Genusswerk Turbenthal hat Chancen auf Winterthurer Unternehmenspreis
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Was der Oscar für die Filmindustrie ist, ist der KMU-Max für das Winterthurer Gewerbe. Gemeinsam mit sechs anderen Nominierten kämpft das Genusswerk Turbenthal um den Finaleinzug.
Die Freude bei Marco und Nicole Ariano ist gross. Ihr Genusswerk in Turbenthal wurde für den Unternehmerpreis KMU-Max der Region Winterthur nominiert. «Wir waren überwältigt, dass unser noch junges Unternehmen unter die Top 7 gekommen ist», erinnern sie sich an den Moment, als sie den Anruf von der Jury erhielten.
Seinen Gewerbe-Oscar verleiht der KMU-Verband Winterthur und Umgebung heuer zum 15. Mal. Von der Nominierung hatten die Arianos bereits letzte Woche erfahren, mussten jedoch Stillschweigen bewahren, bis die offizielle Bekanntgabe erfolgte.
Ein Haus mit langer Tradition
Das Genusswerk, eine Bäckerei mit Café, befindet sich im markanten roten Haus an der Tösstalstrasse vis-à-vis der Migros. Über drei Generationen war das Gebäude als Ehriker Beck bekannt.
2023, nach 24 Jahren, war schliesslich Schluss. Hanna und Andreas Hofer übergaben ihr Geschäft in neue Hände. Die Filiale in Russikon ging an die Bäckerei und Konditorei Vuaillat, in Turbenthal übernahmen die Brüder Dario und Marco Ariano das Zepter.
Die beiden stammen aus dem Tösstal und sammelten bereits als Kinder erste Gastro-Erfahrungen. Ihre Familie betrieb den Turbenthaler «Bären», die Zeller «Ilge» und das Restaurant Löwen in Rikon. Marco Ariano, gelernter Koch, ist ausserdem der Gründer der Mikrobäckerei Otto e Nove in Kollbrunn.
Unter der Leitung der Brüder startete das Genusswerk seinen Betrieb. Mittlerweile hat sich Dario Ariano zurückgezogen und hilft nur noch sporadisch mit. Nun führt Marco Ariano das Geschäft zusammen mit seiner Frau Nicole.
Mit aussergewöhnlichen Leistungen punkten
Bereits bei der Übernahme war klar, dass nicht alles auf den Kopf gestellt werden soll. Der Plan war, die Persönlichkeit des Ehriker Becks zu erhalten und unter neuem Namen weiterleben zu lassen.
Ein Ansatz, der bei der Kundschaft offenbar Anklang findet – denn Chancen auf den Unternehmerpreis hat laut dem KMU-Verband nur, wer mit Sympathie und aussergewöhnlichen Leistungen bei der Bevölkerung punkten kann. Diese hatte bis Mitte Februar Zeit, KMU aus dem Bezirk Winterthur zu nominieren.
Unter den 200 Vorschlägen war auch das Genusswerk. «Es ist wirklich ein tolles Gefühl und zeigt uns, wie sehr unsere Kunden uns unterstützen und schätzen», sagt Nicole Ariano. Auch die nächste Hürde schaffte der Turbenthaler Jungbetrieb.
Die siebenköpifige Jury wählte ihn zusammen mit sechs weiteren Unternehmen für die nächste Runde aus. Ein wichtiges Kriterium sei dabei gewesen, mit welcher Begründung eine Nominierung eingegangen sei, erklärt Jury-Präsidentin Désirée Schiess auf Anfrage. Wie diese für das Genusswerk genau lautet, will sie nicht verraten.
Möglichst viele «Fans» mobilisieren
In der jüngsten Zeit wäre es nicht das erste Mal, dass der Preis ins Tösstal geht. Vor zwei Jahren holte sich die Metzgerei Jucker aus Kollbrunn die Trophäe und die Siegesprämie von 3000 Franken. Ob das Genusswerk Turbenthal es ihr gleichtun kann, wird sich am 14. Mai weisen. Dann findet im Casinotheater Winterthur die Award-Verleihung statt.

Vorgängig entscheidet die Bevölkerung mittels Online-Voting, welche drei Unternehmen den Finaleinzug schaffen. Dieses läuft bis am 10. April. «Wichtig ist jetzt, dass das Genusswerk möglichst viele ‹Fans› mobilisiert, die für sie abstimmen», sagt Jury-Präsidentin Schiess.
Auf ihrem Instagram-Kanal haben die Betreiber aus Turbenthal bereits dazu angesetzt und ihre Follower zum fleissigen Voting aufgerufen. Die Arianos bleiben aber realistisch: «Wir sehen uns eher als Aussenseiter, da wir die einzigen ‹Nicht-Winterthurer› sind und unser Unternehmen noch eher am Anfang steht.»
Allzu viel Hoffnung auf einen Finaleinzug oder gar den Titel haben sie daher nicht. Trotzdem machen sie sich Gedanken darüber, was ein Sieg für das Genusswerk bedeuten würde. «Wir sind so weit gekommen, weil wir sind, wie wir sind», sind die beiden überzeugt. «Daher sollten wir nicht viel ändern und an unseren Grundwerten festhalten.»