R&M in Wetzikon verbessert sich in allen Segmenten
Erholung in wichtigen Märkten
Der Wetziker Industriekonzern R&M erholt sich vom Taucher 2023 und liefert ansprechende Jahreszahlen 2024.
Die Krise im Telekommunikationsmarkt hatte R&M 2023 voll erwischt. Der Umsatz war zweistellig gesunken, das Ebit (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) ebenfalls. Dazu kamen Restrukturierungskosten in ungenannter Höhe. Einen Reingewinn gibt das Wetziker Unternehmen jeweils nicht bekannt. Das Familienunternehmen ist nicht börsenkotiert und daher sehr frei in der Entscheidung, was und wie es kommunizieren will.
Für das Geschäftsjahr 2024 jedenfalls hält R&M wieder durchaus erfreulichere Nachrichten bereit. Der Taucher von 2023 ist zwar noch nicht ganz überwunden, aber der Hersteller von Infrastrukturlösungen für Daten- und Kommunikationsnetze ist zurück auf dem Wachstumspfad.
Die R&M-Gruppe feierte im vergangenen Jahr ihren 60. Geburtstag und tat das in einem aufgehellten Marktumfeld. Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von 267,2 Millionen Franken, was einem Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Wechselkursbereinigt beträgt das Wachstum 5,6 Prozent. Der Betriebsgewinn (Ebit) stieg um 41 Prozent auf 8,8 Millionen Franken.
R&M (Reichle & De-Massari AG) ist eine weltweit tätige Unternehmensgruppe auf dem Markt der ICT-Netzwerkinfrastrukturen mit Sitz in Wetzikon. Das 1964 gegründete Familienunternehmen bietet Gesamtlösungen für Kommunikations- und Datennetze an. Es handelt sich um komplette Infrastrukturen aus Serverschränken, Verkabelungssystemen, Plattformen, Stromverteilern, Kühlsystemen, Sensorik sowie Software.
Zu den Einsatzgebieten zählen LAN und Smart Buildings, Telekommunikation, Fiber to the Home, Fiber to the Antenna/5G, Rechenzentren, Transport und Green Energy.
R&M ist in über 40 Ländern durch lokale Marktorganisationen vertreten und betreibt eigene Produktionsstätten an zahlreichen globalen Standorten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 1700 Mitarbeitende. (zo)
Der Start ins Jahr sei verhalten gewesen, sagt CEO Michel Riva. Im zweiten Halbjahr hätten sich die Geschäftsaktivitäten aber in fast allen Regionen merklich verbessert: «Das Wachstum war somit breit abgestützt, entwickelte sich aber in den einzelnen Geschäftsfeldern und Märkten heterogen. Insgesamt erholten sich die Märkte langsamer als erwartet.»
Gute Ergebnisse in der Schweiz und in Deutschland
Heterogen ist das Bild in Europa, dem wichtigsten Markt für R&M: Auf den beiden umsatzstärksten Märkten Schweiz und Deutschland erreichte das Unternehmen gute Ergebnisse. In wichtigen osteuropäischen Ländern war der Absatz rückläufig. Dafür glänzten Belgien, Spanien und Skandinavien mit zweistelligen Wachstumsraten.
Ein Umsatzplus von 30 Prozent erreichte R&M in Brasilien, in Indien wuchs das Unternehmen um 25 Prozent. Die Resultate in den USA haben sich stabilisiert. Hier rechnet R&M aufgrund des Booms in der künstlichen Intelligenz (KI) in Zukunft mit guten Geschäften in der Ausrüstung von Rechenzentren. Doch die Situation in Nordamerika bleibt aufgrund der politischen Unwägbarkeiten herausfordernd (siehe Interview).
Das bedeutendste Ereignis im Berichtsjahr war die Inbetriebnahme des neuen Fiberoptik-Werks bei Bangalore in Indien im Mai 2024. Es ist mit 430 Beschäftigten die mittlerweile grösste Produktionsstätte der Gruppe. Weltweit beschäftigt R&M mehr als 1700 Mitarbeitende.

