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Ein Leben für den «Obstgarten»: Aber wie geht es mit dem Restaurant weiter?

Seit fast 50 Jahren führt Hedi Werren den «Obstgarten» mit Herz und Hingabe – doch wie geht es mit ihrem Lebenswerk weiter?

Hedi Werren hat kürzlich ihren 80. Geburtstag gefeiert – nun denkt die Wirtin daran, wie es mit dem «Obstgarten» weitergeht.

Foto: Simon Grässle

Ein Leben für den «Obstgarten»: Aber wie geht es mit dem Restaurant weiter?

Spezieller Gasthof in Oberlangenhard

Handwerker, Geburtstagskinder und die norwegische Königin – Hedi Werren hat sie in ihrem «Obstgarten» alle bewirtet. Jetzt braucht es für den speziellen Gasthof eine Nachfolgelösung.

Wer mit Hedi Werren spricht, der merkt sofort: Die 80-Jährige ist mit Leib und Seele Gastgeberin. Und das im «Obstgarten» in Oberlangenhard, einer Aussenwacht der Gemeinde Zell. Hier ist sie aufgewachsen, das alte Haus ist seit 135 Jahren im Besitz ihrer Familie.

«Unter meinen Eltern war es noch eine Bauernbeiz», erinnert sie sich. Gleichzeitig führten sie noch bis Anfang der Siebzigerjahre einen Landwirtschaftsbetrieb.

Man sieht eine Familie mit Kuh im Schnee.
Der «Obstgarten» zirka 1920. Der Bub neben dem Schlitten ist der Vater von Hedi Werren. Der Mann rechts bei der Kuh ist der Knecht.

Schon früh musste Hedi Werren beim Wirten aushelfen und sammelte so praktische Erfahrung in der Gastronomie, die sie später als Saisonniere an verschiedenen Orten vertiefte.

Und so war für sie klar, wohin ihr Weg führt: 1975 übernahm sie mit ihrem damaligen Mann das Ruder im «Obstgarten», der sich auch zum beliebten Ausflugsziel für Spaziergänger und Ausflügler entwickelte.

Seine Blütezeit war aber einige Jahre später. Werren hatte sich von ihrem Mann getrennt und führte das Restaurant nun zusammen mit ihrem neuen Lebenspartner. Dieser leitete gleichzeitig ein erfolgreiches Sanitärunternehmen in Winterthur – und war am Wochenende Küchenchef.

«Wir haben damals verrückte Essen gekocht», erzählt die Wirtin. Entweder haben sie selber zu speziellen Anlässen eingeladen, oder die Gäste feierten ein Fest im Restaurant, wie Hochzeiten oder Konfirmationen.

Auch wenn das Restaurant in der Regel nur von Freitag bis Sonntag geöffnet hatte, war es für Werren ein Vollzeitjob. «Ich musste während der Woche vieles vorbereiten.»

Eine Vordenkerin

Frische, wenn möglich biologische Zutaten waren für die Wirtin schon immer eine Herzensangelegenheit. «Ich war schliesslich in der Region eine der Ersten, die Pro Natura beigetreten sind», sagt sie nicht ohne Stolz. Auch wenn diese umweltfreundliche Einstellung bei einigen Landwirten in der Region nicht immer gut ankam. Werren blieb auch in anderen Belangen ihren Überzeugungen stets treu.

Da ihr Vater an Lungenkrebs litt, wurde sie zur Vordenkerin: Bereits in den Siebzigerjahren gab es im «Obstgarten» keine Zigaretten mehr zu kaufen. «Rauchen durfte man aber noch.»

Dem Restaurant schadete diese Einstellung nicht – im Gegenteil. Die Gaststube war immer gut besucht.

«Wir mussten nie Werbung machen.» Von dieser intensiven Zeit zeugen zahlreiche Fotoalben, die in der Gaststube liegen.

Ein besonderer Schnappschuss, den sie aber nicht öffentlich zeigen will, gelang Werren 1997. Damals war niemand Geringeres als Königin Sonja von Norwegen zu Gast im «Obstgarten», als Privatperson und auf Einladung eines Winterthurer Unternehmers. «Ich erkannte sie gar nicht. Man hat mir gesagt, dass ein hoher Gast kommt, aber nicht, wer.»

Als sie dann im Bilde war, liess sie es sich nicht nehmen, ein Foto von ihrer Wohnung aus im ersten Stock zu schiessen – von der königlichen Hoheit in Jeans und weisser Bluse. Auch ans Menü kann sich die Gastgeberin bis heute erinnern: einen Tösstaler Chrütlibrate aus dem Heissluftofen – es ist eine Spezialität von Werren, die sie bis heute gerne auftischt.

Zukunft als Event-Location?

Die Ära der grossen Events und «verrückten Menüs» endete 2005 mit der Trennung von ihrem Partner. Kurzzeitig entschied die Wirtin, auch unter der Woche zu öffnen und Mittagsmenüs anzubieten. Unterstützt wurde sie bei diesem Unterfangen von zwei Kolleginnen. Es lief gut, aber es war schwierig, das Lokal rentabel zu betreiben. Nach zwei oder drei Jahren, Werren weiss es nicht mehr genau, war schon wieder Schluss.

Seither öffnet sie den Gasthof nur noch jeweils am ersten Mittwoch im Monat sowie auf Voranmeldung für Anlässe. Für diese hat sie eine Köchin aus Turbenthal eingestellt, die ihr auf Abruf unter die Arme greift.

Kürzertreten will Werren das aber nicht nennen – und zeigt auf den grossen Garten hinter dem Haus, wo 30 Obstbäume wachsen, die gepflegt werden müssen. Unterstützung erhält sie seit vielen Jahren von einem pensionierten Pärchen.

Trotzdem ist ihr bewusst, dass ihre Zeit im Gasthof irgendwann zu Ende geht. Im vergangenen Dezember, kurz vor Weihnachten, feierte sie ihren 80. Geburtstag – natürlich im «Obstgarten». Ein Alter, in dem sie nicht mehr jede Woche einen Anlass schmeissen möchte.

Riegelhaus von aussen
Hedi Werren macht sich Gedanken über die Zukunft des «Obstgartens».

Dass die beiden Söhne nicht in ihre Fussstapfen treten werden, steht bereits fest. Eine Nachfolge für ein Restaurant zu finden, das nur auf Bestellung öffnet, ist nicht einfach. Ob sich das in der heutigen Zeit überhaupt jemand aufbürden möchte?

Werren weiss es nicht – und macht sich Gedanken für mögliche Alternativen. Sie kann sich beispielsweise vorstellen, dass ein Cateringunternehmen den «Obstgarten» übernimmt und ihn als Event-Location nutzt. «Aber das muss dann schon ein gutes Cateringunternehmen sein», sagt Werren.

Doch so ganz wohl scheint ihr noch nicht bei dem Gedanken. Und so lange wie möglich will die 80-Jährige auch noch Gastgeberin bleiben. «Der ‹Obstgarten› ist mein Lebenswerk.»

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