Von Biogas zu Beton: Baufirma speichert jetzt CO₂
Der Bauriese Bereuter in Volketswil hat eine Anlage gebaut, mit der Kohlendioxid in Abbruchbeton gespeichert werden kann. Das Aussergewöhnliche daran: Das CO₂ stammt vom Nachbarn.
Dass Kohlendioxid in recyceltem Abbruchbeton gespeichert werden kann, ist nichts Neues. Diese Technik wird bereits weltweit angewendet. Normalerweise muss das Kohlendioxid dazu von seiner Ursprungsquelle komprimiert, verflüssigt und über weite Distanzen transportiert werden. Nicht so in Volketswil: Die neue Anlage der Bereuter-Gruppe in Volketswil nutzt das CO₂ der benachbarten Biogasanlage.
«Dieser kurze Transportweg ist weltweit einzigartig», sagt Valentin Gutknecht, der Co-CEO der Firma Neustark. Das Unternehmen hat sich auf die CO₂-Speicherung in Bauabfällen spezialisiert und hat die Anlage realisiert. «Da das Kohlendioxid aus einem Umkreis von 50 Metern stammt, muss es nicht verflüssigt werden. Das spart sehr viel Energie.»
Die Anlage hat die Bereuter-Gruppe rund 1,1 Millionen Franken gekostet. CEO Adrian Thomann sagt: «Als Baufirma stehen wir wegen unserer Emissionen oft am Pranger. Deshalb tragen wir auch eine Verantwortung.» Das Binden von CO₂ in Beton sei ein wichtiger Fortschritt für die Kreislaufwirtschaft und habe sie überzeugt, diese Investition zu machen.
Einen Spaziergang entfernt
Die Anlage befindet sich auf dem Gelände der Bereuter-Gruppe in einer riesigen Halle. 50 Meter davon entfernt steht die Biogasanlage der Axpo. Bei der Vergärung der Biomasse wird dort Kohlendioxid produziert. Dieses Gas wird im Kamin abgeschöpft und in einem unterirdischen Metallrohr zur Speichermaschine transportiert.
In der Halle liegen zwei Berge mit Abbruchbeton-Granulat. Dieses wird mit einem Radlader in drei luftdichte Silos gefüllt. Von unten wird nun das Kohlendioxid eingepumpt, das in jede Pore des Betons dringt und die verbleibende Luft nach oben drängt. Das CO₂ reagiert mit dem Beton und wird an dessen Oberfläche zu Kalkstein – und so permanent gebunden. Valentin Gutknecht sagt: «Damit dieses Kohlendioxid wieder freigesetzt werden könnte, müsste der Beton auf 600 Grad Celsius erhitzt werden. Das ist eher unwahrscheinlich.»
Tonnenweise Kohlendioxid
Durch den Bindungsprozess kann die Bereuter-Gruppe jährlich rund 75'000 Tonnen Recyclingmaterial behandeln und dadurch 900 Tonnen CO₂ speichern. Dieser recycelte und mit Kohlendioxid angereicherte Beton wird von der Bereuter-Gruppe neu unter dem Namen BERECO2 verkauft. Der Verkauf von recyceltem Beton ohne Kohlendioxid wird dagegen ab Juli eingestellt.
«Dieser Schritt hat Mut gebraucht», sagt Bereuter-Geschäftsführer Alan Meister. «Denn recycelter und CO₂-behandelter Beton hat in der konservativen Baubranche einen schlechten Ruf.» Zu Unrecht, wie er findet. Denn technisch unterscheide er sich nicht von herkömmlichem Beton. Thomann ergänzt: «Wenn wir schon investieren, dann machen wir es richtig. Nun liegt es an uns, den Markt und die Politik von diesem Produkt zu überzeugen.»