«R&M positioniert sich erfolgreich in neuen Wachstumsgebieten. Mit dem integrierten Ansatz können wir schnell auf unterschiedliche Kundenbedürfnisse reagieren und abgestimmte Lösungen aus einer Hand anbieten», betont Michel Riva.
Trotz herausforderndem Umfeld sieht man sich bei R&M auf Kurs. Im Geschäftsbericht wird dabei namentlich der 5G-Mobilfunk erwähnt. Für die Anbindung der 5G-Antennen an Glasfasernetze hat R&M ein komplettes Verkabelungsprogramm entwickelt, das international gut nachgefragt werde.
Grosse Fortschritte habe man im Markt mit Rechenzentren gemacht und könne heute ganzheitliche, komplexe Infrastrukturlösungen realisieren. Und auch für den Zukunftsmarkt der Smart Buildings sei man mit innovativen Lösungen gut aufgestellt.
Goldmedaille von Ecovadis
Stolz ist man bei R&M auf das Engagement im Bereich Nachhaltigkeit. Die weltweit tätige Ratingagentur Ecovadis hat das Wetziker Unternehmen 2024 mit dem Gold-Zertifikat für Nachhaltigkeit in den Bereichen Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik und Beschaffung ausgezeichnet.
Michel Riva: «Strafzölle sind eine Herausforderung»
Herr Riva, vor einem Jahr haben Sie uns im Interview gesagt, dass R&M Produktionsstandorte in den USA geschlossen und nach Mexiko verlagert hat. Welche Bedeutung haben die Zollschranken, die die USA aufbauen, für Ihr Business in Nordamerika?
Michel Riva, CEO R&M: Die Lieferungen aus Mexiko funktionieren reibungslos, und wir haben unsere Ziele 2024 erreicht. Strafzölle können die Situation beeinflussen und stellen eine Herausforderung für uns und unsere Marktbegleiter dar. Je nach Ausprägung haben wir entsprechende Handlungsoptionen entwickelt. Die sich fast täglich ändernde Situation macht es schwierig, kurzfristig zu reagieren.
Im Geschäftsbericht 2024 von R&M ist zu lesen, dass die Nachfrage im Bereich Telekommunikation nach wie vor schwach sei. Huber+Suhner aus Pfäffikon hat seine Jahreszahlen vor wenigen Tagen bekannt gegeben und ist exakt in diesem Bereich um ein Viertel gewachsen. Was läuft bei R&M falsch?
Da läuft nichts falsch. In den Märkten, in denen wir aktiv sind, haben wir uns mit dem Markt oder besser entwickelt. Der Telekommunikationsmarkt ist stark von Grossprojekten geprägt und kann in einzelnen Jahren zu starken Schwankungen im positiven oder negativen Bereich führen. Ein Vergleich mit einem einzelnen Wettbewerber ist daher differenziert zu betrachten. Für uns steht im Vordergrund, wie wir uns im Vergleich zum Markt entwickeln.
In Indien haben Sie in den Bereichen 4G und 5G einen Grossauftrag an Land gezogen. Gleichzeitig haben Sie ein Werk in Bangalore neu gebaut, während die Lage in China schwierig bleibt. Wird Indien das neue China?
Das Marktumfeld in Indien für den Telekommunikations- und Rechenzentrumsmarkt schätzen wir für die nächsten Jahre als sehr positiv ein. Wir erwarten deutlich höhere Wachstumsraten als in China. Auch geopolitisch ist Indien weniger risikobehaftet.
Lässt sich schon etwas zum Geschäftsjahr 2025 sagen?
Der Geschäftsgang bleibt herausfordernd und wird weiterhin von wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt sein. Für Prognosen ist es noch zu früh.