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Bei dieser Keramikerin aus Saland kostet ein Teller 80 Franken

Von einem Handwerk leben: Das war vor gut zehn Jahren der Traum von Sibylle Brüngger aus Saland. Dank Keramik hat sie sich diesen erfüllt - und zwar so.

Die Werkstatt mit Töpferscheibe ist das Reich von Sibylle Brüngger.

Foto: Simon Grässle

Bei dieser Keramikerin aus Saland kostet ein Teller 80 Franken

Handwerk im Tösstal

Keramik ist für Sibylle Brüngger aus Saland kein Hobby. Sie lebt vom Verkauf ihrer handgemachten Produkte. Auch wenn diese einen stolzen Preis haben – sie weiss, was ihre Kundschaft will.

Schnell dreht sich die Töpferscheibe, Sibylle Brünggers Finger gleiten über den Ton. Sie weiss genau, wie sie ihn anfassen muss, um ihn zur Schale zu formen. Immer wieder blickt Brüngger nach vorne in einen Spiegel. «So kann ich die Form prüfen.»

Was die Handwerkerin macht, bezeichnet sie nicht als Töpfern. Sie ist Keramikerin und stellt in ihrer Werkstatt in ihrem Wohnhaus in Juckeren aus Ton vor allem Vasen und Geschirr her – nicht als Hobby, sondern als Beruf.

Vor etwas mehr als zehn Jahren ist sie mit ihrer Familie hierhergezogen. «Zu dieser Zeit wusste ich, dass ich noch etwas anderes machen möchte im Leben, um Geld zu verdienen.»

Ursprünglich absolvierte sie wie so viele eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete etliche Jahre im Büro. Die heute 53-Jährige war aber auf der Suche nach einer Aufgabe, bei der sie mit den Händen arbeiten kann.

Doch welches Handwerk genau? Brüngger wusste es zuerst nicht. «Ich hätte mir auch die Tätigkeit als Goldschmiedin vorstellen können», sagt sie, «oder als Schneiderin.»

Die Wahl fiel dann auf die Keramik: «Vielleicht, weil ich sehr naturverbunden bin.» Denn Ton ist ein Naturprodukt – auch wenn es viele unterschiedliche Arten gibt.

Ein Senkrechtstart

Mit dem unbändigen Wunsch im Hinterkopf, Keramik zu ihrem Beruf zu machen, richtete sie sich in ihrer Stube eine Werkstatt ein. «Ich wollte eigentlich von Anfang an meine Produkte auch verkaufen», sagt sie. «Das klingt vielleicht etwas überheblich, aber mir war das von Anfang an wichtig, und es hat auch geklappt.»

Sibylle Brüngger betreibt ein Keramikatelier in Saland und lebt von ihrem Handwerk.
Die Stube im Wohnhaus hat Sibylle Brüngger bereits vor Jahren zur Werkstatt umfunktioniert.

Brüngger hat dabei einiges ausprobiert: Zuerst arbeitete sie mit der sogenannten Plattentechnik – sie hat also ihre Produkte aus Tonplatten aufgebaut. Zudem hat sie selber Gipsformen hergestellt und flüssigen Ton gegossen, beispielsweise für Trinkbecher.

Schnell stellte sie aber fest, dass dies nicht der richtige Weg für sie ist. Nach rund einem Jahr hat sie dann zu drehen angefangen.

Drehen, das bezeichnet in diesem Fall die Arbeit mit der Töpferscheibe. Auf dieser kann Brüngger aus Ton runde, symmetrische Gefässe wie Vasen, Teller oder Schalen formen.

Denn auch wenn es einfach aussieht, die Arbeit mit der Töpferscheibe braucht flinke Hände. Es gibt sogar eine vierjährige Berufslehre dafür. Brüngger hatte ein paar Kurse besucht, um die Grundtechniken zu lernen. Später hat sie sich dann unzählige Videos im Internet angeschaut, um ihre Technik zu verfeinern. «Es ist eigentlich vergleichbar mit einem Instrument, man muss üben, üben, üben», meint Brüngger.

Die Kundschaft finden

Ihre Produkte verkaufte sie erstmals 2016 an einem Markt in Meilen. Doch Warenmärkte waren schnell nicht mehr das Richtige für sie. Brüngger musste feststellen, dass ihre Produkte nicht mehr zum Anlass passten. Oftmals seien die Leute auf der Suche nach einem Geschenk: «Ein ganzes Set Teller kauft niemand am Frühlingsmarkt in Grüningen.»

Und so hat sie sich eine neue Verkaufsplattform gesucht – und entschied sich, an speziellen Keramikmärkten teilzunehmen. Davon gibt es in der Schweiz einige. Brüngger fiel auf, wie hoch die Qualität der dort verkauften Keramik ist.

Dort findet sie die Kundschaft, die auf der Suche nach Produkten wie den ihren ist. Ausserdem erhält sie dort auch öfter Auftragsarbeiten. Denn auch wenn Geschirr in der Ikea für wenige Franken zu haben ist, gibt es immer noch einen Absatzmarkt für handgemachte Teller oder Tassen.

«In meinen Augen hat beides seine Daseinsberechtigung, industriell hergestellte Waren und Handwerk», betont Brüngger. «Aber handgemachte Produkte sind schon etwas anderes als das, was man im Grosshandel kaufen kann.»

Ihr ist bewusst, dass sich nicht jeder Keramik leisten kann. So kostet ein Speiseteller 80 Franken, ein Becher je nach Grösse rund 40 Franken, und für eine Tasse zahlt man 60 Franken. «An dieser den Henkel zu befestigen, ist sehr aufwendig», erzählt die Keramikerin.

Die Arbeit an der Drehscheibe ist oft nur der kleinste Teil. Nach dem Trocknen steht das sogenannte Abdrehen an, Brüngger entfernt dabei die letzten Unreinheiten. Ausserdem muss sie den Boden gerade schleifen, damit er die Auflagefläche nicht zerkratzt.

Im Anschluss glasiert sie die Stücke, bevor sie in den Brenner kommen. Einen Teller mit Goldrand muss Brüngger beispielsweise dreimal brennen. Im Keller ihres Hauses stehen deshalb gleich zwei Öfen.

Neue Pläne mit Porzellan

Die Keramikwerkstatt sichert nun ihren Verdienst. Seit 2020 ist Brüngger auch Mitglied im Berufsverband, vor vier Jahren hat sie auch ihren letzten Nebenjob in einer Schule aufgegeben.

«Und solange ich jeden Monat meinen Beitrag in die Familienkasse zahlen kann, dann stimmt es.» Auch wenn sie weiss: «Wenn ich meinen Stundenlohn ausrechnen würde, würden einige sagen: ‹Für diesen Lohn mache ich keinen Bleistiftstrich.›»

Ihr ist das egal. Aktuell renoviert die Familie ihr Wohnhaus – Brüngger erhält dann eine neue Werkstatt im Anbau. Dort hat sie mehr Platz und will ein Kursangebot aufbauen. Zudem will sie dann auch vermehrt mit Porzellan arbeiten.

Die weisse Tonart gilt bis heute als besonders edel. Und Geschäftsfrau Brüngger weiss: «In der gehobenen Gastronomie ist Porzellangeschirr sehr gefragt.»

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