Gourmeteca schliesst den Laden – und nein, es liegt nicht am Geld
Ein Verlust für Uster
Rouven Büchi hat genug: Ende Januar schliesst er sein Finefood-Geschäft an der Brunnenstrasse in Uster. Die Gründe sind ungewöhnlich.
Letztlich sei es eine Frage der Energie, sagt Rouven Büchi: «Die ständigen Personalprobleme haben dazu geführt, dass wir die Gourmeteca Ende Januar aufgeben.» Der 43-jährige Ustermer hatte das Delikatessengeschäft im Jahr 2017 gegründet. Hauptberuflich ist er im IT-Bereich tätig.
Ein «Herzensbusiness» nannte der Unternehmer seine Gourmeteca. «Ich hätte auch weiterhin saisonbedingt Geld eingeschossen, daran lag es nicht», sagt Büchi und wird zum etwas schwammigen Begriff «Personalprobleme» konkreter: Vor zwei Jahren hatte sich seine Geschäftsführerin Anja Hardegger aus dem Laden zurückgezogen und eine Ausbildung ausserhalb der Branche begonnen. Sie führt zwar weiterhin den Onlineshop und ist bis heute für die Administration verantwortlich, für den stationären Verkauf wurde jedoch eine neue Leitung notwendig.
Büchi: «Wir hatten super Personal an der Front, was unsere Kundinnen und Kunden immer wieder bestätigten.» Das manifestiert sich auch in den Google-Bewertungen mit dem Durchschnitt von 4,9.
Das Problem waren die Ladenleiterinnen und -leiter, die sich in den letzten 18 Monaten buchstäblich die Klinke in die Hand gaben. «Wir haben alles versucht», sagt Rouven Büchi, «Junge und Alte, erfahrene Detailhändler und Branchenneulinge – funktioniert hat leider nichts.»
Mehr als ein «herziges, kleines Lädeli»
Viele hätten die Komplexität des Jobs unterschätzt, ergänzt Anja Hardegger: «Man denkt, dass man dieses ‹herzige, kleine Lädeli› ohne grossen Aufwand führen kann. Aber so ist es nicht.» Denn die Gourmeteca ist mehr als ein «Lebensmittellädeli». Sie ist auch ein (saisonales) Geschäft für Geschenkartikel, ein Unverpackt-Laden, eine Wein- und Spirituosenhandlung, ein Lebensmittelimporteur und ein Café.
Gerade in den wärmeren Jahreszeiten ist das kleine Café mit dem lauschigen Aussenbereich auf dem Areal der Gärtnerei Ryffel eine grüne Oase mitten in Uster.
Die Idee für den Finefood-Handel war Feinschmecker Büchi einst in Spanien gekommen. Dort habe er vor einigen Jahren «coole Produkte kennengelernt und gedacht: Das könnte man auch in die Schweiz bringen», sagte er vor gut zwei Jahren in einem Podcast des ZO/AvU.
Entsprechend sichtbar und prominent platziert sind allerlei Produkte aus spanischen Oliven. Dazu kommen Pasta, Gewürze, Saucen, Süssigkeiten und Wein. Seit Oktober 2023 werden im hinteren Teil des Ladens auch Unverpackt-Lebensmittel und -Pflegeprodukte angeboten.
Als Büchi seine Gourmeteca im Jahr 2017 gründete, war sie als reiner Onlineshop gedacht. Das Finefood-Geschäft kam später dazu, nun wird sie wieder zum reinen Webshop.
Der Entschluss, den Laden zu schliessen, sei in den letzten Monaten gereift, erzählt Büchi: «Der Laden hat einfach zu viel Energie gekostet.» Energie, die er in seinem ebenfalls personell knapp besetzten IT-Geschäft braucht.
Ein Fünkchen Hoffnung
Bis Ende Januar ist die Gourmeteca noch von Donnerstag bis Samstag geöffnet. In dieser Zeit soll das Sortiment mit Rabatten an den Mann und die Frau gebracht werden. «Da steckt einiges an Kapital drin», sagt Büchi und zeigt mit einem breiten Grinsen auf das Weinregal hinter ihm: «Damit würde ich mir im Notfall ein paar schöne Abende machen …»
Den vier Teilzeitmitarbeitenden hat er auf Ende Monat gekündigt. Was danach mit dem Lokal geschieht, ist völlig offen: «Am liebsten wäre mir, wenn ich einen Nachfolger fände, der den Laden mitsamt dem Onlineshop übernimmt.»
Das wäre auch im Sinn von Sandra und Thomas Ryffel. Den Inhabern des gleichnamigen Büros für Landschaftsarchitektur gehört das lauschige Grundstück mitten in Uster und auch das Gebäude, in dem sich die Gourmeteca befindet. «Natürlich bedauern wir die Entwicklung», sagt Sandra Ryffel.
Die Synergien zwischen Laden, Café und Gärtnerei seien auch für sie wichtig gewesen: «Es wäre deshalb schön, wenn das Geschäft in einer ähnlichen Form weitergeführt würde.»