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Wirtschaft

Sie übernehmen den Pizzakurier im «Schwiizer Stübli» in Wetzikon

Mazlum und Sandy Özer wagen mit dem Pizzakurier Wetzikon den Start in die Selbstständigkeit. So wollen sie im hart umkämpften Markt überzeugen.

Mirjam Pimenta dos Santos freut sich, dass Mazlum und Sandy Özer den Pizzakurier im «Schwiizer Stübli» übernommen haben.

Foto: Bettina Schnider

Sie übernehmen den Pizzakurier im «Schwiizer Stübli» in Wetzikon

Pizzakurier Wetzikon hat neue Pächter

Zum «Schwiizer Stübli» in Wetzikon gehört seit jeher ein Pizzalieferdienst. Doch als der letzte Betreiber aufhörte, war unklar, ob es weitergeht. Bis Sandy und Mazlum Özer bei der Barbetreiberin anklopften.

Es ist keine übliche Kombination: eine Bar, in der ein Pizzakurier eingemietet ist. Doch genau das trifft auf das «Schwiizer Stübli» an der Bahnhofstrasse in Wetzikon zu.

Anfang 2020, kurz nach der Schliessung des «Schweizerhofs» am Bahnhof, eröffnete Mirjam Pimenta dos Santos das Lokal. Sie war vorher Servicefachfrau in der Intermezzo-Bar, die sich im Gebäude des «Schweizerhofs» befand.

Mit von der Partie bei ihrem Start als Barbetreiberin war auch Artan Nuredini, der ehemalige Pächter des Lokals am Bahnhof. Er führte im Keller der Bar seinen Pizza-Service vom «Schweizerhof» weiter.

Wirtschaftlich sind der Pizzakurier und die Bar getrennt. «Aber wir haben seit jeher auf engstem Raum zusammengearbeitet», erklärt die Barbetreiberin. «Die Zusammenarbeit mit Artan war super.»

Ins Schwärmen kommen

Doch im Jahr 2022 wollte sich Nuredini auf andere Geschäftsfelder konzentrieren. Mit seinem Nachfolger war die Zusammenarbeit weniger eng. Als dieser sich entschloss, seinen Betrieb ebenfalls einzustellen, wollte Pimenta dos Santos nicht unbedingt einen neuen Betreiber und Untermieter suchen.

Erst wollte sie die Küche selbst nutzen. Doch dann wurden Mazlum und Sandy Özer bei ihr vorstellig. Mazlum Özer hat in den vergangenen Jahren sein Handwerk in diversen italienischen Restaurants erlernt. «Er ist ein wirklich erfahrener Pizzaiolo», schwärmt Pimenta dos Santos.

Am 1. Oktober haben Özers den Betrieb im Keller des «Schwiizer Stübli» aufgenommen. Den Namen Pizzakurier Wetzikon haben sie dabei von ihren Vorgängern übernommen. «Ich erfülle mir damit einen Traum», sagt Mazlum Özer. Für ihn ist es der Sprung in die Selbständigkeit. Ihm kommt es dabei gelegen, dass er die Infrastruktur von seinem Vorgänger übernehmen konnte.

Frau ist in der «Lehre»

Bei seinem Abenteuer kann er auch auf Unterstützung seiner Frau Sandy zählen. «Ich bin jetzt in der Lehre», sagt sie. Im Gegensatz zu ihrem Mann hat sie bisher keine Erfahrungen in der Gastronomie – und muss sich jetzt an ihre neue Aufgabe herantasten.

Man sieht einen Mann und eine Frau vor einem Pizzaofen.
Mazlum Özer bringt Erfahrung als Pizzaiolo mit, seine Frau Sandy will sich nun das nötige Handwerk aneignen.

«Für mich war von Anfang an klar, dass ich meinen Mann bei der Erfüllung seines Traums unterstützen will.» Dafür hat sie auch ihren angestammten Beruf in der Kinderpädagogik an den Nagel gehängt – zumindest vorübergehend. «Ich kann jederzeit wieder anfangen», betont sie.

Im Moment hat sie aber andere Prioritäten. Während ihr Mann vor allem für die Herstellung der Pizzen und anderen Menüs zuständig ist, kümmert sich Sandy um die Administration, ist Kurierfahrerin und packt – wenn nötig – in der Küche an. Für Spitzenzeiten haben sie auch weitere eigene Kurierfahrer angestellt, die im Moment auf Abruf arbeiten.

Hart umkämpfter Markt

Die beiden Neuunternehmer machen kein Geheimnis daraus: Das Pizzakurier-Geschäft ist hart umkämpft. In Wetzikon buhlen auf dem Stadtgebiet zahlreiche Anbieter um Kunden. Als Neuling auf dem Markt hat man es, trotz etabliertem Namen, nicht einfach.

Erschwerend kam hinzu, dass zu Beginn die Registrierung auf der Plattform Just Eat aus unerklärlichen Gründen nicht funktionierte, obwohl die neuen Betreiber alle Unterlagen eingereicht hatten. «Das war sehr nervenaufreibend, weil der Kundenservice schwer zu erreichen war», sagt Mirjam Pimenta dos Santos, die Özers bei den zahlreichen Nachfragen bei der Plattform unterstützte.

Viele Kunden bestellen nämlich nicht direkt beim Restaurant oder Kurier, sondern nutzen eine Plattform wie Just Eat, auf der sie eine Übersicht mehrerer Anbieter haben. «Es ist deshalb wichtig, dort präsent zu sein», betont Sandy Özer – und dies, obwohl Just Eat wie alle anderen Anbieter eine Provision für jede Lieferung erhält.

Nun hat die Registrierung aber geklappt – und Özers hatten auf einen Schlag mehr zu tun. «Bisher haben wir gute Rückmeldungen erhalten», erklärt Sandy Özer. Das ist im hart umkämpften Markt ebenfalls wichtig. Die Lage im Keller des «Schwiizer Stübli» ermöglicht es zudem, dass sich die Bar-Gäste etwas zu essen bestellen können.

Das Paar will bei ihrem Angebot vor allem mit der Qualität überzeugen. «Wir versuchen, so viel wie möglich frisch herzustellen», erklärt der Pizzaiolo. Dazu gehört nicht nur der Pizzateig, sondern beispielsweise auch die Brötchen für die Hamburger, die Özers neu auf die Speisekarte gesetzt haben.

Denn auch wenn das Geschäft Pizzakurier Wetzikon heisst, hat Mazlum Özer schnell realisiert: «Bisher verkaufen wir etwa gleich viele Pizzen wie Hamburger.»

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