Wie sich eine Sägerei aus Wila auf dem Markt behauptet
Betrieb der Familie Bachmann
Die Familie Bachmann führt ihre Sägerei mit Leidenschaft und regionalem Fokus. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, setzt sie auf spezielle Produkte.
Beim Betreten der Produktionshalle fällt auf: Es ist laut bei der Sägerei Bachmann. Sofort steigt einem der Geruch von frischem Holz in die Nase.
Hier, am Ortsrand von Wila, wird seit 1864 Holz verarbeitet. 1914 übernahm die Familie Bachmann den Betrieb – und das ist bis heute so. Seit 2017 sind Hansueli und Daniel Bachmann und Elisabeth Moser-Bachmann am Drücker – die vierte Generation.
Insgesamt sind 15 Personen in der Sägerei tätig und sorgen dafür, dass aus den angelieferten Baumstämmen verschiedene Holzprodukte entstehen – von Brettern über Bauholz bis zu keilgezinktem Holz. Letzteres bezeichnet eine Methode, wie man Holzstücke verbinden kann und damit längere Bretter oder Balken herstellt.
Viele Arbeiten werden durch Maschinen erleichtert. «In einer Sägerei zu arbeiten, ist aber immer noch eine körperliche Arbeit», betont Moser. Obwohl das Berufsfeld – noch – eine Männerdomäne ist: Bei Bachmanns arbeitet auch eine Sägerin.




Elisabeth Moser und Hansueli Bachmann sind stolz auf dieses breite Angebot. «Ausserdem können so unsere Lernenden ihre ganze Lehrzeit bei uns absolvieren», sagt Moser, «weil sie mit allen nötigen Verarbeitungsarten vertraut sind.»
Palette für die Feuerwehr
Die meisten Produkte der Sägerei sind für die Weiterverarbeitung bestimmt. Es gibt aber auch Ausnahmen – beispielsweise Holzpaletten. Diese haben einen interessanten Abnehmer, sie sind für die Feuerwehr bestimmt. Laut Bachmann eignen sie sich gut für Feuerwehrübungen in den Brandhäusern.
Feuerwehrleute dürfen dafür aber nicht bereits ausrangierte Paletten benutzen, da diese unter Umständen mit problematischen Chemikalien in Berührung kamen und unkontrolliert brennen können. Und so sind die neuen Produkte frisch ab Wilemer Werk eine geeignete Alternative. Was nach einer Kuriosität klingt, ist für Familie Bachmann ein wichtiger Geschäftszweig.
Region ist Trumpf
Insgesamt verarbeitet die Sägerei pro Jahr 9000 bis 10’000 Kubikmeter Rundholz. Hinter dem Begriff steckt ein Baumstamm, der von Ästen gesäubert wurde.
Zum Vergleich: Auf einen Lastwagen passen etwa 23 Kubikmeter Holz, wie Hansueli Bachmann erklärt. 9000 Kubikmeter entsprechen damit 400 prall gefüllten LKWs.
Das Holz stammt, wenn immer möglich, aus der Region – und wird wieder an lokale Betriebe wie Zimmereien, Schreinereien und Baugeschäfte, aber auch an Private, geliefert. «Es ist uns sehr wichtig, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt», betont Elisabeth Moser.
Die Sägerei will sich damit in einem stark umkämpften Markt behaupten – und die Inhaber sind überzeugt, dass regionales Holz viele Vorteile bringt. Die Lieferketten sind bekannt, die Wege kurz. Um dieses Vorgehen bekannter zu machen, hat das Unternehmen 2014 zusammen mit dem Holzbauunternehmen Schindler & Scheibling sowie der Sägerei Egli Holz aus Bäretswil das Label «Holzo» ins Leben gerufen. Ziel ist, das Holzgewerbe in der Region zu stärken.
Denn die Konkurrenz aus dem Ausland ist gross. Gleichzeitig stellen auch die Preise für regionales Holz das Wilemer Traditionsunternehmen immer wieder vor Herausforderungen.
Holz wird in der Regel im Winter geschlagen. Die Sägerei kauft deshalb in der Regel Anfang Jahr ihren Jahresbedarf ein. «Es ist immer wie Kaffeesatz lesen», meint Moser über die Preissituation. «Es ist ein Auf und Ab.»
Im Moment rechnet Moser damit, dass bald ein Mangel an Rundholz entstehen könnte. Es gab aber auch schon Jahre mit einem grösseren Überschuss.
Problem: die Gewässer
Mit diesen Unsicherheiten weiss die Sägerei Bachmann umzugehen. Etwas mehr Kopfzerbrechen bereitet Elisabeth Moser und Hansueli Bachmann die Lage der Sägerei. «Für unseren Betrieb brauchen wir einfach viel Lagerplatz», sagt Bachmann. Denn das Holz muss nach der Verarbeitung oft noch an der Luft trocknen.
Den nötigen Platz hat die Sägerei – eigentlich. Ein Problem sind die Gewässer. So fliesst der Aegetswilerbach durch das Gelände des Unternehmens. Was vor Jahrzehnten das Überleben dank der Wasserkraft sicherte, wird immer mehr zur Belastung.
«Es gibt so viele Auflagen und Regeln an Gewässern, wie beispielsweise zu den Abständen», sagt Moser kopfschüttelnd. Auch die geplante Revitalisierung der Töss ist mit grossen Unsicherheiten für das Unternehmen verbunden, auch wenn der Kanton das Projekt für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt hat.
Eine mögliche Variante, die zwar verworfen wurde, sah dabei sogar die Verlegung der Sägerei vor – für die Familie eine existenzielle Bedrohung.
Trotz allem sind Moser und Bachmann zuversichtlich, dass die Sägerei Bachmann sich auch in Zukunft behaupten kann – und zwar als Familienbetrieb. Die nächste Generation arbeitet bereits in der Sägerei mit.
