tamoil-Tanke im fünf Kilometer entfernten Illnau kostete der Liter Bleifrei 1,75 Franken und der Diesel 1,84 Franken.

Tankstelle Tamoil in Weisslingen.
Die Tamoil-Tankstelle in Weisslingen verkauft den Treibstoff 10 Rappen günstiger als die nur rund fünf Kilometer entfernte Tamoil in Illnau.

In Pfäffikon schreibt Socar (300 Meter von Oil entfernt und in Sichtweite) für den Liter Bleifrei 3 Rappen mehr an als Lenzlinger und Oil (1,69 Franken); auch bei BP (900 Meter entfernt) kostet der Liter 3 Rappen mehr, bei Agrola (1,4 km) liegt der Preis nochmals 2 Rappen höher. Aber sie alle sind deutlich günstiger als alle Tankstellen in Illnau oder Uster, um zwei Beispiele zu nennen.

Das ist schlicht und einfach Marktwirtschaft.

Ueli Bamert

Leiter Kommunikation und Politik bei Avenergy Suisse

Nun sind Tankstellenbetreiber eine sehr zurückhaltende Menschengattung und sprechen ungern über die Preise und deren Festlegung. Das tut stellvertretend Ueli Bamert, Leiter Kommunikation und Politik bei Avenergy Suisse und Zürcher SVP-Kantonsrat: «Das ist schlicht und einfach Marktwirtschaft.»

Das Gipfeli bei Bäcker A koste auch nicht gleichviel wie bei Bäcker B, meint Bamert. «Der Unterschied zu den Bäckereien besteht darin, dass die Preise bei unseren Mitgliedern angeschrieben und von Weitem sichtbar sind.» Und das Beispiel aus Pfäffikon zeige vor allem eines: «Der Markt spielt.»

Zu diesem Resultat kommt auch die Wettbewerbskommission (Weko) des Bunds, die die Spritpreise immer mal wieder unter die Lupe nimmt. Zuletzt, als diese nach dem russischen Überfall auf die Ukraine vor drei Jahren stark anstiegen.

Weko: Keine Anhaltspunkte für Preisabsprachen

Innert kürzester Zeit waren die Preise für Benzin flächendeckend über die psychologisch wichtige 2-Franken-Grenze geklettert. Die Weko sah damals «keine Anhaltspunkte für Wettbewerbsabreden oder Preismissbräuche», wie sie in ihrem Jahresbericht 2022 schrieb.

Dass Konkurrenten denselben Preis anschrieben, sei kartellrechtlich unproblematisch, solange sie sich nicht absprächen, befand die Weko. Unterschiede von Region zu Region und Aufschläge an Autobahn-Tankstellen dürften auf «unterschiedliche Kostenstrukturen» und «unterschiedliche Wettbewerbsintensität» zurückzuführen sein.

Dass sich Konkurrenten gegenseitig auf die Anzeigetafel schauen, bestätigte uns ein Tankstellenbetreiber, den wir nicht nennen, aber zitieren dürfen: «Natürlich schaue ich jeden Morgen, was der Nachbar macht. Einmal habe ich versucht, den Literpreis um 2 Rappen zu erhöhen, während mein Nachbar bei seinen Preisen blieb. Das hat mich sofort 10 Prozent Umsatz gekostet.»

Teuer Sprit in Tagelswangen

Der TCS-Benzinpreisradar existiert seit 2022. Das Tool zum Preisvergleich ist communitygetrieben; die Preise werden von den Autofahrerinnen und Autofahrern an den TCS gemeldet. Neben günstigen Spritpreisen in Weisslingen und Pfäffikon meldeten diese im vergangenen Jahr auch die teuersten Tankstellen in der Region: Es sind die Avia-Tankstelle in Hinwil bei Bleifrei 95 und die BP-Tankstelle in Tagelswangen beim Diesel.

Bleibt noch eine Frage: Wann lohnt sich der Umweg zu einer günstigeren Zapfsäule? Auch dafür hat der TCS eine Antwort parat, die sogenannte «Fünfer-Regel»: Die Regel besagt, dass sich ein Umweg zur günstigeren Tankstelle nur dann lohnt, wenn der Preis pro Liter Benzin mindestens 5 Rappen niedriger ist als bei der aktuellen Tankstelle, der Umweg maximal 5 Kilometer pro Weg beträgt und der Tank um mindestens 50 Liter gefüllt wird.

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