So lebt Michelle Baumgartner in Wila mit Beton ihre Leidenschaft
Aus der Garage zum Onlineshop-Erfolg
Michelle Baumgartner zeigt, wie Kreativität zum Business werden kann. Angefangen hat sie mit Betonfiguren, heute betreibt sie auch einen erfolgreichen Onlineshop – und kann sich sogar gegen Konkurrenz aus China behaupten.
Michelle Baumgartner hat geschafft, wovon viele träumen. Was mit einem Kunsthandwerk-Hobby angefangen hat, ist heute ihr Beruf.
«Ich habe die Töpferkunst in Südamerika kennengelernt, welche ich danach sieben Jahre ausübte», erzählt die Wilemerin. Doch als ihre Kinder noch klein waren, fehlte ihr die Zeit für das Hobby. «Töpfern ist sehr aufwendig, da man alles auch noch brennen muss», sagt sie.
Dank einer Bekannten ist sie auf eine andere Tätigkeit aufmerksam geworden: Figuren aus gegossenem Beton herzustellen. Baumgartner war von der Sache angetan und probierte ihr erstes Werk aus. Das war vor zwölf Jahren.
Heute betreibt sie einen Selbstbedienungsladen in Wila, verkauft ihre Kreationen an Märkten und im Internet, bietet Kurse an und betreibt einen Onlineshop für Giessformen. «Reich wird man nicht, aber ich kann davon leben», sagt sie nicht ohne Stolz.
Vor einigen Jahren spielte sie kurzzeitig mit dem Gedanken, sich wieder einen Job im Büro zu suchen. Stattdessen setzte sie voll und ganz auf ihr Geschäft, das sie sich in den letzten zehn Jahren aufgebaut hatte, die Beton-Garage. Der Name ist dabei Programm. Die Betonfiguren stellt Baumgartner nämlich seit je in der Garage unter ihrem Haus her.
Mehr Interesse für Formen als für Figuren
Damals, im Sommer 2015, eröffnete sie das Betonhüsli, ihren Selbstbedienungsladen. Dass sie ihre Werke eines Tages auch verkaufen wird, konnte sie sich zunächst aber noch nicht vorstellen.
«Es war einfach ein Hobby», sagt sie. Aber aus ihrem Umfeld kamen immer wieder Fragen, ob sie nicht doch auch auf Auftrag Objekte herstellen könnte.



Sie sagte zu – und kam auf den Geschmack, ihre Objekte auch zu verkaufen, sei es an Märkten oder über die sozialen Medien. Beides sind bis heute wichtige Verkaufsplattformen für die 50-Jährige.
Doch überraschenderweise interessierten sich nicht alle für ihre fertigen Objekte. «Immer wieder wurde ich nach der Giessform gefragt», erzählt Baumgartner. Am Anfang hat sie das irritiert – doch daraus entstand die Idee, auch die Formen zu vertreiben und einen Onlineshop zu starten.
«Ich war zuerst skeptisch», gibt sie zu. Doch ihr Umfeld ermutigte sie, es doch einfach einmal auszuprobieren. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut.
Keine «Geschäftsgeheimnisse»
«Der Shop macht heute etwa 90 Prozent des Umsatzes aus», sagt sie. Es gebe Tage, an denen bringe sie 30 bis 40 Päckli zur Post. In der Zwischenzeit bietet sie im Shop nicht nur Giessformen, sondern unter anderem auch Werkmaterialien und Wohnaccessoires an.
Baumgartner kann sich trotz harter Konkurrenz aus dem Ausland – darunter auch chinesische Onlinegiganten wie Aliexpress oder Temu – in ihrer Nische behaupten. Sie ist überzeugt, dass das am Bewusstsein der Kundschaft liegt. Und an der Qualität: «Alle Formen, die ich im Shop anbiete, habe ich vorher getestet.»
Auch Beratung gehört bei ihr dazu. «Geschäftsgeheimnisse» kennt Michelle Baumgartner nicht. «Ich gebe gerne Auskunft, mit welchem Beton die Projekte am besten gelingen», sagt sie. «Und wenn jemand Probleme mit einer Form hat, dann helfe ich auch gerne weiter.»
Treue Kundschaft aus dem Berner Oberland
Die meisten Formen, die Baumgartner verkauft, sind aus Silikon. Einige besorgt sie direkt bei grösseren Herstellern, viele sind jedoch von Hand abgeformt. Und manche lässt sie nach Wunschmotiven von einer Künstlerin modellieren.
Seit 2019 besitzt sie aber auch eine sogenannte CNC-Maschine, mit der sie ihre eigenen 2-D-Giessformen herstellen kann. Am Computer kann sie so eigene Schriftzüge und Sujets generieren, die die Maschine dann millimetergenau umsetzt – und zwar aus Styrodur. Das ist ein Baumaterial, das beispielsweise für Dämmungen eingesetzt wird.
Die Formen aus Styrodur geniessen bei ihrer Kundschaft grosse Beliebtheit, besonders gross ist das Interesse an Kuhformen. «Dort habe ich auffallend viele Bestellungen aus dem Berner Oberland, wo beispielsweise auch Edelweisse aus Beton sehr beliebt sind», sagt sie lachend.



Und auch wenn der Verkauf der Formen für Baumgartner die wichtigste Einkommensquelle ist: Die Arbeit mit Beton ist und bleibt ihre grosse Leidenschaft.
Noch immer steht sie mehrmals pro Woche in ihrer Beton-Garage unter ihrem Wohnhaus und giesst ihre Betonwerke. Nach dem Trocknen, das 28 Tage dauert, müssen diese dann noch geschliffen werden.

Dass die Freude am Werken mit Beton abflacht, glaubt sie nicht. «Es ist ein genialer Baustoff, der vielseitig eingesetzt werden kann – ob als Innendekoration oder als wetterfeste Gartenobjekte», meint sie und fügt an: «Beton macht einfach glücklich.»
